Abwärtstendenz der Ölpreise von Zweimonatshochs

Seit zwei Wochen blickt der Ölmarkt nach Venezuela. Bislang erschwert der Machtkampf Ölförderung und –verarbeitung. Langfristig könnte er beides ankurbeln.

 

Im Laufe des gestrigen Vormittags sind die Rohölpreise auf Zweimonatshochs gestiegen. Aufwärtspotenzial verschafften ihnen Arbeitsmarktdaten aus den USA, der Rückgang aktiver US-Ölbohranlagen auf ein Achtmonatstief und Annäherungen im US-chinesischen Handelsstreit. Der Wochenstart fiel somit eindeutig bullish aus. Hierzu trug auch bei, dass die USA für Ende April das Verbot von Ölimporten aus Venezuela ankündigten. Entsprechend befindet sich der Ölmarkt derzeit im Spannungsfeld zwischen Aufwärtspotenzial und Gewinnmitnahmen.

 

Venezuelas Machtkampf mit Zweifachwirkung

Kurzfristig wirkt der politische Machtkampf in Venezuela bullish, doch langfristig könnte sich die Impulsrichtung ändern. Auf der bullishen Seite steht, dass sich die angespannte politische Situation auf die Ölindustrie auswirkt. US-Sanktionen schränken die bereits zuvor angeschlagene Ölförderung des südamerikanischen Staates weiter ein. Sie erschweren den Ölexport und die Ölverarbeitung. Frühere Handelspartner verzichten nun auf venezolanisches Öl, während Venezuela das für die Verarbeitung benötigte Naphtha aus den USA ausgeht. Insiderkreise berichten, die Förderung sei infolgedessen jüngst unter die Schwelle von einer Million Barrel pro Tag gerutscht. Analysten gehen allerdings davon aus, dass der Machtkampf langfristig eine bearishe Wirkung auf den Ölmarkt haben wird. Nach einem Regimewechsel könnten sich Wirtschaft und Ölindustrie erholen und die Förderung angekurbelt werden. USA und EU hatten zuletzt den politischen und wirtschaftlichen Druck auf die venezolanische Regierung unter Präsident Nicolás Maduro erhöht, Sanktionen eingeführt und Juan Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt.

 

Analysten sehen umfangreiche OPEC-Kürzungen

Übereinstimmende Einschätzungen von Analysten deuten darauf hin, dass die OPEC ihre Produktion im Januar stärker zurückgefahren hat als erwartet. In ersten Monatsberichten hieß es, das Kartell habe seinen Output im Vergleich zum Dezember um 890.000 Barrel pro Tag gedrosselt. Allein Saudi-Arabien habe seine Produktion um 350.000 Barrel pro Tag gesenkt. Auch der Nachrichtensender Bloomberg bestätigt umfangreiche Produktionskürzungen. Die OPEC-Mitgliedsstaaten hätten ihre Förderung im Januar um 930.000 Barrel pro Tag reduziert. Als Vorreiter nennt Bloomberg ebenfalls Saudi-Arabien mit einem Rückgang der Tagesproduktion um 450.000 Barrel. Die Übererfüllung der Kürzungsquoten begünstigt besonders in Kombination mit der unbeständigen Ölförderung Venezuelas eine Verknappung des Ölangebots. Beide Impulse stützen die Rohölpreise grundsätzlich. WTI wird am Morgen bei 54,70 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 62,63 US-Dollar. Bewegten sich die Referenzsorten gestern noch auf Zweimonatshochs, tendieren sie momentan abwärts und fallen zurück auf ihre Vorwochenniveaus. Zum ersten Mal seit Mitte Januar knacken die Heizölpreise heute die 68-Euro-Marke.  Im Vergleich zum Vortag haben sie um 70 Cent zugelegt. Der Anstieg befördert die Preise zwar auf Dreiwochenhochs, lässt sie aber nicht aus ihrem mehrwöchigen Seitwärtstrend ausbrechen. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 68,00 Euro.

 

 

Die mobene Unternehmensgruppe