Roh- und Heizölpreise fallen auf neue Mehrmonatstiefs

Die Entwicklung von US-Ölförderung und US-Ölbeständen deutet auf eine anhaltende Überversorgung hin und belastet die Rohölpreise.

 

Seit mehr als einem Jahr waren die Rohölpreise nicht mehr so niedrig wie derzeit. Angesichts nicht abreißender bearisher Meldungen fielen sie im Laufe des gestrigen Handelstages auf neue Tiefstände. Um fast drei US-Dollar sind die Preise der Referenzsorten gesunken. WTI rutschte auf den niedrigsten Stand seit 16 Monaten, Brent auf den niedrigsten seit 14 Monaten. Am Morgen erholen sich die Preise von ihrem gestrigen Einbruch, bleiben allerdings trotz Anstieg um mehr als 40 Cent im Bereich ihrer Einjahrestiefs. Ausgelöst hatte den Preisrutsch die Einschätzung des US-Energieministeriums, die US-weite Schieferölförderung werde in den nächsten Monaten weiter wachsen. Gestern Abend verstärkte der Bestandsreport des American Petroleum Institute (API) die bearishe Stimmung.

 

Unerwarteter Ausbau des US-Rohölvorrats

In der vergangenen Woche sind die US-Vorräte an Rohöl und Benzin gewachsen, während die Bestände an Destillaten abgenommen haben. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Bestandsreport des API hervor. Demnach sind die US-weiten Rohölvorräte um 3,5 Millionen Barrel gestiegen. Analysten hatten im Vorfeld einen Bestandsrückgang um 3,1 Millionen Barrel prognostiziert. Für gewöhnlich begünstigen Jahresendbilanzen und eine hohe Raffinerieauslastung Ende Dezember Abbauten. Umso bearisher wird die Einschätzung des API am Markt interpretiert. Dass der Benzinvorrat laut API ebenfalls gestiegen ist, findet außerhalb der Sommermonate indes wenig Beachtung. Zu dieser Jahreszeit liegt der Fokus vielmehr auf dem Bestand an Destillaten. Dieser ist dem API zufolge um 3,4 Millionen Barrel zurückgegangen, was grundsätzlich bullish zu interpretieren ist. Da die Entwicklung des Rohölvorrats mehr ins Gewicht fällt, hinterlässt der API-Report dennoch einen bearishen Gesamteindruck. Abzuwarten bleibt, ob das US-Energieministerium die Einschätzung des API am Nachmittag bestätigen wird. Zwischen den Berichten beider Einrichtungen gab es zuletzt immer wieder teils starke Abweichungen.

 

Russische Produktionsplanung veröffentlicht

Gemäß OPEC-Vereinbarung wird Russland seine Produktion im nächsten Jahr zurückfahren. Der russische Energieminister Alexander Nowak erklärte, man habe die Produktionsplanung entsprechend nach unten angepasst. Nowak zufolge wird Russland im Laufe des Jahres 2019 insgesamt 552 Millionen Tonnen Rohöl fördern. Das entspricht einer Tagesförderung von 11,085 Millionen Barrel. Experten vermuten, dass Russland laut OPEC-Abkommen bis zu 11,2 Millionen Barrel pro Tag fördern dürfte. Mit seiner offiziellen Förderplanung unterschreitet Russland somit das mit der OPEC vereinbarte Förderziel. Am Markt verbleibt dennoch die Sorge vor einem Überangebot, zu dem der US-Förderboom noch beitragen könnte. Die Rohölpreise bewegen sich zwar aufwärts, finden allerdings keinen Weg aus ihren Jahrestiefs. WTI wird am Morgen bei 46,40 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 56,52 US-Dollar. Die Heizölpreise tendierten zuletzt nahe ihrer Dreieinhalbmonatstiefs seitwärts. Heute wird der Seitwärtstrend von einem Preisrutsch abgelöst. Im Vergleich zum Vortag haben die Preise hierzulande um 1,50 Euro nachgegeben. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 67,96 Euro. Unterhalb der 68-Euro-Schwelle lagen die Preise seit Mitte Juli nicht mehr.

 

 

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