Rohölpreise mit Seitwärtstendenz nahe Hochs

Während sich der chinesische Ölbedarf zügig erholt, drohen die USA der WHO mit einem endgültigen Zahlungsstopp und dem Überdenken ihrer Mitgliedschaft.

 

Mit kräftigem Aufwind sind die Rohölpreise gestern in die neue Handelswoche gestartet. Ein Interview des US-Notenbankchefs stimmte Marktteilnehmer zuversichtlich. Jerome Powell hatte erklärt, eine wirtschaftliche Erholung sei noch in diesem Jahr möglich. Sollte eine zweite Infektionswelle ausbleiben, sei ab dem dritten Quartal ein stetiges Wirtschaftswachstum zu erwarten. Zudem reagierten Anleger und Analysten auf Fortschritte bei der Corona-Impfstoffentwicklung. Das US-Biotech-Unternehmen Moderna zog eine positive Zwischenbilanz nach seiner Phase-I-Studie. Man habe den möglichen Impfstoff mRNA-1273 getestet und eine erfolgreiche Immunreaktion auslösen können. Neben den Börsenpapieren des Unternehmens zog gestern auch der US-Leitindex entsprechend an. Auch die Rohöl-Futures setzten zu einer Aufwärtsbewegung an. Auf Zweimonatshochs beendeten sie den gestrigen Handelstag. Einen maßgeblichen Beitrag zu dieser Rallye leistet die chinesische Ölnachfrage, die sich überraschend zügig ihrem Vorkrisenniveau nähert.

Chinas Ölnachfrage mit rascher Normalisierung

Mit voranschreitender Ausbreitung des Coronavirus war die chinesische Ölnachfrage in den vergangenen Monaten eingebrochen. Das Land mit dem zweitgrößten Ölbedarf der Welt fragte im Februar und März zwanzig Prozent weniger nach als zuvor. Jetzt zeigen die Lockerungen der Corona-Maßnahmen erste Effekte. Private Raffinerien sind derzeit so stark ausgelastet wie seit zehn Jahren nicht mehr. Lag die Raffinerieauslastung noch im Vorjahr bei 60 Prozent, bewegt sie sich nun bei 75 Prozent. Auch das staatliche Ölunternehmen Sinopec hat seine Produktion erhöht. Die hohe Raffinerieauslastung deutet auf einen kräftigen Anstieg der Ölnachfrage hin. Tatsächlich berichtet der Nachrichtensender Bloomberg unter Berufung auf anonyme Vertreter der chinesischen Ölindustrie von einem Nachfrageschub. Aktuell liege die tägliche Nachfrage bei 13 Millionen Barrel pro Tag. Damit bleibt der Ölbedarf Chinas nur geringfügig hinter dem Niveau zurück, das Ende vergangenen Jahres vor Ausbruch des Virus verzeichnet wurde. Im Dezember betrug die Ölnachfrage Chinas 13,7 Millionen Barrel pro Tag. Anleger und Analysten sehen in der Entwicklung einen klar bullishen Impuls.

USA erwägen WHO-Austritt

Vor einem Monat hatten die USA ihre Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestoppt. US-Präsident Trump hatte der Organisation Versäumnisse im Umgang mit Covid-19 und ein zu enges Verhältnis zu China vorgeworfen. Jetzt legen die USA nach und drohen mit einem endgültigen Zahlungsstopp sowie dem Austritt aus der WHO. Das geht aus einem Schreiben Trumps an WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hervor, das Trump auf Twitter veröffentlichte. Hierin erneuert der US-Präsident die Vorwürfe mangelnder Unabhängigkeit von China und mehrmaliger Fehltritte in der Pandemiebekämpfung. In dem Schreiben heißt es, die USA geben der WHO 30 Tage Zeit für erhebliche Verbesserungen. Andernfalls werde man den vorübergehenden Zahlungsstopp zu einem permanenten machen und die Mitgliedschaft der USA überdenken.

Die WHO-Kritik und Positionierung der USA könnte den Konflikt mit China zuspitzen, was auf die Märkte bearish wirkt. Am Morgen bewegen sich die Rohölpreise daher trotz zuletzt grundlegend bullisher Marktstimmung auf Zweimonatshochs seitwärts. WTI wird bei 33,03 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 35,35 US-Dollar. Die Heizölpreise bewegten sich in den vergangenen Tagen im Bereich ihrer Vierjahrestiefs. Hierzulande lagen sie unterhalb der 48-Euro-Marke. Im Vergleich zum Vortag steigen die Preise nun um etwa drei Euro. Trotz dieses Anstiegs bleiben sie auf einem im Mehrjahresvergleich niedrigen Niveau. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 50,33 Euro.

 

 

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