Leichte Abwärtstendenz der Ölpreise von Einmonatshochs

Der DOE-Report macht deutlich, dass eine Entspannung der Marktsituation noch nicht in Sicht ist. Bei schwacher Nachfrage wachsen die Ölvorräte weiter.

 

Weltweite Lockerungen der Corona-Maßnahmen und langsamer steigende Ölvorräte haben in den vergangenen Tagen für Optimismus unter Marktteilnehmern gesorgt. Die Rohölpreise legten kräftig zu, WTI sogar um mehr als fünfzig Prozent innerhalb einer Woche. Aktuell bewegen sich die Preise der beiden Referenzsorten WTI und Brent auf Einmonatshochs. Zuversichtlich stimmte Marktteilnehmer insbesondere die Entwicklung der Ölvorräte im zentralen US-Lagerort Cushing. Zwar meldete das American Petroleum Institute (API) einen Anstieg der landesweiten Rohölbestände um 8,4 Millionen Barrel. Doch die Vorräte in Cushing seien nur um 2,7 Millionen Barrel gestiegen. Es ist der geringste Bestandszuwachs, der bei den dortigen Rohölbeständen seit sechs Wochen verzeichnet wurde. Das US-amerikanische Department of Energy (DOE) geht sogar von einem Anstieg um nur 2,1 Millionen Barrel aus. Zwischenzeitlich erwarteten Beobachter, die Lagerkapazitäten in Cushing würden noch in dieser Woche ausgeschöpft sein. Da die Bestände nun allerdings deutlich langsamer wachsen, prognostiziert man volle Lager in Cushing erst für Ende Mai oder Anfang Juni. Und auch die US-weiten Rohölvorräte steigen laut DOE weitaus langsamer als in den Vorwochen.

USA: Vorräte wachsen, Nachfrage schwach

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Vorräte an Rohöl und Destillaten gestiegen, während die Benzinvorräte zurückgegangen sind. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Bestandsreport des DOE hervor. Analysten und das API waren im Vorfeld von einem Anstieg der Rohölvorräte um mehr als acht Millionen Barrel ausgegangen. Das DOE meldete hingegen einen Bestandszuwachs um nur 4,6 Millionen Barrel. Der Anstieg der US-Rohölvorräte wurde demnach deutlich ausgebremst. Zurückzuführen ist dieser Trend unter anderem auf die zuletzt gestiegene Raffinerieauslastung. Ebenfalls zugelegt haben in der Berichtswoche die Bestände an Destillaten. Um 9,5 Millionen Barrel sind sie laut DOE gewachsen und damit deutlich stärker als von Analysten und API angenommen. Bullish zu interpretieren ist hingegen der überraschend umfangreiche Rückgang der US-Benzinvorräte. Dem DOE zufolge sind sie um 3,2 Millionen Barrel verkleinert worden. Grund dafür ist die wachsende Kraftstoffnachfrage. Mit 6,7 Millionen Barrel pro Tag liegt sie jedoch weit hinter ihrem Vorjahresniveau von 9,9 Millionen Barrel pro Tag zurück.

Der dieswöchige DOE-Report hinterlässt an den Terminbörsen leichte Enttäuschung. Zwar wachsen die Rohölvorräte langsamer und die Kraftstoffnachfrage scheint sich zu stabilisieren. Doch eine Erholung ist nicht in Sicht. Schließlich sind die Rohölvorräte die 15. Woche in Folge gestiegen, während die Kraftstoffnachfrage im Jahresvergleich schwach ist und die Gesamtnachfrage sogar zurückgegangen ist. Mit den verhaltenen Einschätzungen des DOE erlischt der Aufwind daher zunächst. Die Rohölpreise bewegen sich am Morgen im Bereich ihrer Einmonatshochs leicht abwärts. WTI wird bei 23,65 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 29,43 US-Dollar. Während es für die Rohölpreise zuletzt aufwärts ging, verharrten die Heizölpreise auf Einwochentiefs. Zu Wochenbeginn rutschten sie unter die Schwelle von 53 Euro. Heute gehen die Preise weiter zurück und fallen auf Zweiwochentiefs. Im Vergleich zum Vortag sacken sie um etwa 1,50 Euro ab. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 51,39 Euro.

Russland: Annäherung an Kürzungsziel

Zum 1. Mai sind die umfangreichen Produktionskürzungen der OPEC+ offiziell angelaufen. Bis Ende Juni wollen die kooperierenden Ölproduzenten ihren Output um insgesamt 9,7 Millionen Barrel pro Tag drosseln. Als externer Partner beteiligt sich auch Russland an den Kürzungsmaßnahmen und scheint sein Kürzungsziel schnell erreichen zu wollen. Laut OPEC+-Vereinbarung soll Russland seinen Output auf 8,5 Millionen Barrel pro Tag reduzieren. Bereits kurz nach dem Monatswechsel liegt die Tagesproduktion mit 8,75 Millionen Barrel sehr nah am Kürzungsziel. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Insiderkreise. Nach Angaben von Reuters ist die Gesamtölproduktion Russlands damit auf den niedrigsten Stand seit 2009 zurückgegangen. Disziplinierte Kürzungsbemühungen sind grundsätzlich bullish zu interpretieren. Doch Marktteilnehmer bezweifeln weiterhin, dass Kürzungen in diesem Umfang den massiven Nachfrageeinbruch ausgleichen werden.

 

 

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