API-Report verstärkt Abwärtsbewegung der Rohölpreise

Mit einem Rückgang der US-weiten Ölvorräte hatten Analysten eigentlich gerechnet. Doch der gestrige API-Report blieb hinter den Erwartungen zurück.

 

Eine Woche lang haben sich die Rohölpreise auf Zweieinhalbmonatshochs bewegt. Angetrieben von Produktionskürzungen und der Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung haben sie den höchsten Stand seit Anfang März erreicht. Optimistisch stimmten Marktteilnehmer insbesondere Hinweise auf eine niedrige Tagesproduktion Russlands. Aus dem dortigen Energieministerium hieß es zudem, man erwarte spätestens im Juli ein Ende der Überversorgung. Diese Einschätzungen deckten sich mit vorangegangenen, der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Krise könnte bereits überwunden sein. An den Terminbörsen breitete sich Euphorie aus, die selbst von den zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China nicht spürbar eingedämmt wurde. Anleger und Analysten scheinen zunächst abzuwarten, welche Maßnahmen die USA diese Woche in Reaktion auf das Sicherheitsgesetz Chinas ankündigen werden. Ein anderer Faktor sorgte gestern Abend dafür, dass die Rohölpreise Abstand von ihren Hochs nahmen. Das American Petroleum Institute (API) lieferte überraschend bearishe Bestandsdaten.

API meldet Aufbauten in allen Kategorien

Marktteilnehmer vermuteten, die Zeichen stünden auf Erholung. Mit zunehmenden Lockerungen der Corona-Maßnahmen und Näherrücken der sommerlichen Fahrsaison erwartete man einen Anstieg der Ölnachfrage. Der gestern Abend bekannt gewordene Wochenreport des API enttäuschte diese Hoffnungen. Analysten waren im Vorfeld von einem Rückgang der US-weiten Rohölvorräte um 1,6 Millionen Barrel ausgegangen. Das API meldete hingegen einen überraschend deutlichen Ausbau um 8,7 Millionen Barrel. Auch bei Benzin bleiben die erwarteten Abbauten um bis zu 300.000 Barrel aus. Dem API zufolge sind die US-Benzinvorräte um 1,1 Millionen Barrel ausgebaut worden. Bei den Beständen an Destillaten sind die Aufbauten indes deutlicher ausgefallen als gedacht. Erwarteten Analysten einen Anstieg der Vorräte um bis zu zwei Millionen Barrel, meldete das API einen Zuwachs um 6,9 Millionen Barrel. Mit teils starken Aufbauten in allen Kategorien lieferte das API gestern einen klar bearishen Impuls. Die Einschätzungen dämpfen die zuletzt herrschende Zuversicht, der Ölmarkt sei bereits auf dem Weg der Normalisierung.

Russland und Saudi-Arabien bekräftigen Zusammenarbeit

Am 9. und 10. Juni werden die Ölproduzenten der OPEC+ über die Zukunft ihrer Produktionskürzungen beraten. Die Videokonferenz wird mit Spannung erwartet, gibt es doch Spekulationen über eine Verlängerung der Kürzungsmaßnahmen bis Jahresende. Wenige Wochen vor der strategischen Abstimmung haben sich Russland und Saudi-Arabien nun bereits bilateral ausgetauscht. Nach Angaben des Kreml hat am gestrigen Mittwoch ein Telefonat zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman stattgefunden. Beide hätten über die aktuelle Lage am Ölmarkt gesprochen und seien sich über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit einig.

Am Morgen stehen die bearishen Bestandsdaten des API im Marktfokus, während das Telefonat zwischen Putin und bin Salman vielmehr symbolischen Charakter hat. Die Rohölpreise orientieren sich entsprechend abwärts, liegen derzeit etwa einen US-Dollar unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse. WTI wird bei 31,94 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 34,10 US-Dollar. Die Heizölpreise setzen ihren Abwärtstrend heute ebenfalls fort. Im Vergleich zum Vortag geben sie hierzulande um durchschnittlich 70 Cent nach. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 47,21 Euro.

 

 

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