Rohölpreise gehen mit Gewinnen ins Wochenende

Überraschend diszipliniert setzen die Produzenten der OPEC+ ihre Kürzungsvorgaben seit Mai um. Das JMMC bestätigt den deutlichen Angebotsrückgang.

 

Nach einer verlustreichen Vorwoche werden die Rohölpreise die laufende Handelswoche voraussichtlich mit Gewinnen abschließen. Dabei schürte noch zu Wochenstart der plötzliche Wiederanstieg der Corona-Neuinfektionen Sorge vor einer zweiten Infektionswelle. Insbesondere in Asien waren einige neue Infektionsfälle gemeldet worden. China reagierte mit einer erneuten Abschottung zahlreicher Wohnviertel in Peking. Auch an Verkehrsdaten zur Straßenüberlastung in der chinesischen Hauptstadt ließen sich die Einschränkungen umgehend ablesen. An den Terminbörsen rückte wieder in den Fokus, welch belastenden Effekt eine zweite Corona-Welle auf die sich gerade erholende Ölnachfrage hätte. Doch zum Wochenende ist ein Stimmungswandel unter Marktteilnehmern zu beobachten. Die Rohölpreise legen am Freitagmorgen deutlich zu. Allein in den ersten Handelsstunden sind die Preise für die Referenzsorten um mehr als 90 Cent gestiegen. Zuversichtlich stimmt eine überraschend bullishe Einschätzung des Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC), das die Einhaltung der OPEC+-Kürzungen im Blick hat.

OPEC+ halten Kürzungsvorgaben zu 87% ein

Seit Anfang Mai ist das aktuelle Kürzungsabkommen der OPEC+ in Kraft. Die kooperierenden Ölproduzenten um Saudi-Arabien und Russland haben sich darauf geeinigt, ihren gemeinsamen Output um 9,7 Millionen Barrel pro Tag zu reduzieren. In der Zwischenzeit kamen allerdings Zweifel an der Kürzungsdisziplin einiger Produzenten auf. Die OPEC-Mitglieder Nigeria und Irak erklärten bereits, dass ihr Output im Mai oberhalb der Kürzungsvorgabe gelegen habe. Zugleich versicherte man, die Überproduktion durch Zusatzkürzungen in den nächsten Wochen ausgleichen zu wollen. Angesichts der bestätigten Mehrproduktion Einzelner erwarteten Marktteilnehmer eine schwache Einhaltungsquote für Mai. Wie das JMMC nun allerdings bekannt gab, haben sich die Produzenten der OPEC+ zu 87 Prozent an ihre Kürzungsvorgaben gehalten. Im Mai wurden die Produktionskürzungen demnach überraschend diszipliniert umgesetzt. Sollten zuvor überproduzierende Staaten ihren Output wie angekündigt anpassen, könnte sich die Einhaltungsquote rasch der 100-Prozentmarke annähern.

Trump zieht Abkopplung von China in Betracht

Die Spannungen zwischen den USA und China haben sich seit Jahresbeginn zugespitzt. Unterzeichnete man noch im Januar ein erstes Teil-Handelsabkommen, kamen im Umgang mit den Uiguren und Hongkong Differenzen auf. Nun betont US-Präsident Donald Trump, ein vollständiger Abbruch der Beziehung zu China sei eine Option. Damit reagiert Trump auf eine Aussage des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, die dieser am Mittwoch im Rahmen einer Kongressanhörung tätigte. Lighthizer hatte erklärt, eine Entkopplung der US-amerikanischen und der chinesischen Wirtschaft sei keine Lösung. In einer Nachricht über den Kurznachrichtendienst Twitter betont Trump hingegen, er selbst habe sich womöglich nicht deutlich ausgedrückt. Die Abkopplung von China sei unter Umständen durchaus eine politische Option.

Am Morgen liegt der Marktfokus allerdings nicht auf dem angespannten Verhältnis von USA und China. Vielmehr konzentrieren sich Marktteilnehmer auf die erfolgreiche Drosselung des Ölangebots. Entsprechend legen die Rohölpreise derzeit deutlich zu. WTI wird bei 39,75 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 42,37 US-Dollar. Die Heizölpreise bewegen sich indes seitwärts im Bereich ihrer Vortagesniveaus. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 49,20 Euro.

 

 

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