Aufwärtstrend treibt Rohölpreise auf neue Hochs

In Venezuela streiten Präsident und Interimspräsident weiterhin um die Macht. Marktteilnehmer sehen die Ölversorgung bedroht, die USA wiegeln ab.

 

Eine Preisrallye hat der Machtkampf in Venezuela bislang nicht ausgelöst. Schwache Nachfrageprognosen und Spekulationen über die Freigabe strategischer US-Ölreserven begrenzen das Aufwärtspotenzial etwas. Auch Fatih Birol, Chef der International Energy Agency, schätzt die aktuelle Versorgungssituation als entspannt ein. Doch gleichzeitig sieht er viele Unsicherheiten am Markt. Der Effekt der politischen Unruhe in Venezuela ist somit schwer absehbar. Gemeinsam mit den OPEC-Produktionskürzungen, den Förderausfällen in Libyen und laufenden Gesprächen im US-chinesischen Handelsstreit wirkt die politische Unsicherheit in Venezuela bullish. Offen ist, wie sie sich auf die Ölversorgung auswirken wird.

 

US-Sanktionen gegen Venezuela mit mäßigem Einfluss

Am Montag haben die USA die Verhängung von Sanktionen gegen Venezuela bekannt gegeben. Auf die Rohölpreise haben die Sanktionen bislang nur mäßigen Einfluss. WTI und Brent legten seit Wochenbeginn nur um 3,50 US-Dollar zu. Experten gehen davon aus, dass die venezolanische Ölproduktion sanktionsbedingt um mehrere hunderttausend Barrel zurückgehen wird. Zuvor war der Output Venezuelas wegen schwacher Wirtschaft von 1,7 auf eine Million Barrel pro Tag gesunken. Sorgen vor einem Angebotsdefizit sind nach Auffassung der USA dennoch unbegründet. Hier erwägt man die Freigabe eines Teils der strategischen Reserve und zählt zudem auf Saudi-Arabien. US-Finanzminister Steve Mnuchin deutete zuletzt an, er rechne mit der Unterstützung des OPEC-Mitgliedsstaats. Doch Saudi-Arabien hatte erst jüngst erklärt, freiwillig mehr Öl vom Markt zu nehmen als vereinbart. Die Versorgungsfrage bleibt folglich ungeklärt.

 

Ölvorräte laut DOE US-weit gesunken

Während das American Petroleum Institute (API) am Dienstag die Zunahme der US-Ölvorräte meldete, geht das US-amerikanische Department of Energy (DOE) von einem Rückgang der Gesamtbestände aus. Insgesamt seien die US-Vorräte an Öl um 4,8 Millionen Barrel gesunken. Leichte Aufbauten gab es laut DOE lediglich bei den Rohölbeständen. Sie seien in der Berichtswoche um 900.000 Barrel gewachsen. Damit bleibt das DOE deutlich hinter der Schätzung des API und den Prognosen der Analysten zurück, die mit umfangreicheren Aufbauten rechneten. Aus dem DOE-Bericht geht hervor, dass Handelsentwicklungen nur einen geringfügigen Anstieg der Rohölvorräte zugelassen haben. Die USA hätten zuletzt täglich eine Million Barrel weniger importiert. Insbesondere der Handel mit Saudi-Arabien sei eingebrochen. Um mehr als die Hälfte seien die Importe aus dem OPEC-Mitgliedsstaat zurückgegangen.

In den Produktkategorien hat das DOE indes Abbauten verzeichnet. Der US-Bestand an Destillaten sei um 1,1 Millionen Barrel gesunken. Die Vorräte an Benzin seien um 2,2 Millionen Barrel verkleinert worden. Gerade im Vergleich mit dem vorangegangenen Bestandsbericht des API sind die Daten des DOE insgesamt bullish zu interpretieren. Die Abnahme der US-Ölvorräte, die erfolgreichen Output-Kürzungen Saudi-Arabiens und die angespannte politische Lage in Venezuela stützen die Rohölpreise heute maßgeblich. Am Morgen tendieren die Referenzsorten aufwärts. WTI hat mit 54,50 US-Dollar den höchsten Stand seit Ende November 2018 erreicht. Brent kostet mit 62,10 US-Dollar so viel wie seit zehn Tagen nicht mehr. Den zweiten Tag in Folge steigen die Heizölpreise heute. Im Zuge dieser Aufwärtsbewegung haben sie um einen Euro zugelegt. Aus ihrem mehrwöchigen Seitwärtstrend sind die Preise dennoch nicht ausgebrochen. Bereits seit drei Wochen sind am Heizölmarkt Preisschwankungen von maximal zwei Euro zu beobachten. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl in Deutschland durchschnittlich 67,44 Euro.

 

 

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