Abwärtsbewegung der Rohölpreise zu Wochenbeginn

Von seinem historischen Sinkflug hat sich der Ölpreis zwar erholt. Doch die angespannte Lagersituation belastet die Marktstimmung weiterhin.

 

Eine Woche ist der historische Kursverfall an den Terminbörsen her. Am vergangenen Montag sackte der Preis für WTI um mehr als 300 Prozent ab, erstmals bis ins Minus. Das US-Rohöl wurde zwischenzeitlich bei minus 40 US-Dollar gehandelt. Ein Phänomen, das auf den Terminhandel zurückzuführen ist und gleichzeitig die Nachfragesituation verdeutlicht. Vor dem Frontmonatswechsel zum vergangenen Dienstag gestaltete sich die Suche nach Abnehmern für Kontrakte mit einer Lieferung bis Ende Mai schwierig. Im Zuge der Corona-Krise ist der weltweite Ölbedarf in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Daher wird Öl vermehrt eingelagert. Doch die Lagerkapazitäten sind begrenzt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters lagert derzeit eine Rekordmenge in Öltankern auf dem Wasser. Mindestens 160 Millionen Barrel befänden sich in schwimmenden Lagern. Die angespannte Lagersituation zeigt sich auch auf dem Festland.

Unkonventionelle Lösungen zur Öllagerung

In den wöchentlichen Bestandsberichten aus den USA findet eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Oklahoma stets Erwähnung. Marktteilnehmer interessieren sich nicht nur für die Entwicklung der Vorräte an Rohöl, Destillaten und Benzin. Auch die Bestände in Cushing werden Woche für Woche genau beobachtet. Denn dort befindet sich der bedeutendste Ölumschlag- und Lagerkomplex der USA. Von Cushing aus wird Öl in verschiedene Regionen verteilt und zwischengelagert. Die Entwicklung der dortigen Ölvorräte gilt daher als wichtiger Indikator für den aktuellen US-Ölbedarf. Auch in der Corona-Krise sind die Blicke von Anlegern und Analysten entsprechend auf Cushing gerichtet. Laut US-Energieministerium wurden in der Woche zum 17. April etwa 60 Millionen Barrel in der Kleinstadt gelagert. Platz ist für 77 Millionen Barrel. Beobachter gehen davon aus, dass die Lagerkapazitäten in Cushing bereits Ende nächster Woche ausgeschöpft sein könnten. Händler und Unternehmen greifen daher auf unkonventionelle Lösungen zurück, um ihr Öl zu lagern. Das zeigt eine Anfrage an die Texas Railroad Commission, die für die Öl- und Gasindustrie zuständige US-Behörde. Dort hat der US-Energiekonzern Energy Transfer um Erlaubnis gebeten, Pipelines vorübergehend stilllegen und als Öllager nutzen zu dürfen. Hierdurch soll Lagerplatz für zwei Millionen Barrel entstehen.

Auch Saudi-Arabien zieht Kürzungen vor

Zum 1. Mai wollten die Ölproduzenten der OPEC+ ihren Output für zwei Monate um 9,7 Millionen Barrel pro Tag drosseln. In der vergangenen Woche kündigten bereits Kuwait und Aserbaidschan an, ihre Produktion vorher zurückfahren zu wollen. Jetzt zieht OPEC-Mitglied Saudi-Arabien offenbar nach. Wie der Nachrichtensender Bloomberg berichtet, hat Saudi-Arabien mit der Kürzung begonnen. Die Produktion wird demnach noch vor dem Monatswechsel von 12 Millionen Barrel pro Tag auf 8,5 Millionen Barrel pro Tag gesenkt. An den Terminbörsen verpuffen die vorgezogenen Produktionskürzungen allerdings. Die Referenzsorten bewegen sich abwärts. Zwischen 1,50 und 2,50 US-Dollar haben sie auf ihre Eröffnungskurse verloren. WTI wird bei 14,55 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 20,16 US-Dollar. Die Heizölpreise sind in der Vorwoche auf ein neues Mehrjahrestief gefallen. Zwischenzeitlich lag der deutschlandweite Durchschnittspreis unterhalb von 49 Euro. Zwar kletterte er vor dem Wochenende um drei Euro und legte in den vergangenen Tagen um weitere 70 Cent zu. Dennoch verbleiben die Heizölpreise im Bereich ihrer Mehrjahrestiefs. Heute befinden sie sich unverändert auf diesem Niveau. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 52,45 Euro.

 

 

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