Rohölpreise schlagen unterschiedliche Richtungen ein

Wie bereits in den Vorwochen fällt der Bestandsbericht des API bearish aus. Die US-weiten Rohölvorräte sind erneut deutlich gewachsen.

 

Von dem historischen Einbruch hat sich der WTI-Preis etwas erholt. Kostete ein Barrel des US-Rohöls am Montag zwischenzeitlich minus 40 US-Dollar, lag der Preis gestern bereits wieder im Plus. Nach dem Frontmonatswechsel startete WTI knapp oberhalb der Null in den Handelstag und kletterte bis Handelsschluss um mehr als acht US-Dollar. Am Mittwochmorgen knackt das US-Rohöl die Marke von 10 US-Dollar und bewegt sich aufwärts. Die Nordseesorte Brent gerät indes unter Druck, rutschte gestern ebenfalls unter die 20-US-Dollar-Schwelle. In den niedrigen Preisniveaus spiegelt sich die weiterhin angespannte Stimmung an den Terminbörsen wider. Marktteilnehmer stehen den für Mai und Juni angekündigten Produktionskürzungen der OPEC+ skeptisch gegenüber. Die Drosselung um 9,7 Millionen Barrel pro Tag wird voraussichtlich nicht ausreichen, um die schwache Nachfrage auszugleichen. Angesichts übereinstimmend bearisher Marktausblicke sehen offenbar auch die OPEC+ Handlungsbedarf. Eine kurzfristige Telefonkonferenz der Kartellmitglieder und externer Partner blieb allerdings ergebnislos.

OPEC berät in Sonder-Telefonkonferenz

Vor eineinhalb Wochen hatten sich die Ölproduzenten der OPEC+ auf Produktionskürzungen historischen Ausmaßes geeinigt. Fast zehn Prozent der weltweiten Ölproduktion will man in den nächsten beiden Monaten herunterfahren. Doch die Nachfrage könnte zwischenzeitlich um mehr als zwanzig Millionen Barrel pro Tag einbrechen. Wann sie sich erholen wird, ist nicht absehbar. Daher mehrten sich zuletzt Spekulationen, die Produzenten der OPEC+ könnten ihre geplanten Kürzungen vorziehen und noch vor dem Monatswechsel umsetzen. In der Nacht kamen die kooperierenden Ölproduzenten kurzfristig zu einer Telefonkonferenz zusammen. Auf der Agenda dürften der historische Preiseinbruch vom Wochenbeginn und die schwindenden Lagerkapazitäten gestanden haben. Doch die außerordentliche Abstimmung scheint ergebnislos zu Ende gegangen zu sein. Bislang sind keine zusätzlichen oder vorgezogenen Maßnahmen der OPEC+ bekannt. Anzumerken ist, dass sich jegliche Kürzungsmaßnahmen erst mit einer Verzögerung auf den Markt auswirken werden. Zunächst werden im März und April geschlossene Liefervereinbarungen die Öllager bis Ende Mai füllen. Erst im Juni ist daher mit einem sichtbaren Effekt der Produktionskürzungen zu rechnen.

API meldet geringere Aufbauten als erwartet

Auch in der vergangenen Woche sind die US-Ölvorräte deutlich gewachsen. Das geht aus den gestern bekannt gewordenen Einschätzungen des American Petroleum Institute (API) hervor. Allerdings sind die Bestände in einigen Kategorien nicht so stark gestiegen wie zuvor angenommen. Im Vorfeld war ein Anstieg der US-weiten Rohölvorräte um 14 bis 16 Millionen Barrel erwartet worden. Allein die Bestände in Cushing sollten um sechs Millionen Barrel gestiegen sein. Das API geht indes von einem Anstieg der Rohölvorräte um 13,2 Millionen Barrel aus, während die Vorräte in Cushing um 4,9 Millionen Barrel gewachsen seien. Beobachter hatten zudem damit gerechnet, dass die Benzinvorräte um 4,4 Millionen Barrel ausgebaut worden seien. Laut API sind sie nur um 3,4 Millionen Barrel gestiegen. Einzig bei den Destillaten übertrifft das API vorangegangene Prognosen um einige Millionen Barrel und meldet einen Anstieg der Bestände um 7,6 Millionen Barrel.

Trotz teils geringerer Aufbauten als erwartet wirkt der API-Report bearish. Marktteilnehmer warten nun auf den Vergleichsbericht des US-Energieministeriums, der am Nachmittag die Richtung vorgeben könnte. Die Referenzsorten starten mit unterschiedlichen Vorgaben in den Handelstag. WTI stabilisiert sich auf niedrigem Niveau, während Brent etwas nachgibt. Am Morgen wird WTI bei 10,74 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 16,98 US-Dollar. Die Heizölpreise haben sich seit dem Wochenende kaum bewegt. Bis gestern orientierten sie sich wenige Euro oberhalb ihrer Mehrjahrestiefs seitwärts. Heute legen die Preise im Deutschlanddurchschnitt kräftig zu. Im Vergleich zum Vortag steigen sie um mehr als 13 Euro. Damit liegen die Heizölpreise hierzulande wieder im Bereich ihrer Jahreshochs. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl in Deutschland durchschnittlich 67,80 Euro.

 

 

Die mobene Unternehmensgruppe