Ölpreise nach Kursrutsch auf Zehntagestiefs

In den USA nähert sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen dem bisherigen Rekordhoch aus April. Auch ein Ausblick des IWF belastet die Rohölpreise.

 

Mit einer Aufwärtsbewegung sind die Rohölpreise in den gestrigen Handelstag gestartet. Im Bereich ihrer Dreieinhalbmonatshochs haben sie am Mittwochvormittag leicht zugelegt. WTI wurde zwischenzeitlich oberhalb von 40 US-Dollar gehandelt, während der Preis für die Nordseesorte Brent bei mehr als 42 US-Dollar lag. Marktteilnehmer setzten ihre Hoffnungen auf einen möglicherweise schon Ende des Jahres verfügbaren Impfstoff und die Kürzungsdisziplin der OPEC+. Doch im Laufe des Handelstages war ein Stimmungswandel zu beobachten. Dafür sorgten zum einen besorgniserregende Corona-Infektionszahlen aus den USA. Hatte Anfang der Woche bereits Immunologe Anthony Fauci von einem „beunruhigenden Anstieg“ gesprochen, meldeten einige US-Bundesstaaten gestern einen Rekordanstieg der Neuinfektionen. Die Johns-Hopkins-Universität hat in den vergangenen 24 Stunden US-weit 35.900 Neuinfektionen verzeichnet. So hoch war die Zahl zuletzt Ende April, dem bisher als Pandemiehöhepunkt vermuteten Zeitpunkt. Etwa die Hälfte der US-Bundesstaaten sieht sich seit zwei Wochen mit einem deutlichen Anstieg der Neuinfektionen konfrontiert. Marktteilnehmer preisen die Gefahr einer zweiten Infektionswelle ein, was die Rohöl-Futures belastet. Auch der gestrige Wirtschafsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) schafft Abwärtspotenzial.

IWF korrigiert Wirtschaftsprognose nach unten

Bereits im April hatte der IWF eine bearishe Wirtschaftsprognose gewagt. Angesichts der weltweiten Corona-Krise erwartete man eine historische Rezession War der IWF noch zu Jahresbeginn von einem Wirtschaftswachstum um 3,3 Prozent ausgegangen, stellte man sich im April auf einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um drei Prozent ein. Diese Prognose verschärfte der IWF in seinem gestrigen Wirtschaftsausblick. Im Jahr 2020 werde die Weltwirtschaft um 4,9 Prozent schrumpfen. Für das nächste Jahr erwarte man ein Wirtschaftswachstum von 5,4 Prozent. Im April wurde noch ein Wachstum um 5,9 Prozent prognostiziert. Als Grund für die Abwärtskorrekturen führte der IWF an, die negativen wirtschaftlichen Folgen seien einschneidender als ursprünglich gedacht. Entsprechend werde die Erholung von der Krise langsamer verlaufen. Der IWF verweist auf Indikatoren wie schwache Konsumzahlen und hohe Sparquoten. Die Sorge vor einer zweiten Corona-Infektionswelle verstärkt die bearishe Wirkung der IWF-Einschätzungen noch. Fällt der Ausblick bereits jetzt pessimistisch aus, blickt man besorgt auf die wirtschaftlichen Folgen erneuter Lockdowns.

Auch DOE meldet Anstieg der US-Rohölvorräte

Am Dienstagabend stellte das American Petroleum Institute (API) Marktteilnehmer darauf ein, dass die US-weiten Rohölvorräte zuletzt deutlicher gewachsen sein könnten als angenommen. Diese Einschätzung bestätigte das US-amerikanische Department of Energy (DOE) gestern Nachmittag. Während das API einen Anstieg um 1,7 Millionen Barrel verzeichnet hat, geht das DOE von einem Zuwachs um 1,4 Millionen Barrel Rohöl aus. Ebenfalls zugenommen haben laut DOE die Bestände an Destillaten. Sie seien in der Berichtswoche um 249.000 Barrel gewachsen. Rückläufig sind nach Einschätzung des DOE lediglich die Benzinvorräte, die um 1,7 Millionen Barrel zurückgegangen seien. Doch noch immer bleibt die Kraftstoffnachfrage deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Die hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA und der pessimistische Ausblick des IWF ließen die Rohölpreise gestern einbrechen. Im Laufe des Handelstages sackten WTI und Brent um etwa zwei US-Dollar ab. Am Morgen wird WTI bei 37,71 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 39,97 US-Dollar. Nach mehrtägigem Seitwärtstrend geben die Heizölpreise heute ebenfalls nach. Im Vergleich zum Vortag fallen sie hierzulande um durchschnittlich einen Euro. Damit liegen die Preise erstmals seit einer Woche wieder unter der 49-Euro-Schwelle. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 48,98 Euro.

 

 

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