Abwärtsbewegung der Rohölpreise von Mehrmonatshochs

Zwar fahren die Produzenten der OPEC+ ihren Output auch im Juli zurück. Doch Saudi-Arabien gibt eine Einschränkung bekannt, die die Euphorie ausbremst.

 

Auf dem höchsten Stand seit Anfang März haben die Rohölpreise die vergangene Handelswoche abgeschlossen. Spekulationen über eine Verlängerung der OPEC+-Kürzungen hatten für Aufwind gesorgt. Am Wochenende folgte dann die offizielle Einigung der Ölproduzenten auf eine Beibehaltung der Kürzungen für einen weiteren Monat. Dieser Beschluss ließ die Futures gestern mit einer Aufwärtsbewegung in die neue Woche starten. Das US-Rohöl WTI wurde am Vormittag oberhalb von 39 US-Dollar gehandelt, die Nordseesorte Brent oberhalb von 42 US-Dollar. Im Tagesverlauf ergab sich allerdings Abwärtspotenzial und die jüngste Preisrallye fand ein Ende. Bis Handelsschluss verloren die Rohölpreise um etwa 1,50 US-Dollar. Grund war eine Ankündigung Saudi-Arabiens, die die Euphorie ausbremste.

Keine Verlängerung der Zusatzkürzungen

Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate werden ihre im Alleingang umgesetzten Zusatzkürzungen wie geplant nur bis Ende Juni aufrechterhalten. Wie der saudi-arabische Energieminister Abdulasis bin Salman gestern erklärte, werden sie nicht verlängert. Die freiwillige Zusatzmaßnahme habe ihren Zweck erfüllt. Gleichzeitig betonte bin Salman, die Produktionssteigerung bringe ab Juli nicht mehr Öl auf den Weltmarkt. Vielmehr würden die Mengen für den Inlandsmarkt benötigt. Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten im Mai angekündigt, ihren Output unabhängig vom Kürzungsabkommen um weitere 1,18 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln. Dass diese Zusatzkürzungen nun wegfallen, wirkt an den Terminbörsen bearish. Im Juli werden die Ölproduzenten der OPEC+ ihre Produktion somit um die regulären, im Abkommen festgehaltenen 9,6 Millionen Barrel pro Tag kürzen.

Wiederaufnahme libyscher Ölförderung unterbrochen

Die Produktion am größten Ölfeld Libyens wurde wenige Tage nach ihrem Neustart gestoppt. Wegen der Bedrohung durch bewaffnete Personen wies die libysche National Oil Corporation (NOC) den Stopp der Wiederinbetriebnahme an. Im Zuge des Machtkampfes zwischen der Einheitsregierung in Tripolis und dem General der libyschen Nationalarmee war die Produktion am Sharara-Ölfeld bereits in den vergangenen vier Monaten ausgesetzt. Zuvor war es immer wieder zu Unterbrechungen in der Tagesproduktion von bis zu 300.000 Barrel gekommen. Dass der Neustart der Anlage nun nicht durchgeführt werden konnte und die libysche Ölförderung nicht hochgefahren wird, interpretieren Marktteilnehmer als grundsätzlich bullish.

Nach dem gestrigen Einbruch der Rohölpreise geht es an den Terminbörsen heute verhalten weiter. Der siebentägige Aufwärtstrend der Referenzsorten ist beendet. Am Morgen bewegen sie sich etwa zwei US-Dollar unterhalb ihrer Dreimonatshochs abwärts. WTI wird bei 38,04 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 40,57 US-Dollar. Die Heizölpreise geben heute ebenfalls nach. Im Vergleich zum Vortag fallen sie hierzulande um durchschnittlich 18 Euro. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 49,87 Euro.

 

 

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