Ölpreise behalten Abwärtstendenz vor OPEC-Beschluss bei

Wenige Stunden vor der richtungsweisenden Entscheidung der OPEC sind die Händlererwartungen gedämpft. Grund ist der US-Wunsch nach niedrigen Ölpreisen.

 

Die erste Dezemberwoche wird für die Rohölpreise voraussichtlich mit Verlusten von ungefähr zwei US-Dollar enden. Wirkte zu Wochenbeginn noch die Euphorie des kompromissreichen G20-Gipfels nach, herrscht inzwischen bearishe Stimmung. Dabei hat das wochenlange Wachstum des US-Rohölvorrats laut US-amerikanischem Department of Energy (DOE) sein Ende erreicht. Dem DOE zufolge haben jedoch lediglich gestiegene Exporte und gesunkene Importe der USA zum Rückgang des Rohölbestands um 7,3 Millionen Barrel geführt. Weder der Bestandsabbau noch zuversichtliche Stimmen im US-chinesischen Handelsstreit können die Ölpreise daher stabilisieren. Zudem ist mittlerweile unwahrscheinlich, dass die anstehende OPEC-Entscheidung das Überangebot abwenden und eine Preisrallye auslösen wird.

 

Gedämpfte Erwartungen an OPEC-Beschluss

Einen Tag vor Beginn der OPEC-Verhandlung hat US-Präsident Donald Trump am Mittwoch die Händlererwartungen gedämpft. Per Twitter erklärte Trump, die Welt brauche und wolle keine höheren Ölpreise. Er hoffe daher, dass die OPEC die Fördermengen beibehält und nicht beschränkt. Vor dem Hintergrund der Ermordung des Journalisten Khashoggi rechnen Experten damit, dass Saudi-Arabien den Wunsch der USA berücksichtigen wird. Um im Schutz der USA zu bleiben, könnte der OPEC-Mitgliedsstaat moderatere Produktionskürzungen durchsetzen wollen. Der saudi-arabische Energieminister Khalid Al-Falih betonte zuletzt, Kürzungen im Umfang von einer Million Barrel pro Tag würden ausreichen. Ursprünglich war die Rede von einer Drosselung um 1,4 Millionen Barrel pro Tag. Bis heute Abend wird ein Beschluss der OPEC erwartet. Gestern hatten sich bereits die Kartellmitglieder getroffen. Heute stehen Gespräche im erweiterten Kreis mit externen Ölproduzenten wie Russland an. Der russische Energieminister Alexander Nowak ist Medienberichten zufolge für ein Gespräch mit Präsident Wladimir Putin zwischenzeitlich aus Wien abgereist. Für die heutige Verhandlung wird Nowak wieder in Österreich erwartet.

 

China kündigt „sofortiges“ Handeln an

Der G20-Gipfel scheint den Durchbruch im verfahrenen Handelsstreit zwischen den USA und China gebracht zu haben. US-Präsident Donald Trump hatte sich bereits im Anschluss des bilateralen Gesprächs zufrieden gezeigt und eine 90-tägige Pause des Streits verkündet. Nun meldet sich auch China zu Wort. Der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums gab bekannt, die vereinbarten Handelserleichterungen würden „sofort“ umgesetzt. Von den Erleichterungen betroffen seien unter anderem Autos, Energie und landwirtschaftliche Güter. Man sei zuversichtlich, innerhalb der eingeräumten 90 Tage eine Einigung zu erzielen. Als Ziel nannte China die komplette Abschaffung der Zölle. Die eindeutige Verhandlungsbereitschaft im Handelsstreit ist grundsätzlich bullish zu interpretieren. Am Morgen überwiegt allerdings die Sorge vor einem enttäuschenden OPEC-Beschluss. Die Rohölpreise bewegen sich daher unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse abwärts. WTI wird bei 51,07 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 59,60 US-Dollar. Nachdem sich die Heizölpreise gleich zu Beginn des Monats aufwärts orientierten, geht es für sie seit gestern abwärts. Für Entspannung am Heizölmarkt und entsprechende Preisnachlässe haben unter anderem die jüngsten Regenfälle gesorgt. Mit ihnen stiegen die Pegelstände des Rheins, sodass Frachter wieder schwerer beladen werden können. Um fast drei Euro sind die Preise hierzulande in den vergangenen Tagen gesunken. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 71,45 Euro.

 

 

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