Auf Vortagesrallye der Ölpreise folgt Seitwärtstendenz

Monatelang stand das größte Ölfeld Libyens still. Nun wird es reaktiviert, was in kurzer Zeit mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag auf den Markt bringt.

 

Sowohl die Heizöl- als auch die Rohölpreise starteten gestern mit einer Aufwärtsbewegung in die neue Handelswoche. Legten die Heizölpreise um durchschnittlich wenige Cent zu, ergab sich bei den Rohölpreisen mehr Spielraum. Um fast einen US-Dollar stiegen die Preisniveaus von WTI und Brent im Tagesverlauf. Aufwärtspotenzial verschaffte den Referenzsorten neben den umfangreichen Produktionskürzungen der OPEC die offenbar näher rückende Einigung im US-chinesischen Handelsstreit. Aus Washington und China heißt es, man stünde kurz vor einer Handelsvereinbarung. Noch Ende März könnte ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping stattfinden, bei dem der Deal unterzeichnet würde. Diese Aussicht stützte die Rohölpreise gestern, doch Neuigkeiten aus Libyen dämpfen das Aufwärtspotenzial.

 

Libyen: Größtes Ölfeld reaktiviert

Nach monatelanger Besetzung durch bewaffnete Gruppierungen wurde das größte Ölfeld Libyens gestern Abend wieder in Betrieb genommen. Die Förderung am Sharara-Ölfeld sei wieder aufgenommen worden, bestätigte die National Oil Corporation (NOC). Auf dem Gelände befänden sich keine Besetzer mehr, so das Ergebnis der NOC-Inspektion. Nun könne man die Sicherheit der Arbeiter wieder gewährleisten. Insider berichten, dass die Förderung bereits gestern Abend angelaufen ist und in den Morgenstunden ausgebaut wird. Laut NOC ist geplant, die Produktion binnen weniger Tage auf ihr ursprüngliches Niveau zu steigern. Vor seiner Besetzung Anfang Dezember 2018 produzierte das Sharara-Ölfeld täglich 315.000 Barrel. Mit dem unerwarteten Produktionsausfall hat Libyen unfreiwillig zu den Kürzungsbestrebungen der OPEC beigetragen.

 

Venezuela: Weitere Proteste angekündigt

Juan Guaidó, selbst ernannter Interimspräsident Venezuelas, hat bei seiner gestrigen Rückkehr zu weiteren Protesten gegen die Regierung aufgerufen. Guaidó war gestern wie angekündigt wieder nach Venezuela eingereist. Am Flughafen in Caracas wurde er von Pressevertretern und Diplomaten empfangen, die ihn als Übergangspräsidenten anerkennen. Im Zentrum der venezolanischen Hauptstadt nahm Guaidó anschließend an einer Demonstration gegen die Regierung teil und rief für Samstag zu weiteren Protesten auf. Die venezolanische Regierung unter Niolás Maduro hatte zuvor mit der Verhaftung Guaidós gedroht, da er unter anderem illegal ausgereist sei. Die angespannte Lage in dem südamerikanischen Land wird Finanz- und Rohstoffbörsen weiterhin beschäftigen.

Aktuell befindet sich der Markt im Spannungsfeld zwischen bullishen und bearishen Impulsen. Stützend wirken die einschneidenden Produktionskürzungen der OPEC, der Machtkampf in Venezuela und die mögliche Beilegung des US-chinesischen Handelsstreits. Die Reaktivierung des größten libyschen Ölfelds und schwache Wirtschaftsprognosen Chinas belasten die Preise hingegen. Ministerpräsident Li Keqiang eröffnete den Volkskongress in Peking mit der düsteren Aussicht auf ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent, dem niedrigsten Wert seit nahezu 30 Jahren. Die Rohölpreise bewegen sich daher unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse seitwärts. WTI wird am Morgen bei 56,39 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 65,42 US-Dollar kostet. Die Heizölpreise halten sich auch heute im Bereich ihrer Dreimonatshochs. Schwankten sie zuletzt um die 70-Euro-Marke, liegen sie seit dem Wochenende konstant darüber. Im Vergleich zum Vortag legen sie heute etwas zu. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 70,29 Euro.

 

 

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