Handelswoche beginnt mit Seitwärtstendenz der Ölpreise

Mit rekordhohen täglichen Corona-Neuinfektionen wächst an den Finanz- und Rohstoffmärkten die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle weiter.

 

Diszipliniert umgesetzte Produktionskürzungen haben die Rohölpreise vor dem Wochenende gestützt. Das Joint Ministerial Monitoring Committee hatte bekannt gegeben, die Produzenten der OPEC+ hätten sich im Mai zu 87 Prozent an ihre jeweiligen Kürzungsvorgaben gehalten. Einzelne Beteiligte wie Nigeria, der Irak und Kasachstan hatten im Vorfeld eingeräumt, mehr als vereinbart produziert zu haben. Diese Überproduktion wolle man in den nächsten Wochen kompensieren. Dass die Einhaltungsquote dennoch bereits nahe der 100-Prozentmarke lag, stimmte Marktteilnehmer optimistisch. Sollten die OPEC+ ihren Output weiterhin so strikt drosseln, könnte sich bei steigender Nachfrage bald ein Angebotsdefizit ergeben. Doch die weltweiten Corona-Infektionszahlen nehmen Anlegern und Analysten am Montagmorgen die Hoffnung auf eine rasche wirtschaftliche Erholung.

WHO meldet rekordhohe Corona-Neuinfektionen

Zuletzt sind weltweit so viele tägliche Corona-Neuinfektionen gemeldet worden wie nie zuvor. Am Freitag lag die Zahl der Neuinfektionen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 150.000. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte, so viele Infektionen seien seit Beginn der Pandemie noch nicht verzeichnet worden. Tedros zufolge hat eine „neue und gefährliche Phase“ begonnen. Er verwies auf die anhaltende Wichtigkeit von Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen. Die Einschätzung Tedros‘ verstärkte bereits vor dem Wochenende die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle. Auch zu Beginn der neuen Woche reißt diese Sorge nicht ab. Denn am heutigen Montag meldete die WHO erneut eine rekordhohe Zahl der Neuinfektionen. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden seien 183.000 neue Corona-Infektionsfälle registriert worden. Besonders betroffen seien Brasilien, die USA und Indien.

Zuspitzung des libyschen Bürgerkriegs

Mit Vormarsch der libyschen Regierungsstreitkräfte auf die von General Haftar kontrollierte Stadt Sirte spitzt sich der Machtkampf in dem nordafrikanischen Land zu. Nachbarland Ägypten erwägt nun die Einleitung einer militärischen Offensive. Wie der ägyptische Präsident Adbel Fatah al-Sisi am Wochenende in einer Fernsehansprache erklärte, sieht man die Landesgrenzen durch den libyschen Machtkampf zunehmend bedroht. Die Regionen um die Bezirke Sirte und Jufra bildeten Grenzen, die nicht überschritten werden dürften. Andernfalls erwäge man eine „direkte Intervention“. Die libysche Regierung in Tripolis deutet die Stellungnahme des ägyptischen Präsidenten als Kriegserklärung und kritisierte die Einmischung des Nachbarlandes. Marktteilnehmer beobachten insbesondere, welchen Effekt die Zuspitzung auf die zuletzt bereits geschwächte Ölindustrie Libyens haben wird.

Gestützt von den verstärkten Spannungen zwischen Libyen und Ägypten und ausgebremst von rekordhohen Corona-Neuinfektionen, besteht am Morgen wenig Bewegungsspielraum für die Rohölpreise. WTI wird bei 39,89 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 42,42 US-Dollar kostet. Die Heizölpreise sind über das Wochenende hinweg gestiegen und haben erstmals seit fast zwei Wochen die 50-Euro-Marke überschritten. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 50,05 Euro.

 

 

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