Rohölpreise erreichen am Freitag neue Einmonatshochs

Rückläufige Ölvorräte und eine geringfügige Stabilisierung der Nachfrage stimmen Analysten optimistisch, dass sich die Marktsituation langsam normalisiert.

 

Unbeeindruckt zeigten sich Marktteilnehmer in den vergangenen Tagen von den Bestandsberichten aus den USA. Dabei meldete das US-amerikanische Department of Energy (DOE) einen überraschenden Rückgang der Rohölvorräte. US-weit seien die Bestände zuletzt um 700.000 Barrel gefallen. Seit Januar war kein Abbau der Rohölvorräte mehr verzeichnet worden. Bei schwacher Nachfrage hatten die Bestände monatelang kontinuierlich zugelegt. Der zusätzliche Nachfrageeinbruch infolge der Corona-Krise verstärkte diesen Effekt noch. Umso bullisher hätte der jüngste Bestandsrückgang wirken müssen. Verhaltene Einschätzungen zur Entwicklung der Weltwirtschaft sorgten allerdings für Verunsicherung. Die rückläufigen US-Rohölvorräte konnten die Rohölpreise daher nur zwischenzeitlich stützen. Vor dem Wochenende scheinen bullishe Faktoren jedoch wieder in den Vordergrund zu rücken. Neben dem DOE-Bericht sorgen die Monatsreports von OPEC und International Energy Agency (IEA) für Optimismus.

Monatsreports wecken Hoffnung auf Stabilisierung

Sowohl die OPEC als auch die IEA gehen davon aus, dass sich die Markt- und Versorgungslage nach diesem Quartal langsam erholen wird. Im aktuellen OPEC-Monatsreport heißt es, im laufenden zweiten Quartal ergebe sich der stärkste Nachfrageeinbruch. Entsprechend korrigierte man die Nachfrageerwartung für diesen Zeitraum um 5,4 Millionen Barrel pro Tag nach unten. Die Einschätzung der IEA lässt darauf schließen, dass das zweite Quartal insbesondere wegen des schwachen Aprils den Jahrestiefpunkt bildet. Ging die Rohölnachfrage im April noch um fast 30 Millionen Barrel pro Tag zurück, erwartet die IEA für Mai einen täglichen Nachfragerückgang um nur noch 21 Millionen Barrel. Das bestätigt vorangegangene Annahmen von Analysten, die Überversorgung könnte ihren Höhepunkt bereits im April erreicht haben.

Optimistisch stimmt zudem, dass die Kürzungsmaßnahmen der OPEC+ im Jahresverlauf Wirkung zeigen könnten. Seit Monatsbeginn fahren die beteiligten Ölproduzenten ihren Output um 9,7 Millionen Barrel pro Tag zurück. Für Juni kündigten einige von ihnen bereits zusätzliche Kürzungen an. Darüber hinaus ist im Gespräch, die Maßnahmen bis Jahresende zu verlängern. Dadurch könnte sich das bestehende Überangebot deutlich reduzieren. Denn OPEC und IEA gehen übereinstimmend davon aus, dass die Nachfrage im Jahresdurchschnitt um weniger als zehn Millionen Barrel pro Tag zurückgehen wird. Die OPEC erwartet einen Nachfragerückgang um etwa neun Millionen Barrel pro Tag, während die IEA einen Einbruch um 8,6 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert. Sollten die OPEC+-Kürzungen bis Jahresende fortgesetzt und sogar verschärft werden, ist Analysten zufolge eine Unterversorgung im vierten Quartal möglich. Diese Einschätzung treibt die Rohölpreise am Morgen auf neue Einmonatshochs. WTI wird bei 28,42 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 32,19 US-Dollar. Die Heizölpreise erreichen heute einen neuen Tiefstand. Erst gestern nahmen sie die Marke von 70 Euro ins Visier und kletterten damit in den Bereich ihrer Jahreshochs. Heute sacken die Preise hierzulande um durchschnittlich mehr als 23 Euro ab. Damit gehen sie auf neue Vierjahrestiefs zurück. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 46,01 Euro.

 

 

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