Aufwärtstendenz führt Rohölpreise auf Dreimonatshochs

An den Terminbörsen erwartet man, dass die OPEC+ schon morgen eine Verlängerung ihrer Kürzungsmaßnahmen um mindestens einen Monat beschließen.

 

Neue Kürzungspläne der OPEC+ trieben die Rohölpreise gestern auf Dreimonatshochs. Erstmals seit Anfang März knackte Brent die Marke von 40 US-Dollar, während WTI die 38 US-Dollar überschritt. Aus Insiderkreisen heißt es, die Ölproduzenten könnten morgen ihre künftige Produktionsstrategie vorstellen. Geplant war ursprünglich, den Output gemeinsam bis Ende Juni um insgesamt 9,7 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Anschließend sollte die Produktion schrittweise wieder hochgefahren werden. Zuletzt mehrten sich an den Terminbörsen bereits Spekulationen, die Produzenten der OPEC+ würden ihre Kürzungen bis Jahresende beibehalten. Im Gespräch ist Medienberichten zufolge inzwischen eine kurzfristigere Verlängerung. Saudi-Arabien soll eine Beibehaltung der Kürzungen für weitere ein bis drei Monate anstreben, während Russland sich zunächst für eine Verlängerung um einen Monat bereiterklärt haben soll. Die Spekulationen über anhaltende Produktionskürzungen der OPEC+ verschafften den Rohöl-Futures gestern deutlichen Aufwind. Im Tagesverlauf legten die Referenzsorten um drei bis vier US-Dollar zu. Auch der Wochenreport des American Petroleum Institute (API) enthielt eine bullishe Überraschung.

Unerwarteter Rückgang der US-Rohölvorräte

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Bestände an Rohöl zurückgegangen, während die Produktvorräte ausgebaut worden sind. Das geht aus den gestern bekannt gewordenen Einschätzungen des API hervor. Analysten hatten im Vorfeld prognostiziert, die Rohölvorräte seien um 2,8 Millionen Barrel gestiegen. Laut API sind die US-weiten Bestände allerdings um 500.000 Barrel gesunken. Die Rohölvorräte im zentralen Lagerort Cushing seien sogar um 2,2 Millionen Barrel verkleinert worden. Mit dieser Einschätzung setzt das API einen bullishen Impuls, der auf eine Stabilisierung der Nachfrage hindeutet. Die Entwicklung der Produktbestände fällt hingegen enttäuschend aus. Analysten hatten damit gerechnet, dass die US-Vorräte an Destillaten um maximal drei Millionen Barrel gewachsen sind. Das API meldete gestern einen Anstieg um 5,9 Millionen Barrel. Bei den Benzinvorräten hatten Analysten im Vorfeld sogar einen leichten Rückgang um 200.000 Barrel erwartet, während das API von einem Anstieg um 1,7 Millionen Barrel ausgeht. Marktteilnehmer warten nun auf den Vergleichsreport des US-Energieministeriums, der am Nachmittag veröffentlicht wird.

Chinas Ölnachfrage mit steiler Erholung

War die Ölnachfrage Chinas noch Mitte Februar rapide eingebrochen, ist seit Mitte März eine rasche Erholung zu beobachten. Marktteilnehmer blicken insbesondere in die chinesische Provinz Shandong, in der viele unabhängige, kleinere Raffinerien ansässig sind. Dort liegt die Raffinerieauslastung inzwischen über dem Vorkrisenniveau. Dem Nachrichtensender Bloomberg zufolge warten zudem mehr als zwanzig Tanker vor der Küste Shandongs auf Entladung. Die wieder anlaufende Ölverarbeitung interpretieren Anleger und Analysten als Zeichen für eine Normalisierung der chinesischen Ölnachfrage. In Kombination wirken die steigende Nachfrage und die möglicherweise anhaltende Verknappung des Angebots auch heute bullish. Die Rohölpreise bewegen sich am Morgen im Bereich ihrer Dreimonatshochs aufwärts. WTI wird bei 37,88 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 40,37 US-Dollar. Die Heizölpreise sind gestern indes zurück in den Bereich ihrer Vierjahrestiefs gefallen.

 

 

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