Aufwärtstrend führt Rohölpreise auf Zweimonatshochs

In Reaktion auf das gestrige Fernsehinterview des US-Notenbankchefs legen die Rohölpreise am Morgen deutlich zu und nehmen Kurs auf neue Hochs.

 

Seit Monatsbeginn haben sich die Rohölpreise auf Einmonatshochs seitwärts bewegt. Die ab Mai umgesetzten, historischen Produktionskürzungen der OPEC+ sorgten für Aufwind. Zugleich war das Auswärtspotenzial wegen wirtschaftlicher Sorgen begrenzt. Es war unklar, wann sich die Weltwirtschaft von der Corona-Krise erholen würde. Zwar haben einige Länder ihre Pandemie-Maßnahmen zuletzt gelockert. Doch Marktteilnehmer kalkulierten die Gefahr einer zweiten Infektionswelle ein. Vor dem Wochenende änderte sich die Impulslage an den Terminbörsen plötzlich. Anleger und Analysten zeigten sich nach dem jüngsten Rückgang der US-Rohölvorräte zunehmend optimistisch. Das US-Energieministerium hat in der Vorwoche gemeldet, die Bestände seien um 700.000 Barrel gesunken. Kurz darauf setzten auch die International Energy Agency (IEA) und die Energy Information Administration (EIA) bullishe Impulse. Ihre Monatsreports lassen darauf schließen, dass die Überversorgung ihren Höhepunkt bereits im April erreicht hat. Ihre Nachfrageprognosen für das Jahr 2020 korrigierten IEA und EIA nach oben. Zu Beginn der neuen Handelswoche bleibt die Marktstimmung bullish. Eine Einschätzung des US-Notenbankchefs treibt die Rohölpreise auf neue Hochs.

Powell hält Erholung noch 2020 für möglich

In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS gab Jerome Powell gestern einen zuversichtlichen Konjunkturausblick. Im Rahmen der Sendung „60 Minutes“ erklärte der US-Notenbankchef, eine Erholung von der Corona-Krise sei noch in diesem Jahr möglich. Im laufenden Quartal könne sich die Lage allerdings zunächst verschärfen. War die Wirtschaftsleistung der USA im ersten Quartal um 4,8 Prozent geschrumpft, erwartet Powell für das zweite Quartal einen Rückgang um bis zu 30 Prozent. Parallel werde die US-Arbeitslosenquote auf 20 bis 25 Prozent steigen. Im April lag sie bei 14,7 Prozent.

Dennoch glaubt Powell nicht, dass die Wirtschaftskrise ein ähnliches Ausmaß annimmt wie die der 1930er Jahre. Vielmehr stünden die Chancen gut, dass sich die Wirtschaft ab dem dritten Quartal wieder erhole. Zwar wird sich Powell zufolge eine vollständige Wirtschaftserholung erst im nächsten Jahr abzeichnen. Doch bereits im zweiten Halbjahr 2020 werde es ein stetiges Wachstum geben. Voraussetzung hierfür ist laut Powell, dass eine zweite Infektionswelle ausbleibt. Auch von der Entwicklung eines Impfstoffes könne die wirtschaftliche Entwicklung abhängen. Insgesamt interpretieren Marktteilnehmer Powells Konjunkturausblick positiv. Entsprechend legen die Rohölpreise am Morgen deutlich zu. WTI liegt mit 31,02 US-Dollar auf dem höchsten Preisniveau seit Anfang März. Die Nordseesorte Brent stellt mit 33,76 US-Dollar ebenfalls einen Zweimonatsrekord auf. Beide Referenzsorten sind seit Handelseröffnung um mehr als einen US-Dollar geklettert. Die Heizölpreise sind vor dem Wochenende indes auf neue Vierjahrestiefs gerutscht. Hierzulande haben sie sich nur noch knapp oberhalb von 46 Euro bewegt. Über das Wochenende hinweg legten die Preise um etwa 1,50 Euro zu. Auf diesem Preisniveau im Bereich ihrer Vierjahrestiefs starten sie heute in die neue Woche. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 47,66 Euro.

 

 

Die mobene Unternehmensgruppe