Roh- und Heizölpreise mit morgendlicher Abwärtstendenz

Auch in dieser Woche zeichnen die Bestandsberichte von API und DOE kein einheitliches Bild von den US-Ölvorräten und liefern gemischte Impulse.

 

Sorgen um die Nachfrageentwicklung, der offene US-chinesische Handelsstreit und die politische Unruhe in Venezuela beschäftigen den Ölmarkt seit Wochen und Monaten. Inzwischen ist ihre Impulskraft abgeebbt und eingepreist. Für frischen Wind sorgte am Dienstag der enttäuschende Bestandsbericht des American Petroleum Institute (API). Hinzu kam eine erneute Abwärtskorrektur der Ölpreisprognosen. Eine Umfrage unter elf Investmentbanken hat ergeben, dass Analysten für 2019 mit einen WTI-Preis von 60 US-Dollar und einem Brent-Preis von 67 US-Dollar rechnen. Das Resultat der vorherigen Umfrage war eine zwei bis drei US-Dollar höhere Preiserwartung. Auf Gewinnmitnahmen zu Handelsbeginn folgte gestern mit neuen Bestandsdaten ein Preisanstieg.

 

USA: Landesweite Ölvorräte nehmen ab

In der vergangenen Woche sind die Gesamtölvorräte der USA zurückgegangen. Das geht aus dem gestern Nachmittag veröffentlichten Bestandsbericht des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) hervor. Während das DOE bei den Destillaten umfangreiche Abbauten verzeichnet hat, sind die Vorräte an Rohöl und Benzin offenbar nur geringfügig gestiegen. Die landesweiten Rohölbestände seien um 1,3 Millionen Barrel gewachsen. Diese Einschätzung entspricht in etwa der vorangegangenen Prognose von Analysten und liegt deutlich unter der des API. Für den zentralen US-Lagerort Cushing hat das DOE Aufbauten im Umfang von 1,4 Millionen Barrel gemeldet, sodass die Bestände im Rest des Landes sogar um 100.000 Barrel gesunken sein müssen. Bei konstanter Rekordförderung haben die Zunahme von Exporten, Nachfrage und Raffinerieauslastung deutlichere Gesamtaufbauten verhindert.

Auch der Bedarf an Destillaten ist im Zuge der Kältewelle US-weit gestiegen. Die Lagerbestände haben in dieser Kategorie laut DOE entsprechend abgenommen. In der Berichtswoche seien 2,3 Millionen Barrel Destillate weniger gelagert worden als noch in der Vorwoche. Die Benzinvorräte sind laut DOE hingegen gewachsen, allerdings nur minimal. Um 500.000 Barrel hätten sie zugelegt. Sowohl Analysten als auch das API waren von stärkeren Aufbauten ausgegangen. Diese sind wegen der hohen Gesamtnachfrage ausgeblieben. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Verbrauch an Benzin um 1,6 Prozent, der Heizölbedarf um 6,4 Prozent zugenommen. Insgesamt fällt der dieswöchige DOE-Report leicht bullish aus, insbesondere im Vergleich mit dem vorangegangenen Bericht des API.

 

Libyen: Armee beendet Ölfeld-Besetzung

Das seit Anfang Dezember 2018 belagerte Sharara-Ölfeld ist nicht länger unter der Kontrolle von Besetzern. Die Libyan National Army (LNA) hat nach eigenen Angaben kampflos und sicher die Kontrolle übernommen. Man habe eine Vereinbarung mit den Besetzern getroffen. Unklar ist, ob die LNA das größte Ölfeld des Landes in die Hände der international anerkannten Regierung in Tripolis geben und wann die Förderung dort wieder anlaufen wird. Im Zuge der Besetzung war die Förderung am Sharara-Ölfeld sowie am El Feel-Ölfeld eingestellt worden. Die beiden Ölfelder verfügen über ein Förderpotenzial von ungefähr 400.000 Barrel pro Tag. Nach Veröffentlichung des DOE-Berichts haben die Preise gestern einen Satz nach oben gemacht und gingen nahe ihrer Wochenhochs aus dem Handel. Am Morgen überwiegen mit den neuen Preisprognosen und der Kontrollübernahme in Libyen die bearishen Impulse. Die Referenzsorten tendieren unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse abwärts. WTI wird bei 53,71 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 62,34 US-Dollar. Für die Heizölpreise endet heute die vierte Woche infolge im Seitwärtstrend. Zu Wochenbeginn stiegen sie kurzzeitig auf Dreiwochenhochs, gaben aber schnell wieder nach. Auch heute gehen die Preise deutschlandweit etwas zurück. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 67,59 Euro.

 

 

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