Aufwärtstendenz führt Ölpreise auf Einmonatshochs

Nach einem verhaltenen Start in den Mai legen die Rohölpreise deutlich zu. Analysten vermuten, die Überversorgung könnte ihren Höhepunkt überwunden haben.

 

Mit einer Abwärtsbewegung begann die neue Handelswoche gestern an den Terminbörsen. Die Skepsis gegenüber den Kürzungsmaßnahmen der OPEC+ und die Gefahr zunehmender Spannungen zwischen den USA und China belasteten die Rohölpreise. Mehrere Geheimdienste um Großbritannien und die USA hatten China Vertuschung im Umgang mit dem Ausbruch von Covid-19 vorgeworfen. Marktteilnehmer befürchten nun, der US-chinesische Handelsstreit könnte wieder aufflammen. Trotz bearisher Ausgangslage ging es für die Rohölpreise im Tagesverlauf bergauf. Die Referenzsorten kletterten um etwa zwei US-Dollar. WTI knackte erstmals seit zwei Wochen die 20-US-Dollar-Marke. Brent überschritt zum ersten Mal seit Mitte April die Schwelle von 26 US-Dollar. Am Morgen bewegen sich die Rohölpreise von ihren Zweiwochenhochs aus weiter aufwärts. An den Terminbörsen herrscht optimistische Stimmung. Angesichts weltweiter Lockerungen der Corona-Maßnahmen hält man eine baldige Erholung der Ölnachfrage für wahrscheinlich.

Überversorgung hat Höhepunkt wohl hinter sich

Unter Marktteilnehmern macht sich zunehmend Optimismus breit. Man ist der Auffassung, dass die Überversorgung ihren Höhepunkt bereits im April erreicht hat. Analysten berufen sich zum einen auf den in der Vorwoche vom US-Energieministerium gemeldeten Anstieg der Ölnachfrage. Zum anderen verweist man auf die jüngste Einschätzung des Informationsdienstleisters Genscape. Demnach sind die Bestände im zentralen Lagerort Cushing nur um 1,8 Millionen Barrel gestiegen. Das entspricht dem schwächsten Anstieg seit sechs Wochen. Auch die Analysten von Goldman Sachs zeigen sich optimistisch und rechnen mit einer dreistufigen Ölpreisrallye. Derzeit befinde sich der Markt bereits in der ersten Phase, der Erleichterung. Laut Goldman Sachs folgen in den nächsten Monaten eine Verknappung des Angebots und schließlich die Normalisierung des Marktgeschehens. Voraussetzung ist allerdings, dass eine zweite Infektionswelle ausbleibt. An den Terminbörsen reagiert man dennoch umgehend bullish.

Mutmaßlicher Invasionsversuch in Venezuela

Nach einem mutmaßlichen Invasionsversuch hat Venezuela Soldaten in Stellung gebracht. Mehr als 25.000 Soldaten werden nach Angaben der Behörden nach weiteren „terroristischen Söldnern“ fahnden. Staatschef Nicolás Maduro erklärte, die venezolanische Regierung habe die geplante Invasion am Sonntag unterbunden. Dabei seien acht Angreifer getötet und einige festgenommen worden, darunter auch zwei US-Bürger. Die Regierung um Maduro beschuldigt Kolumbien und die USA, den Angriff geplant zu haben. Beide weisen die Vorwürfe zurück. Sollte sich der Konflikt zuspitzen, könnte er sich wie bereits vor über einem Jahr auf den Ölmarkt auswirken. Damals hatten die USA in Unterstützung des selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó Sanktionen gegen die venezolanische Ölindustrie verhängt, um Maduros Regierung zu schwächen.

Aufgrund des Konfliktpotenzials und bei zunehmendem Optimismus legen die Rohölpreise am Morgen zu. WTI wird am Morgen bei 22,70 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 29,18 US-Dollar. Damit sind die Rohölpreise auf Einmonatshochs geklettert. Seit etwa einem Monat unterliegen die Heizölpreise starken täglichen Schwankungen. Zwischen Jahreshochs und Vierjahrestiefs bewegen sie sich auf und ab. Hierzulande orientierten sich die Preise zuletzt aufwärts. In den vergangenen sieben Tagen legten sie um mehr als 16 Euro zu. Dieser Anstieg wird durch den heutigen Rückgang der Preise nahezu ausgeglichen. Im Vergleich zum Vortag geben sie um durchschnittlich mehr als 15 Euro nach. Damit liegen die Heizölpreise auf Einwochentiefs. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 52,69 Euro.

 

 

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