Ölpreise behalten Abwärtstrend auf Vortagesniveaus bei

Nach Saudi-Arabien setzt nun auch das API einen bearishen Impuls. Entgegen Analystenerwartungen sind die US-weiten Rohölvorräte deutlich gestiegen.

 

Das Auslaufen der Zusatzkürzungen hat der Markteuphorie in dieser Woche einen Dämpfer verpasst. Im Juni kürzen Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Produktion noch freiwillig um 1,18 Millionen Barrel pro Tag mehr als vereinbart. Diese Zusatzmaßnahme wolle man allerdings wie angekündigt zum Ende des Monats auslaufen lassen, erklärte Saudi-Arabiens Energieminister am Montag. Die am Wochenende beschlossene Verlängerung um einen Monat gilt somit nur für die regulären Kürzungen der gesamten OPEC+. Bis Ende Juli werden die Ölproduzenten ihren Output um 9,6 Millionen Barrel pro Tag reduzieren. Das Ende des freiwilligen Engagements der drei OPEC-Mitgliedsstaaten weckte an den Terminbörsen umgehend Skepsis. Marktteilnehmer werden beobachten, welchen Effekt die Kürzungen in den nächsten Wochen haben. Ein besonderes Augenmerk gilt Nigeria und dem Irak, die sich zuletzt nicht an ihre Kürzungsquoten gehalten hatten. War die Marktstimmung vor diesem Hintergrund bereits leicht bearish, wurde sie durch den gestrigen Wochenbericht des American Petroleum Institute (API) verstärkt.

API meldet deutlichen Ausbau der US-Rohölvorräte

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Bestände an Rohöl und Destillaten gewachsen, während die Benzinvorräte zurückgegangen sind. Das geht aus den gestern Abend bekannt gewordenen Einschätzungen des API hervor. Analysten hatten bei langsam gesteigerter Produktion mit einem Rückgang der Rohölbestände um 1,2 Millionen Barrel gerechnet. Laut API sind jedoch nur die Vorräte im zentralen US-Lagerort Cushing um 2,3 Millionen Barrel gesunken. Die US-weiten Rohölvorräte seien hingegen um 8,4 Millionen Barrel ausgebaut worden. Auch die Entwicklung der Bestände an Destillaten enttäuschte. Analysten erwarteten einen Anstieg um maximal 2,9 Millionen Barrel, doch das API meldete einen Ausbau um 4,3 Millionen Barrel. Einzig die Benzinvorräte deuten auf eine erhöhte Nachfrage hin. Hier geht das API von einem Rückgang um 2,9 Millionen Barrel aus, während Analysten einen Abbau um lediglich 200.000 Barrel prognostiziert hatten. Abzuwarten bleibt nun, wie der Vergleichsreport des US-Energieministeriums am Nachmittag ausfallen wird. Der Wochenbericht des API wird bearish interpretiert.

EIA sieht größeres Angebotsdefizit im Jahr 2021

Einen positiven Ausblick gibt die Energy Information Administration (EIA) in ihrem gestern veröffentlichten Monatsreport. Die Statistikabteilung des US-Energieministeriums erwartet im nächsten Jahr einen unterversorgten Markt und korrigierte ihre Preisprognose nach oben. Laut EIA wird der Markt in diesem Jahr zunächst überversorgt sein. Ein Angebotsüberschuss von 2,23 Millionen Barrel pro Tag ergebe sich 2020 im Durchschnitt. Im vergangenen Monatsreport ging man noch von einer stärkeren Überversorgung von 2,6 Millionen Barrel pro Tag aus. Für das nächste Jahr hat die EIA bereits im Vormonat ein Angebotsdefizit von -1,8 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert. Im aktuellen Monatsbericht wurde die Angebotserwartung weiter nach unten korrigiert. Im Jahr 2021 sei ein Angebotsdefizit von -2,29 Millionen Barrel pro Tag zu erwarten. Eine entsprechende Aufwärtskorrektur nahm die EIA bei ihrer Preisprognose vor. WTI werde 2020 durchschnittlich 35,14 US-Dollar kosten und damit 5,04 US-Dollar mehr als noch im Vormonat erwartet. Für Brent liegt die Preisprognose bei 38,02 US-Dollar und damit 3,89 US-Dollar oberhalb der Vormonatsprognose.

An den Terminbörsen wirkt am Morgen insbesondere der bearishe Bestandsbericht des API nach. Die Referenzsorten bewegen sich im Bereich ihrer Vortagesniveaus abwärts. WTI wird bei 38,11 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 40,47 US-Dollar. Nach kurzer, steiler Aufwärtsbewegung sind die Heizölpreise gestern deutschlandweit abgesackt. Damit setzen sie ihren Kurs der Schwankungen fort. Heute geben die Preise weiter nach. Im Vergleich zum Vortag sinken sie hierzulande um durchschnittlich fast 90 Cent. Von ihren Vierjahrestiefs liegen die Heizölpreise noch etwa drei Euro entfernt, doch im Mehrjahresvergleich befinden sie sich auf niedrigem Niveau. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 49 Euro.

 

 

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