Ölpreise fallen zurück auf 21-Jahrestiefs

Der Monatswechsel steht noch bevor, doch der Effekt der OPEC+-Produktionskürzungen ist schon verpufft. Die weltweite Lagersituation liegt im Marktfokus.

 

Dreizehn Wochen in Folge sind die US-weiten Rohölvorräte bislang gestiegen. Das US-Energieministerium meldete zuletzt einen Anstieg um 15 Millionen Barrel. Die US-Rohölbestände lägen damit neun Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Vorräte auch in der Vorwoche gestiegen sind. Es wäre der vierzehnte wöchentliche Anstieg in Folge. Die dieswöchigen Bestandsberichte werden daher voraussichtlich einen bearishen Impuls setzen. Am Abend stehen zunächst die Einschätzungen des American Petroleum Institute (API) an, bevor morgen der Wochenreport des US-Energieministeriums folgt. Ein besonderes Augenmerkt gilt hierbei der Nachfrageentwicklung. Erst wenn mehr Öl nachgefragt wird, könnte sich die Lagersituation entspannen. Derzeit schwinden die weltweiten Lagerkapazitäten von Tag zu Tag. Eine Rekordmenge von 160 Millionen Barrel wird in Öltankern gelagert und sogar auf Pipelines wird zur Zwischenlagerung zurückgegriffen.

Kapazitäten in Cushing nahezu ausgeschöpft

Der zentrale Öllager- und Umschlagort Cushing steht bereits seit einigen Wochen im Marktfokus. Zu beobachten war ein stetiger Anstieg der Bestände in der Kleinstadt im US-Bundesstaat Oklahoma. In der Woche zum 17. April wurden dort laut US-Energieministerium 59,7 Millionen Barrel gelagert. Beim Informationsdienstleister Genscape geht man nun davon aus, dass derzeit 65 Millionen Barrel in Cushing gelagert werden. In den vergangenen drei Wochen wären die Vorräte damit um durchschnittlich 5,6 Millionen Barrel pro Woche gewachsen. Da die Lagerkapazitäten begrenzt sind, könnte dieser Trend in den nächsten Wochen ausgebremst werden. Zwar bietet Cushing Lagerplatz für 77 Millionen Barrel. Doch ein Großteil dieser Kapazitäten sind bereits ausgebucht und reserviert. Schon bald könnte sich die Lagersituation in den USA somit zuspitzen, ähnlich wie schon jetzt in Südkorea. Medienberichten zufolge sind kommerzielle Öllager in Südkorea ausgebucht.

Skepsis gegenüber Kürzungen der OPEC+

Für Mai und Juni hatten sich die Ölproduzenten der OPEC+ auf Produktionskürzungen im Umfang von 9,7 Millionen Barrel pro Tag geeinigt. Doch der bullishe Effekt der angekündigten historischen Kürzungsmaßnahme verpuffte umgehend. Die International Energy Agency (IEA) geht von einem weitaus stärkeren Einbruch der Ölnachfrage aus. Im April werde die Nachfrage um 29 Millionen Barrel pro Tag fallen. Für Mai erwartet die IEA einen Einbruch um 26 Millionen Barrel pro Tag, im Juni dann einen Rückgang um 15 Millionen Barrel pro Tag. Die Einschätzung verdeutlicht, dass die Kürzungen der OPEC+ den Nachfrageeinbruch voraussichtlich nicht werden ausgleichen könne. Entsprechend unbeeindruckt sind Marktteilnehmer davon, dass einige Ölproduzenten schon vor dem Monatswechsel mit ihren Kürzungen beginnen.

An den Terminbörsen ist zu beobachten, dass sich Händler aus kurzfristigen Kontrakten zurückziehen. Auch eine Lieferung bis Juni stößt auf wenig Begeisterung, da die Lagersituation auch dann noch angespannt sein könnte. Entsprechend bewegen sich die Rohölpreise am Morgen abwärts und gehen zurück auf 21-Jahrestiefs. WTI wird bei 10,95 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 19,19 US-Dollar. Die Heizölpreise sind in der Vorwoche auf Vierjahrestiefs gefallen. Erstmals seit 2016 lagen sie hierzulande unterhalb von 49 Euro. In den vergangenen Tagen legten die Preise etwas zu. Obwohl sie um durchschnittlich vier Euro stiegen, blieben sie im Bereich ihrer Vierjahrestiefs. Heute verlassen die Preise das niedrige Niveau und nehmen wieder Kurs auf ihr Jahreshoch. Im Vergleich zum Vortag legen sie um durchschnittlich 15 Euro zu. Damit kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt aktuell 67,80 Euro.

 

 

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