Abwärtsbewegung der Ölpreise vor dem Wochenende

Zwar nehmen die Rohölvorräte mit zunehmenden Lockerungsmaßnahmen ab. Doch verhaltene Wirtschafts- und Nachfrageaussichten belasten die Marktstimmung.

 

In der ersten Monatshälfte verharrten die Rohölpreise auf Einmonatshochs im Seitwärtstrend. Stützend wirkten die umfangreichen Produktionskürzungen der OPEC+ und die zunehmenden Lockerungen weltweiter Corona-Maßnahmen. Gleichzeitig wurden die Rohölpreise von der anhaltenden Sorge um eine zweite Infektionswelle ausgebremst. US-Notenbankchef Jerome Powell erklärte in dieser Woche, die amerikanische Wirtschaft werde sich voraussichtlich erst Ende nächsten Jahres normalisieren. Mit einer vollständigen Erholung der Ölnachfrage rechnen Experten sogar erst 2022. Wie die Analysten von Energy Aspects schätzen, wird die Nachfrage in diesem Jahr zunächst um etwa sieben Millionen Barrel pro Tag zurückgehen, im nächsten Jahr dann wieder um fünf Millionen Barrel pro Tag zulegen. Die Marke von 100 Millionen Barrel pro Tag wird laut Energy Aspects erst 2022 wieder geknackt werden. Diese Einschätzung trübt die Marktaussichten ebenso wie der durchwachsene Bestandsreport des US-amerikanischen Department of Energy (DOE).

USA: Rohölvorräte abgebaut, Produktbestände gestiegen

Bereits am Dienstagabend hatte das American Petroleum Institute (API) einen überraschenden Rückgang der US-weiten Rohölvorräte gemeldet. Sowohl in Cushing als auch landesweit sei zuletzt weniger Rohöl gelagert worden. Doch Marktteilnehmer reagierten verhalten auf den API-Report, da er auch einen unerwartet bearishen Anstieg der Produktbestände enthielt. Einen Tag später zog das DOE mit einem ebenso durchwachsenen Wochenbericht nach, der die Einschätzungen des API bestätigte. Das DOE meldete einen Rückgang der US-Rohölvorräte um fünf Millionen Barrel. In Cushing seien die Bestände sogar um 5,6 Millionen Barrel zurückgegangen. Die Produktvorräte seien hingegen ausgebaut worden. Bei den Beständen an Destillaten verzeichnete das DOE einen Anstieg um 3,8 Millionen Barrel. Die Benzinvorräte seien um 2,8 Millionen Barrel gewachsen. Übereinstimmend berichten API und DOE von einer zuletzt gestiegenen Raffinerieauslastung, die die Rohölnachfrage spürbar angekurbelt hat. Allerdings scheint die Produktnachfrage trotz Lockerung der Corona-Maßnahmen hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Das DOE meldete sogar den ersten Rückgang der Benzinnachfrage seit sechs Wochen. Diese Einschätzungen verpassen den Hoffnungen auf eine Normalisierung der Ölnachfrage einen Dämpfer.

China: Verzicht auf Wirtschaftsprognose wegen Unsicherheit

Heute ist die ursprünglich für März geplante Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses Chinas gestartet. In Peking kommen 3.000 Delegierte zusammen, um den Regierungsbericht vorgestellt zu bekommen und über Gesetzesvorschläge zu beraten. Für gewöhnlich ist eine wirtschaftliche Wachstumsprognose für das laufende Jahr Teil des offiziellen Regierungsberichts. Diese fällt in diesem Jahr allerdings weg. Ministerpräsident Li Keqiang erklärte, Vorhersagen seien in diesen Zeiten schwer. Die Corona-Pandemie und die Entwicklung der Weltwirtschaft sorgten für Unsicherheit. Erstmals seit Anfang der 1990er Jahre verzichtet China damit auf eine Erwartung zum Wirtschaftswachstum. Eine Entscheidung, die Marktteilnehmern die Unberechenbarkeit der Corona-Krise vor Augen führt.

Durchwachsene Bestandsreports und die fehlende Wirtschaftsprognose Chinas bremsen die zuletzt herrschende Euphorie an den Märkten aus. Am Morgen verstärkt ein weiterer Impuls die bearishe Ausgangslage. US-Präsident Donald Trump beschuldigte China erneut, den US-Präsidentschaftswahlkampf durch gezielte Desinformation zu manipulieren. Die Sorge vor einer Verschlechterung der US-chinesischen Beziehungen rückt daher wieder in den Fokus. Am Morgen orientieren sich die Rohölpreise entsprechend abwärts. WTI wird bei 32,00 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 34,49 US-Dollar kostet. In den ersten Handelsstunden haben die Referenzsorten mehr als 1,50 US-Dollar verloren. Die Heizölpreise legten am gestrigen Feiertag bundesweit kräftig zu. Erstmals seit mehr als einer Woche kletterten sie wieder über die 69 Euro und damit in den Bereich ihrer Jahreshochs. Heute geben die Preise direkt wieder nach, im Vergleich zum Vortag um durchschnittlich 18 Euro. Vor dem Wochenende bleiben die Heizölpreise oberhalb der 50-Euro-Schwelle und halten dadurch Abstand von ihren Vierjahrestiefs, auf denen sie sich zuletzt bewegt hatten. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 51,23 Euro.

 

 

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