Handelswoche endet mit Verlusten für Rohölpreise

Nicht alle Produzenten der OPEC+ halten sich an die seit Mai geltenden Kürzungsvorgaben. Nigeria hat nun angekündigt, seine Überproduktion auszugleichen.

 

Auf Dreimonatshochs sind die Rohölpreise in diese Handelswoche gestartet. Erstmals seit Anfang März kostete ein Barrel des US-Rohöls WTI mehr als 39 US-Dollar. Die Nordseesorte Brent wurde bei über 42 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Vorangegangen war den Hochs ein einwöchiger Aufwärtstrend. Während die Heizölpreise ihren schwankenden Kurs beibehielten, schlossen die Rohöl-Futures einen Handelstag nach dem anderen mit Gewinnen ab. Grund waren zunächst Spekulationen über eine Verlängerung der OPEC+-Produktionskürzungen und schließlich ihre tatsächliche Verabschiedung. Bis Ende Juli werden die ölproduzierenden Staaten um Saudi-Arabien und Russland ihren Output um 9,6 Millionen Barrel pro Tag zurückfahren. Und doch fand die Preisrallye mit Beginn dieser Woche ein Ende. Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten an, ihre freiwilligen Zusatzkürzungen nicht zu verlängern. Da sich die Ölnachfrage bislang nicht erholt hat, wirkte sich die Meldung umgehend bearish aus. Zudem ist unklar, ob sich in den nächsten Wochen alle beteiligten Ölproduzenten an ihre Kürzungsquoten halten werden. Kritik wurde zuletzt an den OPEC-Mitgliedern Nigeria, Irak und Angola laut. Dort hatte man die Produktion seit Mai nicht im vereinbarten Umfang zurückgefahren. Aus Nigeria heißt es nun, man wolle dies nachholen.

Nigeria will Kürzungsziel im Juli erreichen

Bis Mitte Juli will OPEC-Mitglied Nigeria sein Kürzungsziel erreichen. Mit Hilfe von Zusatzkürzungen soll die Überproduktion der vergangenen Wochen ausgeglichen werden. Das gab der Chef der nigerianischen National Petroleum Corporation am Mittwoch bekannt. Mele Kyari erklärte, Nigeria habe im Mai etwa 100.000 Barrel pro Tag mehr produziert als im Kürzungsabkommen vorgesehen. Diese Mehrmengen wolle man bis spätestens Mitte Juli ausgleichen, um sein Kürzungsziel vollständig umzusetzen. Für die nächsten Wochen seien daher zusätzliche Kürzungen um bis zu 45.000 Barrel pro Tag geplant. An den Terminbörsen sind die Blicke bereits jetzt gespannt auf den nächsten Monatsreport der OPEC gerichtet, in dem in einigen Wochen Details zur Umsetzung der Produktionskürzungen veröffentlicht werden.

Öltanker mit Venezuela-Kontakt unerwünscht

Aus Angst vor etwaigen US-Sanktionen meiden Ölunternehmen weltweit derzeit die Beauftragung von Öltankern, die in letzter Zeit in Venezuela angelegt haben. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters könnten chinesische Unternehmen künftig darauf achten, dass gecharterte Tanker in den vergangenen 12 Monaten keinen Kontakt mit Venezuela hatten. Aus Insiderkreisen heiße es, man wolle Unterbrechungen und Problemen in der Ölversorgung vorbeugen. Daher vermeide man die Zusammenarbeit mit Öltankern, die auf der schwarzen Liste der USA stehen oder potenziell aufgenommen könnten. Erst in der vergangenen Woche hat das US-Finanzministerium laut Reuters einen Tanker eines griechischen Unternehmens auf die schwarze Liste gesetzt. Noch ist unklar, welche konkreten Auswirkungen Unternehmen zu befürchten haben, die mit gelisteten Unternehmen zusammenarbeiten. Sollten allerdings weitere Öltanker auf der schwarzen Liste landen, stünden weltweit weniger Schiffe zur Verfügung und die Transportkosten würden steigen. Die Sanktionierung von Öltankern mit Venezuela-Historie ist Teil der US-Strategie gegen die venezolanische Regierung unter Nicolás Maduro.

 

 

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