Abwärtsbewegung der Rohölpreise auf Zweiwochentiefs

Die Preisrallye an den Terminbörsen ist vorbei. Schwache Nachfrageaussichten und neue Infektionsfälle in China belasten die Rohölpreise zu Wochenbeginn.

 

Sieben Tage dauerte die Rallye an, die die Rohölpreise auf Dreimonatshochs trieb. Gestützt von bis Ende Juli verlängerten Kürzungsmaßnahmen der OPEC+, kletterten WTI und Brent auf den höchsten Stand seit Anfang März. Doch in der vergangenen Woche fand der Aufwärtstrend ein Ende. Die Referenzsorten schlossen die Handelswoche mit Verlusten von mehr als zwei US-Dollar ab. Zurückzuführen ist der Preisrückgang auf Gewinnmitnahmen sowie enttäuschte Händlererwartungen. Analysten waren davon ausgegangen, die US-Rohölvorräte seien bei wieder anlaufender Wirtschaft zuletzt gesunken. Doch sowohl das American Petroleum (API) Institute als auch das US-amerikanische Department of Energy (DOE) meldeten einen deutlichen Anstieg der Bestände. Laut API sind die Rohölvorräte um 8,4 Millionen Barrel gewachsen, laut DOE um 5,7 Millionen Barrel. Damit befinden sie sich nach Einschätzung des DOE 14 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Auch die Produktnachfrage zeigt keine Anzeichen einer Erholung von der Krise. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum werden laut DOE derzeit zwanzig Prozent weniger nachgefragt. Einen zusätzlichen bearishen Impuls setzt ein Blick nach China, der die Gefahr einer zweiten Infektionswelle in den Marktfokus rückt.

China meldet Anstieg der Corona-Infektionsfälle

In China gilt der Tiefpunkt der Corona-Krise als überstanden. Seit zwei Monaten bewegt sich die Zahl der täglich neuen Infektionsfälle im einstelligen Bereich. Doch nun meldet China den stärksten Anstieg der Corona-Infektionen seit Anfang April. Landesweit wurden Medienberichten zufolge am Wochenende 60 Neuinfektionen verzeichnet, 36 davon in der Hauptstadt Peking. Infektionsherd soll dort der Xinfadi-Markt gewesen sein, ein Lebensmittel-Großmarkt. In Reaktion auf die jüngsten Infektionsfälle wurden Wohnviertel im Umfeld abgesperrt, Schulen und Kindergärten geschlossen. Auch in einigen US-Bundesstaaten ist die Zahl der Corona-Infektionen zuletzt deutlich gestiegen. US-Finanzminister Steven Mnuchin kündigte allerdings bereits an, einen zweiten Lockdown werde es nicht geben. Im Interview mit dem Fernsehsender CNBC erklärte Mnuchin, das Herunterfahren der Wirtschaft ziehe nicht nur einen wirtschaftlichen Schaden nach sich. Wenngleich in den nächsten Monaten also vorrangig mit regionalen wirtschaftlichen Einschränkungen zu rechnen ist, bleibt unter Marktteilnehmern die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle bestehen.

Kerosin-Nachfrage anhaltend gering

Mit Lockerung der Corona-Maßnahmen und Anlaufen der wirtschaftlichen Aktivität erwarten Analysten eine langsame Wiederaufnahme des Flugverkehrs. Exemplarisch blickt man nach China, wo die Zahl der Inlandsflüge ihr Vorkrisenniveau nahezu erreicht hat. Sorge bereitet allerdings die Entwicklung des internationalen Flugverkehrs. Hier verzeichnet China noch immer einen Einbruch um 95 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Analysten erwarten einen ähnlichen Trend in anderen Ländern. Der inländische Flugverkehr könnte sich rasch erholen, während Skepsis gegenüber Auslandsflügen besteht. Diese bearishe Aussicht auf die Kerosin-Nachfrage der bevorstehenden Monate belastet die Rohölpreise am Morgen. Auch die neuen Corona-Infektionsfälle in China wirken nach. Die Referenzsorten haben in den ersten Handelsstunden daher um mehr als 1,50 US-Dollar verloren und sind auf Zweiwochentiefs abgesackt. WTI wird bei 34,60 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 37,46 US-Dollar. Die Heizölpreise sind Mitte vergangener Woche in den Bereich ihrer Monatstiefs zurückgefallen. Von über 67 Euro sackten sie auf 49 Euro ab. Am Wochenende unterschritten die Heizölpreise auch diese Schwelle. Bis heute halten sie sich nahezu unverändert nahe ihren Junitiefs. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 48,59 Euro.

 

 

Die mobene Unternehmensgruppe