Aufwärtstendenz der Rohölpreise nach API-Bericht

Zum zweiten Mal in Folge soll der US-Rohölvorrat zurückgegangen sein. Aufgrund libyscher Produktionsausfälle könnten die Bestände weiter sinken.

 

Nachdem die Rohölpreise mit einer Abwärtsbewegung in die Handelswoche gestartet waren, haben sie gestern ihre Verluste vom Montag ausgeglichen. Im Laufe des Handelstages setzte sich die bullishe Stimmung durch und die Preise stiegen um bis zu 80 Cent. Die beschlossenen Produktionskürzungen geben den Ölpreisen lediglich Stabilität. Eine starke Aufwärtsreaktion blieb hingegen aus. Grund dafür ist, dass die Nachfrage im nächsten Jahr voraussichtlich schneller sinken wird als das Angebot. So rechnet man im US-Energieministerium für Januar mit einem Nachfrageeinbruch um 3,24 Millionen Barrel pro Tag. Die OPEC wird ihr Kürzungsziel indes nur schrittweise erreichen, wie Russland jüngst klarstellte. Am Morgen tendieren die Rohölpreise dennoch weiter aufwärts, da die US-Ölvorräte laut American Petroleum Institute (API) rückläufig sind.

 

API-Einschätzung übertrifft Erwartungen

Nach Einschätzung des API sind die US-weiten Bestände an Rohöl und Benzin zuletzt gesunken, während die Vorräte an Destillaten leicht ausgebaut wurden. Die Rohölbestände seien um 10,2 Millionen Barrel verkleinert worden. Analysten hatten im Vorfeld mit Abbauten um maximal 2,5 Millionen Barrel gerechnet. Zurückzuführen ist der umfangreiche Bestandsrückgang vermutlich auf den Anstieg der Raffinerieauslastung. Nach dem Ende saisonaler Wartungsarbeiten wird die Raffinerieproduktion zu dieser Jahreszeit für gewöhnlich wieder hochgefahren, sodass mehr Rohöl verbraucht wird. Weniger von Interesse ist außerhalb der Sommermonate, dass laut API auch der US-Benzinvorrat gesunken ist. Um 2,5 Millionen Barrel habe er abgenommen, obwohl Experten einen Ausbau prognostiziert hatten. Leicht gestiegen sind dem API zufolge allerdings die Vorräte an Destillaten. Sie seien US-weit um 700.000 Barrel gewachsen. Insgesamt wird der dieswöchige API-Report am Markt bullish interpretiert. Anleger und Analysten warten nun auf den Vergleichsbericht des US-Energieministeriums.

 

Produktionsunterbrechungen in Libyen

Zum wiederholten Mal in diesem Jahr sieht sich die libysche Ölindustrie mit Produktionsschwierigkeiten konfrontiert. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Produktion auf zwei Ölfeldern vorübergehend eingestellt wurde. Vom El Feel-Ölfeld fehlen in nächster Zeit daher 73.000 Barrel pro Tag. Für Lieferungen vom Sharara-Ölfeld gilt indes seit Wochenbeginn der Force Majeure-Status. Hier kommt es laut libyscher National Oil Corporation zu Produktionsausfällen von 315.000 Barrel pro Tag. Wegen der unerwarteten Produktionsunterbrechungen in Libyen und der umfangreichen Bestandsabbauten in den USA ist die Nachrichtenlage heute eindeutig bullish. Die Rohölpreise bewegen sich daher am Morgen aufwärts. WTI wird bei 52,07 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 60,70 US-Dollar. Die Heizölpreise sind seit Wochenbeginn um mehr als zwei Euro gesunken. Heute geben sie erneut nach und fallen auf ein Viermonatstief. Mit 69,86 Euro kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt aktuell so wenig wie seit Anfang August nicht mehr. Zurückzuführen ist der Preisrutsch vor allem auf den deutlichen Anstieg der Rheinpegelstände. Nach monatelangem Niedrigwasser haben die Regenfälle der vergangenen Tage für Entspannung gesorgt. Viele Schiffe können inzwischen wieder voll beladen werden, sodass die durchschnittlichen Transportkosten zurückgehen.

 

 

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