Rohölpreise orientieren sich am Morgen abwärts

Den höchsten Stand seit Anfang April haben die Rohölpreise gestern erreicht. Heute behalten sie ihre Einmonatshochs trotz Abwärtsbewegung zunächst bei.

 

Auf Entspannung stehen die Zeichen an den Terminbörsen seit dem Monatswechsel. Trotz anhaltender Corona-Krise sind Analysten optimistisch, dass der Ölmarkt die kritischste Phase überstanden hat. Auf Nachfragesorgen und Negativpreise folgte eine Erholungsrallye. Die Nordseesorte Brent legte im Laufe der vergangenen Woche um zehn US-Dollar zu, befindet sich inzwischen oberhalb der 30-US-Dollar-Marke. Der Preis für das US-Rohöl WTI verdoppelte sich seit Ende April sogar. Er kletterte von etwa 12 US-Dollar auf über 24 US-Dollar. Die Referenzsorten liegen damit auf Einmonatshochs. Aufwind verschafften ihnen übereinstimmend zuversichtliche Marktprognosen. Sowohl bei Goldman Sachs als auch bei Morgan Stanley schätz man, die Überversorgung habe ihren Höhepunkt bereits im April erreicht. Mit zunehmenden Lockerungen der Corona-Maßnahme werde die Ölnachfrage in den nächsten Wochen wieder steigen. In Kombination mit den freiwilligen und lagerbedingten Produktionskürzungen ist laut Morgan Stanley im vierten Quartal sogar eine Unterversorgung möglich. Am Morgen ist die gestrige Euphorie allerdings verflogen. Der Bestandsbericht des American Petroleum Institute (API) rückt in den Fokus, was tagelang verdrängt wurde. Die Lagersituation bleibt angespannt, bis die Corona-Lockerungen tatsächlich Wirkung zeigen.

USA: Rohölvorräte steigen 15. Woche in Folge

Die fünfzehnte Woche in Folge sind die US-weiten Rohölvorräte gewachsen. Das geht aus den gestern bekannt gewordenen Einschätzungen des API hervor. Analysten hatten im Vorfeld zwar bereits mit einem Anstieg um 7,5 bis 8,0 Millionen Barrel gerechnet. Doch das API übertrifft diese Erwartung und meldet einen Zuwachs um 8,4 Millionen Barrel. Eine Meldung, die den jüngsten Optimismus der Marktteilnehmer ausbremst. Die Entwicklung der Bestände im zentralen Lagerort Cushing deutet indes auf eine Entspannung der Lagersituation hin. Laut API sind die Vorräte dort nur um 2,7 Millionen Barrel gewachsen. Das wäre der geringste Anstieg seit sechs Wochen. Sollten die Vorräte in Cushing weiterhin nur geringfügig ansteigen, würde sich das Erreichen der Kapazitätsgrenze nach hinten verschieben. Ursprünglich war erwartet worden, dass die Lager bereits in dieser Woche voll sein würden. Bei wöchentlichen Zuwächsen um etwa 2,7 Millionen Barrel wären die Kapazitäten hingegen erst Ende Mai ausgeschöpft. Diese Verzögerung ist klar bullish zu interpretieren.

Auch die Entwicklung der Benzinvorräte stimmt Marktteilnehmer zuversichtlich. War im Vorfeld mit einem Anstieg der US-Benzinbestände um mindestens 200.000 Barrel gerechnet worden, geht das API von einem Rückgang um 2,2 Millionen Barrel aus. Bei den Destillaten meldet das API hingegen einen doppelt so starken Anstieg wie erwartet. Die US-weiten Vorräte seien um 6,1 Millionen Barrel gewachsen. Insgesamt fällt der API-Report durchwachsen aus. Rückläufige Benzinvorräte und langsamer wachsende Cushing-Bestände deuten auf eine Entspannung hin. Der umfangreiche Anstieg der Rohölvorräte macht allerdings deutlich, dass das große Angebot präsent bleibt. Am Morgen orientieren sich die Rohölpreise entsprechend von ihren Einmonatshochs abwärts. WTI wird bei 24,26 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 30,78 US-Dollar. Die Heizölpreise kletterten nach dem Monatswechsel zunächst in den Bereich ihrer Jahreshochs. Im Deutschlanddurchschnitt lagen sie oberhalb von 68 Euro. Gestern gaben die Preise dann um durchschnittlich mehr als 15 Euro nach. Damit fielen sie auf den niedrigsten Stand seit einer Woche. Heute verharren die Heizölpreise nahezu unverändert auf dem gestrigen Niveau. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl deutschlandweit durchschnittlich 52,80 Euro.

 

 

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