Leichte Abwärtsbewegung der Ölpreise von Vortagesniveau

Mehrere Jahre könnte es dauern, bis sich der Ölmarkt und die Ölbestände von der Corona-Krise erholen. Darauf weist OPEC-Generalsekretär Barkindo jetzt hin.

 

Nach verhaltenem Tagesstart sind die Rohölpreise gestern zurück in den Bereich ihrer Dreieinhalbmonatshochs geklettert. Zu Handelsbeginn wirkten zunächst Einschätzungen der Johns-Hopkins-Universität vom Wochenende nach. Demnach sind weltweit mehr als zehn Millionen Personen an Covid-19 erkrankt, während bislang 500.000 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen. Dass diese Marken überschritten wurden, sorgte für Unruhe an den Märkten. Anlegern und Analysten wurde erneut das Ausmaß der Pandemie bewusst. Gehofft hatte man ursprünglich auf eine V-förmige Wirtschaftserholung. Inzwischen gilt eine flachere Entwicklung als wahrscheinlich. Auch OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo stellt Marktteilnehmer auf einen langwierigen Erholungsprozess ein.

Barkindo erwartet mehrjährige Erholungsphase

Begrenzte Lagerkapazitäten waren in den vergangenen Monaten die große Sorge der Ölproduzenten. Ölproduzierende Staaten rund um Saudi-Arabien und Russland fahren ihren Output seit Mai gemeinsam zurück. Weltweite Öllager an Land und auf Wasser füllten sich dadurch rasch. Wie OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo nun bekannt gab, sind die Ölbestände im Zuge der Corona-Krise deutlich gestiegen. Erste Zahlen wiesen darauf hin, dass die Vorräte derzeit 1,3 Milliarden Barrel über ihrem Fünfjahresdurchschnitt lägen. Das entspricht laut Barkindo einer Überversorgung von etwa 10,7 Millionen Barrel pro Tag. Damit sind die Ölbestände weitaus voller als während der vorherigen Ölpreiskrise. Barkindo erklärte, von 2014 bis 2016 hätten die Vorräte ihren Fünfjahresdurchschnitt nur um 403 Millionen Barrel überschritten. Die Reduzierung der Bestände habe vier Jahre gedauert. Mit diesen Zahlen verdeutlicht Barkindo, dass sich der Markt erst in einigen Jahren von der Corona-Krise erholt haben könnte. In den USA ist indes ein Rückgang der Ölbestände zu beobachten. Die Vorräte im zentralen Lagerort Cushing sind in den vergangenen sieben Wochen um 19,6 Millionen Barrel verkleinert worden, also um knapp 30 Prozent.

Chinas Industriedaten wecken Zuversicht

In China stehen die Zeichen auf Wachstum. Das geht aus dem vom chinesischen Statistikamt veröffentlichten Einkaufsmanagerindex hervor. Der Industrieindex liegt demnach im Juni bei 50,9 Punkten und damit 0,3 Punkte über dem Vormonatswert. Das Statistikamt hat also den stärksten Anstieg seit drei Monaten verzeichnet. Auch der chinesische Dienstleistungsindex deutet auf Wachstum hin. Er liegt im Juni bei 54,4 Punkten, kletterte im Vergleich zum Mai um 0,8 Punkte. Der Einkaufsmanagerindex zeichnet insgesamt ein positives Stimmungsbild. Liegen die Indizes oberhalb der 50-Punkte-Marke, signalisieren sie Wachstum.

Die Terminbörsen befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld, das klare Auf- und Abwärtsbewegungen verhindert. Auf der einen Seite wirken volle Öllager, eine nur langsame Erholung der Nachfrage und die anhaltende Corona-Krise bearish. Auf der anderen Seite stützen die Wirtschaftsdaten aus China und wecken Hoffnung auf eine wirtschaftliche Stabilisierung. Am Morgen wird WTI bei 39,16 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 41,24 US-Dollar. Die Heizölpreise beenden den Juni heute im Seitwärtstrend. Seit fast drei Wochen orientieren sich die Preise hierzulande bereits seitwärts. Ihr Bewegungsspielraum betrug in diesem Zeitraum etwa zwei Euro. Mal rutschten sie unter die 47 Euro, mal kletterten sie über die 50-Euro-Marke. Aus dem Juni gehen die Heizölpreise nun in diesem Bereich. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 48,35 Euro.

 

 

Die mobene Unternehmensgruppe