Rohölpreise erholen sich im Seitwärtstrend von Einbruch

Gestern sorgte ein Tweet des US-Präsidenten für den plötzlichen Einbruch der Ölpreise. Heute werden sie von bullishen Meldungen aufgefangen.

 

Auf das bullishe Ende der vorherigen Handelswoche folgte am Montag ein bearisher Start in die neue. Auslöser für den Einbruch der Rohölpreise um zwei US-Dollar war ein Tweet des US-Präsidenten. Donald Trump kritisierte die hohen Ölpreise und rief die OPEC zur Entspannung auf. Die OPEC zeigte sich allerdings unbeeindruckt. Aus Kartellkreisen hieß es in Reaktion auf den Appell, man werde an den Produktionskürzungen festhalten. Unklar bleibt, ob die USA selbst Maßnahmen zur Steigerung des weltweiten Angebots ergreifen werden. Gestern setzten sich dann wieder die bullishen Impulse durch. Die Annäherung im US-chinesischen Handelsstreit sowie die Produktionskürzungen der OPEC stützen die Preise grundlegend. Zusätzliches Aufwärtspotenzial erhielten WTI und Brent vom wöchentlichen Bestandsreport des American Petroleum Institute (API).

 

USA: Ölvorräte mit unerwarteten Abbauten

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Bestände an Rohöl und Benzin gesunken, während die Vorräte an Destillaten geringfügig gestiegen sind. So schätzt es das API laut gestern bekannt gewordenem Wochenbericht des Instituts. Da die Raffinerieauslastung zu dieser Zeit des Jahres wartungsbedingt noch niedrig ist, fragen Raffineriebetreiber üblicherweise weniger Rohöl nach. Analysten rechnen daher fest mit wöchentlichen Anstiegen der Rohölvorräte um mehrere Millionen Barrel. Dem API zufolge sind die US-weiten Rohölbestände in der Berichtswoche jedoch um 4,2 Millionen Barrel gesunken. Rechnet man die Aufbauten in Höhe von zwei Millionen Barrel im zentralen Lagerort Cushing heraus, ergeben sich sogar noch umfangreichere landesweite Abbauten. Übertroffen werden die Erwartungen von Analysten auch in der Kraftstoffkategorie. Die Benzinbestände sind laut API nicht nur um 1,2 Millionen Barrel, sondern um 3,8 Millionen Barrel zurückgegangen. Einzig bei den Destillaten seien Aufbauten zu verzeichnen gewesen. Um 400.000 Barrel sind die Vorräte dem API zufolge gestiegen. Mit den unerwarteten und umfangreichen Abbauten bei den Beständen an Rohöl und Benzin enthält der API-Bericht vorrangig bullishe Aspekte.

 

Libyen: Größtes Ölfeld bleibt geschlossen

Libyens größtes Ölfeld, das Sharara-Ölfeld, wird weiterhin geschlossen bleiben. Zwar suchten Premierminister und National Oil Corporation (NOC) nach einer Lösung für das Ende des Produktionsstillstands. Doch erst wenn alle bewaffneten Kräfte den Ölfeld-Komplex verlassen hätten, werde man den Force Majeure aufheben und die Produktion anlaufen lassen. Vor kurzem hatte die Libyan National Army (LNA) das monatelang besetzte Ölfeld unter seine Kontrolle gebracht. Bislang wurde der Komplex allerdings noch nicht wie angekündigt an die NOC übergeben. Die Produktion an dem Ölfeld mit einer Kapazität von mindestens 300.000 Barrel pro Tag wird somit bis auf unbestimmte Zeit stillliegen. Die Zeichen stehen entsprechend auf knappe Versorgung. Bei den Referenzsorten WTI und Brent konnte diese Aussicht bislang keine Rallye auslösen. Betroffen von knappem Angebot und hohen Preisen sind vielmehr schwere Ölsorten aus OPEC-Mitgliedsstaaten wie Venezuela. Die US-amerikanischen und europäischen Rohöle tendieren daher am Morgen trotz bullisher Impulslage seitwärts. WTI wird bei 55,93 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 65,56 US-Dollar. Die Heizölpreise haben sich während des Wochenendes konstant oberhalb der 70-Euro-Marke gehalten. Mit Wochenbeginn sanken sie unter diese Schwelle. Heute geben sie erneut nach. Um insgesamt fast einen Euro sind die Preise damit seit Montag zurückgegangen. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 69,54 Euro.

 

 

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