Ölpreis tendiert nach historischem Einbruch aufwärts

Begrenzte Lagerkapazitäten und eine schwache Nachfrage haben den Preis für das US-Rohöl WTI ins Minus rutschen lassen. Der Brent-Preis zeigt sich stabiler.

 

Seit Ende Februar ist ein steiler Abwärtstrend der Rohöl-Futures zu beobachten. Innerhalb eines Monats sackte der WTI-Preis um 34 US-Dollar ab, während Brent um 38 US-Dollar verlor. Die weltweit voranschreitende Ausbreitung von Covid-19 verstärkte die Sorge vor einem überversorgten Markt. Als dann Anfang März eine Reaktion der OPEC+ ausblieb, nahm der Sinkflug Fahrt auf. Die Rohölpreise beendeten den Monat auf 18-Jahrestiefs. Mit dem Monatswechsel wurde die Abwärtsbewegung zunächst ausgebremst. In Hoffnung auf einen Kompromiss der OPEC+ legten die Futures zwischen acht und zehn US-Dollar zu. Doch in den vergangenen Tagen wurde immer deutlicher, dass die vereinbarten Produktionskürzungen um 9,7 Millionen Barrel pro Tag voraussichtlich nicht ausreichen werden. Die International Energy Agency erwartet für dieses Jahr einen Nachfragerückgang um 9,3 Millionen Barrel pro Tag. Zwischenzeitlich werde die Ölnachfrage um mehr als zwanzig Millionen Barrel pro Tag einbrechen. Schon jetzt zeigt sich eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, ablesbar an den hohen Lagerbeständen. Bei schwacher Nachfrage füllen sich die Öllager weltweit. Dieser Trend ist der Grund für einen historischen Frontmonatswechsel an den Terminbörsen.

Ölpreis rutscht erstmals ins Minus

Auf seinem 21-Jahrestief ist der WTI-Preis gestern in die neue Handelswoche gestartet. Am Montagmorgen bewegte er sich unterhalb von 15 US-Dollar. Belastend wirkte die Entwicklung der US-Lagerbestände. Waren die Lager im zentralen US-Umschlagort Cushing noch vor vier Wochen zu 49 Prozent ausgelastet, sind sie inzwischen zu 69 Prozent gefüllt. Nach Einschätzung von Analysten könnten die Lagerkapazitäten bereits in den nächsten Wochen ausgeschöpft sein. Insbesondere, da die USA Lieferungen im Umfang von 40 Millionen Barrel aus Saudi-Arabien erwarten. Auch international zeigen sich Lagerengpässe. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters werden derzeit 160 Millionen Barrel auf Öltankern eingelagert, da der Platz an Land eng werde. Auf dem Wasser wird damit laut Reuters doppelt so viel Öl gelagert wie noch vor zwei Wochen. Die Aussicht auf schwindende Lagerkapazitäten ließ den WTI-Preis gestern erstmals in der Geschichte ins Minus rutschen.

Händler wollten vor Frontmonatswechsel verkaufen

Bei minus 40,32 US-Dollar wurde das US-Rohöl gestern zwischenzeitlich gehandelt. Auf seinen Eröffnungskurs hat WTI mehr als 58 US-Dollar verloren. Dass der Ölpreis unter die Nullschwelle fallen könnte, hatten Analysten in den vergangenen Wochen bereits vereinzelt angedeutet. Bis die Kombination aus Corona-Krise, schwacher Nachfrage und begrenzten Lagerkapazitäten gestern tatsächlich für einen Kurseinbruch um mehr als 300 Prozent sorgte. Auslöser des plötzlichen Preissturzes war der bevorstehende Frontmonatswechsel. Bis gestern wurde Öl für Lieferungen bis Ende Mai gehandelt. Heute beginnt der Future-Kontrakt für den Monat Juni. Vor allem spekulative Händler, die nicht an einer Lieferung interessiert sind, versuchten sich vor dem Frontmonatswechsel am Verkauf ihrer Futures. Doch die angespannte Lagersituation erschwerte die Suche nach Abnehmern, die eine zeitnahe Lieferung wünschen. Ein Umstand, der die Abwärtsspirale anstieß.

Mit Beginn des neuen Frontmonats hat sich die Stimmung an den Terminbörsen etwas beruhigt. Allerdings weisen Analysten darauf hin, dass sich der gestrige Preisverfall zum nächsten Frontmonatswechsel wiederholen könnte. Um das zu verhindern, müsste die Nachfrage zunächst steigen. WTI beginnt den neuen Handelstag oberhalb der Null bei 0,69 US-Dollar. Brent bewegt sich im Bereich seines 18-Jahrestiefs und wird bei 23,45 US-Dollar gehandelt. Erkennbar ist, dass der Brent-Preis zum Frontmonatswechsel deutlich stabiler geblieben ist. Die angespannte Lagersituation wirkt sich insbesondere auf das US-Rohöl WTI aus, da die USA geografisch begrenzte Möglichkeiten der Ölverteilung haben. Andere ölproduzierende Staaten können ihr Öl über Pipeline-Verbindungen an Land in andere Länder umverteilen, was die Lagersituation entzerrt. Die Heizölpreise behalten heute ihre Seitwärtstendenz bei. Nachdem sie am Wochenende im Deutschlanddurchschnitt nachgegeben haben, verharrten die Preise auf diesem Niveau. Hierzulande liegen sie etwa drei Euro über ihrem Mehrjahrestief. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl in Deutschland durchschnittlich 54,20 Euro.

 

 

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