Rohölpreise behalten Seitwärtstrend am Morgen bei

Kaum waren die Kürzungen der OPEC+ angelaufen, kündigten einige Produzenten bereits Verschärfungen an. Jetzt ist sogar eine Verlängerung im Gespräch.

 

Seitwärts bleibt die Bewegungsrichtung an den Terminbörsen. Vor acht Tagen kletterten die Rohölpreise auf Einmonatshochs. Seitdem verharren sie auf diesem Niveau, schwanken nur geringfügig. Hierin zeigt sich, dass sich die beiden bedeutendsten Preisfaktoren derzeit ausgleichen. Auf der einen Seite wirken weltweite Lockerungen der Corona-Maßnahmen bullish, wecken sie doch Hoffnung auf eine wirtschaftliche Normalisierung. Auf der anderen Seite wächst die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle, die eine Stabilisierung der Märkte ausbremsen könnte. Selbst die angekündigte Verschärfung der OPEC-Produktionskürzungen verschaffte den Rohölpreisen keinen Aufwind. Zwar planen Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ab Juni schärfere Kürzungen. Doch solange die Nachfrage schwach ist, bleiben auch Zusatzkürzungen um etwa 1,2 Millionen Barrel pro Tag ohne Wirkung. Aus diesem Grund scheinen die Ölproduzenten der OPEC+ nun langfristige Kürzungsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen.

OPEC+ diskutieren Kürzungen bis Jahresende

Anfang des Monats sind die jüngsten Kürzungsmaßnahmen der OPEC+ offiziell angelaufen. Um 9,7 Millionen Barrel pro Tag kürzen die kooperierenden Ölproduzenten ihren Output. Vorgesehen sind die Kürzungen für die Monate Mai und Juni. Anschließend soll die Produktion etappenweise auf Normalniveau gesteigert werden. Bislang ist allerdings nicht absehbar, wann sich die Ölnachfrage erholen wird. Die Kürzungsmaßnahmen könnten somit ohne Wirkung bleiben. Dadurch sehen sich die OPEC+-Staaten offenbar zu einer Reaktion gezwungen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Insiderkreise berichtet, erwägen die Ölproduzenten eine Verlängerung ihrer Maßnahmen bis Jahresende. Statt die Produktion ab Juli wieder hochzufahren, diskutiere man über die Beibehaltung des aktuellen Kürzungsumfangs bis Dezember. Dem Reuters-Bericht zufolge setzt sich insbesondere Saudi-Arabien für diese Strategie ein, doch auch Russland sei in Abhängigkeit von der Marktsituation offen für die Verlängerung. Sollten die Überlegungen der OPEC+ umgesetzt werden, könnte dies den Rohölpreisen Aufwind verschaffen.

API-Report mit enttäuschenden Ölbeständen

Zuletzt haben immer mehr US-Bundesstaaten ihre Corona-Maßnahmen gelockert. Marktteilnehmer rechneten daher mit zunehmenden Nachfrageschüben, die sich auch in den Bestandsberichten niederschlagen würden. Doch die gestern bekannt gewordenen Einschätzungen des American Petroleum Institute (API) blieben hinter den Erwartungen zurück. Gingen Analysten von einem Anstieg der Rohölvorräte um maximal 4,7 Millionen Barrel aus, sind sie laut API um 7,6 Millionen Barrel gewachsen. Allerdings seien die Vorräte im zentralen Lager- und Umschlagort Cushing um 2,3 Millionen Barrel zurückgegangen. Die Entwicklung der Produktbestände fällt wieder bearisher aus als erwartet. Das API geht bei den Destillaten von einem deutlichen Bestandszuwachs um 4,7 Millionen Barrel aus. Die Benzinvorräte seien indes nicht so stark zurückgegangen wie prognostiziert, um nur 1,9 Millionen Barrel.

Insgesamt liefert der API-Report damit überwiegend bearishe Impulse. Einzig der Rückgang der Cushing-Vorräte ist bullish zu interpretieren. Mit der möglichen Ausweitung der OPEC+-Kürzungen gleichen sich die Preisfaktoren somit noch immer aus. Entsprechend orientieren sich die Rohölpreise am Morgen seitwärts. WTI wird bei 25,30 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 29,15 US-Dollar. Die Heizölpreise bewegen sich weiterhin im Bereich ihrer Vierjahrestiefs. Knackten sie erst gestern wieder die 50-Euro-Marke, geben die Preise heute direkt wieder nach. Im Vergleich zum Vortag fallen sie um durchschnittlich einen Euro. Damit liegen die Heizölpreise nur knapp oberhalb der 49 Euro und in der Nähe ihrer Mehrjahrestiefs. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 49,06 Euro.

 

 

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