DOE treibt Rohölpreise auf neue Jahreshochs

Die Produktionszahlen der OPEC haben bereits darauf hingedeutet, nun lassen die US-Bestandsberichte keinen Zweifel: Der Markt ist verknappt.

 

Sowohl die Rohöl- als auch die Heizölpreise befinden sich seit einigen Wochen im Seitwärtstrend. Marktteilnehmer haben eine verhaltene, abwartende Haltung entwickelt. Das Spannungsfeld zwischen Produktionskürzungen mancher Staaten und zu erwartenden Produktionssteigerungen anderer Staaten steht klaren Preistrends im Wege. So fährt die OPEC ihren Output seit Jahresbeginn kontinuierlich zurück. Saudi-Arabien geht mit besonders umfangreichen Kürzungen voran, während zusätzliche Produktionsausfälle wie in Venezuela zur Verknappung beitragen. Dementgegen verfügen die USA über enormes Förderpotenzial, obwohl sich die nationale Förderung bereits auf ihrem Allzeithoch befindet. Für Anleger und Analysten ist daher schwer absehbar, welche Impulse sich langfristig durchsetzen werden. Doch gestern durchbrach der aktuelle Bestandsbericht des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) die Seitwärtsorientierung der Ölpreise. Zum ersten Mal seit mehreren Wochen kam Bewegung an die Terminbörsen.

 

DOE bestätigt knappen Ölmarkt

Die Produktionszahlen der OPEC haben bereits vermuten lassen, dass das internationale Ölangebot schrumpft. Gestern bestätigte das DOE diesen Eindruck und meldete einen Abbau der US-Ölvorräte. Analysten hatten im Vorfeld mit einer Zunahme der Rohölbestände gerechnet, da Raffinerien nach Ende der Wartungssaison nur langsam zu gewohnter Kapazität zurückkehren. Entsprechend groß war die Überraschung, als das American Petroleum Institute (API) am Dienstag den Rückgang der US-Rohölvorräte andeutete. Das DOE legte nach und übertraf sowohl die Schätzung von Analysten als auch die des API. Um 3,8 Millionen Barrel seien die US-weiten Bestände an Rohöl in der Berichtswoche gesunken. Zurückführen lässt sich die Entwicklung laut DOE auf die rückläufigen Importe. Die Exportkürzungen der OPEC und die US-Sanktionen gegen Venezuela scheinen somit zu wirken.

Auch die Bestände an Benzin haben dem DOE zufolge unerwartet deutlich abgenommen. Ähnlich wie das API gehe man davon aus, dass die US-Benzinvorräte um 4,6 Millionen Barrel verkleinert worden seien. Die dieswöchigen Bestandsreports weisen auf eine knappe Verfügbarkeit hin. Manche Analysten sehen den Markt sogar unterversorgt. Zur Wochenmitte kristallisierte sich folglich eine eindeutig bullishe Stimmung heraus, welche die Rohölpreise gestern auf die höchsten Niveaus seit Mitte November 2018 trieb. Am Morgen bewegen sich die Referenzsorten weiterhin im Bereich ihrer neuen Jahreshochs, tendieren wieder leicht aufwärts. WTI wird bei 58,37 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 67,75 US-Dollar. Die Heizölpreise verharren indes seit zweieinhalb Wochen im Bereich ihrer Jahreshochs. Zu beobachten sind Schwankungen um maximal einen Euro. So hangeln sich die Preise entlang der 70-Euro-Marke. Im Vergleich zum Vortag geben sie nun um 60 Cent nach und sinken auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 69,38 Euro.

 

Geopolitische Risiken als bedeutendste Preisfaktoren

Unsicherheit und die Mischung aus bullishen wie bearishen Impulsen hielt die Rohölpreise bis gestern im starren Seitwärtstrend. Wenngleich sich die bullishen Meldungen gestern durchsetzten, werden geopolitische Risiken die Preisbildung in den nächsten Monaten maßgeblich beeinflussen. Richtungsweisenden Input wird die Zukunft der Iransanktionen bereitstellen. Zudem bleiben die venezolanische Ölindustrie und die Austrittsverhandlungen zwischen Europäischer Union und Großbritannien im Marktfokus. Es stehen bedeutende Entscheidungen bevor, die Rohstoff- und Finanzmärkte in nächster Zeit beschäftigen werden.

 

Die mobene Unternehmensgruppe