Rohölpreise setzen Abwärtstrend vor dem Wochenende fort

Vorwiegend bearish ist die Impulslage auch heute. Prognosen des IWF, volle US-Öllager und die Erwartung großer Nachfragelücken prägen die Preisentwicklung.

 

Vor zwei Wochen sind sowohl die Rohöl-Futures als auch die Heizölpreise auf Hochs geklettert. WTI und Brent befanden sich auf Dreieinhalbwochenhochs. Die Heizölpreise näherten sich indes ihren Jahreshochs. Doch seit Anfang April konnten sich die Preise nicht mehr auf diesen Niveaus halten. Die Heizölpreise unterliegen starken Schwankungen, während die Rohölpreise kontinuierlich auf ihre Hochs verloren. WTI hat in den vergangenen vierzehn Tagen um etwa acht US-Dollar nachgegeben. Der Brent-Preis ist um fünf US-Dollar gefallen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise und die Sorge vor einer weltweiten Rezession stehen im Marktfokus. Auch auf die Ölbranche wird die Krise nach Einschätzung von Analysten einen nachhaltigen Effekt haben. Man rechnet mit einem starken Einbruch der Ölnachfrage um zwischenzeitlich mehr als zwanzig Millionen Barrel pro Tag. Bei dieser Aussicht verpuffte die bullishe Wirkung der historischen OPEC+-Einigung schnell. Am Wochenende hatten sich die Ölproduzenten auf Produktionskürzungen im Umfang von 9,7 Millionen Barrel pro Tag geeinigt. An den Terminbörsen ist man allerdings nicht davon überzeugt, dass sich die Nachfragelücke damit ausgleichen lassen wird.

Impulslage überwiegend bearish

Grundlage für die anhaltende Abwärtsbewegung der Rohölpreise ist die überwiegend bearishe Impulslage. Marktausblicke und Bestandseinschätzungen belasten die Preise. Die International Energy Agency (IEA) erwartet dieses Jahr einen Rückgang der Nachfrage um 9,3 Millionen Barrel pro Tag. Im April werde die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr sogar um 29 Millionen Barrel pro Tag einbrechen. Damit wird die Ölnachfrage laut IEA auf den niedrigsten Stand seit 1995 zurückgehen. Hinzu kamen bearishe Bestandsberichte aus den USA. Sowohl das American Petroleum Institute als auch das US-amerikanische Department of Energy (DOE) meldeten für die Vorwoche einen massiven Ausbau der US-Rohölvorräte. Laut DOE sind die Bestände um 19,2 Millionen Barrel gewachsen, so stark wie nie zuvor.

Neben Nachfrageeinbruch und vollen Öllagern steht der Ausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Marktfokus. Beim IWF schätzt man die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise ähnlich ein wie die der Großen Depression in den 1930er Jahren. Um drei Prozent wird die Weltwirtschaft laut IWF in diesem Jahr schrumpfen. Hierauf weisen auch die jüngsten Konjunkturdaten aus China hin. Verglichen mit dem Vorjahr, ist das chinesische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 um 6,8 Prozent gesunken. Einen negativen Wert gab es seit Beginn der quartalsweisen Datenveröffentlichung 1992 bislang nicht. Die Rohölpreise orientieren sich am Morgen entsprechend abwärts. WTI wird bei 18,62 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 27,95 US-Dollar. Die Heizölpreise bewegen sich seit zwei Wochen auf und ab. Im Wechsel steigen und fallen sie in einer Spanne von bis zu 18 Euro. Zu Beginn dieser Woche lagen die Preise im Bereich ihrer Jahreshochs. Sie befanden sich knapp unterhalb der 70-Euro-Marke und damit auf dem höchsten Niveau seit Jahresbeginn. In den vergangenen Tagen sackten sie dann immer weiter ab, zurück in den Bereich ihrer Mehrjahrestiefs. Heute legen die Preise wieder zu. Im Vergleich zum Vortag klettern sie um durchschnittlich 13 Euro. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 64,07 Euro.

 

 

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