Anspannungen drücken Rohölpreise in Abwärtstendenz

Womöglich ist ein Deal zwischen den USA und China doch nicht so nah wie vermutet. US-Handelsbeauftragter Lighthizer dämpfte die Erwartungen.

 

Nach ihrem Einbruch gleich zu Wochenbeginn ging es für die Rohölpreise in den vergangenen zwei Tagen kontinuierlich aufwärts. Um fast zwei US-Dollar haben sie zugelegt und sich wieder ihren Niveaus vom Montagmorgen angenähert. Die Kritik des US-Präsidenten an zu hohen Ölpreisen war schnell vergessen. Schließlich ließ die OPEC umgehend wissen, sich nicht in ihren Produktionskürzungen beirren zu lassen. Folglich setzten sich mit den Fortschritten im US-chinesischen Handelsstreit und der spürbaren Angebotsknappheit die bullishen Impulse durch. Deutliches Aufwärtspotenzial verschafften den Rohölpreisen aber erst die Bestandsberichte des American Petroleum Institute (API) und des US-amerikanischen Department of Energy (DOE).

 

USA: Übereinstimmende Berichte über Bestandsrückgang

Die dieswöchigen Bestandsreports von API und DOE stimmen in ihrer Tendenz überein, wobei das US-Energieministerium gestern noch bullishere Daten bereithielt. Unter Berücksichtigung geringer Aufbauten im zentralen Lagerort Cushing sind die US-Rohölvorräte laut DOE um 8,7 Millionen Barrel zurückgegangen. Zuvor hatte bereits das API unerwartete Abbauten um 4,2 Millionen Barrel gemeldet. Dem DOE zufolge ist die umfangreiche Reduzierung auf gesunkene Rohölimporte zurückzuführen. Die USA hätten in der Berichtswoche so wenig Rohöl importiert wie zuletzt 1996. Insbesondere aus Saudi-Arabien habe man weniger Öl bezogen. Einen weiteren Bestandsrückgang haben beide Einrichtungen in der Kraftstoffkategorie verzeichnet. Hier geht das API von einer Verkleinerung der Lagermenge um 3,8 Millionen Barrel aus, während das DOE einen Rückgang um 1,9 Millionen Barrel meldet. Die Veränderung der US-Vorräte an Destillaten ist indes weniger bedeutend. Laut API sind sie geringfügig gestiegen, laut DOE um 300.000 Barrel gesunken. Obwohl die US-Ölförderung nach DOE-Bericht mit 12,1 Millionen Barrel pro Tag einen neuen Rekord aufgestellt hat, sind die Reports eindeutig bullish zu interpretieren. Sie weisen auf knappere Bestände und den Erfolg der OPEC-Produktionskürzungen hin.

 

Venezuela: Sanktionen belasten Ölhandel

Während der venezolanische Ölminister die Ölexporte des südamerikanischen Landes als stabil einschätzt, berichtet der Informationsdienstleister Kpler Gegenteiliges. Gibt Venezuela selbst seine Exporte mit 1,2 Millionen Barrel pro Tag an, sind es laut Kpler unter Berufung auf Schiffsdaten nur 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Im Vergleich zu Januar entspreche dies einem Rückgang um fast 250.000 Barrel pro Tag. Kpler zufolge sind vor allem US-amerikanische Handelspartner als Abnehmer weggebrochen. Habe Venezuela im Januar noch täglich 484.000 Barrel in die USA exportiert, seien es im Februar nur noch 149.000 Barrel pro Tag gewesen. Obwohl die venezolanische Ölindustrie alternative Abnehmer gefunden hat, stellen die US-Sanktionen eine merkliche Belastung dar. Am Morgen überwiegen somit die bullishen Impulse. Für Anspannung sorgt jedoch das abrupte Ende des Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Das Weiße Haus teilte mit, es sei keine Einigung erzielt worden. Das geplante gemeinsame Mittagessen, die Pressekonferenz sowie die Unterzeichnung einer Erklärung wurde abgesagt. Auch hinsichtlich eines Handelsdeals mit China wurden die Erwartungen gedämpft. US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer betonte, der Handelsstreit könne nicht allein durch Kaufzusagen Chinas beigelegt werden. China müsse Vereinbarungen einhalten. Die Rohölpreise tendieren entsprechend unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse abwärts. WTI wird bei 56,75 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 66,05 US-Dollar. Seit Wochenbeginn haben sich die Heizölpreise abwärts bewegt und um knapp 60 Cent nachgegeben. Heute erfolgt der Ausgleich des Preisrutsches. Im Vergleich zum Vortag sind die Preise um fast einen Euro gestiegen und so auf Einwochenhochs geklettert. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 70,25 Euro.

 

 

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