Rohölpreise starten nahe Dreimonatshochs in den Handel

Ein zuversichtlicher Marktausblick der IEA stimmte Marktteilnehmer gestern Nachmittag optimistisch. Doch am Morgen wirken schwache US-Bestandsdaten nach.

 

Verhalten begann der gestrige Handelstag an den internationalen Terminbörsen. Die Rohöl-Futures orientierten sich im Bereich ihrer Zweiwochentiefs seitwärts. Bis Handelsschluss wendete sich das Blatt allerdings und die Rohölpreise kletterten um ein bis zwei US-Dollar. Aus dem Handel gingen WTI und Brent nahe ihren Dreimonatshochs. Aufwärtspotenzial hatten ihnen Einschätzungen der International Energy Agency (IEA) verschafft. Zwar werde die Corona-Krise das Weltwirtschaftswachstum und die Ölnachfrage in diesem Jahr belasten. Doch im gestern veröffentlichten IEA-Monatsbericht heißt es, der Markt komme mit Produktionskürzungen sowie einer Nachfrageerholung im nächsten Jahr wieder ins Gleichgewicht. Zudem korrigierte die IEA ihre Erwartung der diesjährigen Ölnachfrage nach oben. Im Jahr 2020 werde der durchschnittliche Tagesbedarf bei 91,7 Millionen Barrel liegen. Im Vormonatsbericht prognostizierte man noch eine um 500.000 Barrel pro Tag geringere Nachfrage. Auch zu den Kürzungsmaßnahmen der OPEC+ äußerte sich die IEA positiv. Die Kooperationsgemeinschaft aus OPEC-Mitgliedern und externen Produzenten habe ihre Produktionskürzungen im Mai zu 89 Prozent eingehalten. Mit einer vollständigen Erholung der Ölnachfrage rechnet die IEA dennoch nicht vor 2023.

Erneut unerwartet deutlicher Anstieg der US-Rohölvorräte

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Ölbestände in allen Kategorien gestiegen. Das geht aus den gestern bekannt gewordenen Einschätzungen des American Petroleum Institute (API) hervor. Analysten hatten ihre Erwartungen bereits in Reaktion auf die schwache Nachfrageentwicklung der Vorwochen angepasst und kalkulierten einen Ausbau der Rohölvorräte um bis zu eine Million Barrel ein. Doch das API geht erneut von einem deutlicheren Bestandszuwachs um 3,9 Millionen Barrel aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Benzinvorräten, die laut Analystenprognose leicht zurückgegangen sein sollten. Dementgegen hat das API einen Anstieg um 4,3 Millionen Barrel verzeichnet, was auf ein Ausbleiben der Kraftstoffnachfrage hindeutet. Einzig in der Kategorie der Destillate übertrifft das API vorangegangene Prognosen. Hatten Analysten zuvor mit einem Anstieg der Vorräte um bis zu 2,7 Millionen Barrel gerechnet, sind sie laut API nur um 900.000 Barrel gewachsen. Einen weiteren Hoffnungsschimmer sehen Markteilnehmer darin, dass die Rohölvorräte im zentralen Lagerort Cushing um 3,3 Millionen Barrel abgebaut wurden. Insgesamt liefert das API damit einen durchwachsenen Wochenreport, dessen bearishe Aspekte am Morgen vorrangig Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen.

Beunruhigung nach weiteren Infektionsfällen in China

Die stetige Erholung des chinesischen Marktes von der Corona-Krise hatte in den vergangenen Wochen einen maßgeblich stützenden Effekt auf die Preisbildung an den Terminbörsen. Mit der Lockerung von alltäglichen und wirtschaftlichen Einschränkungen nahmen Raffinerieauslastung und Ölnachfrage rasch zu. Die Entwicklung sorgte unter Marktteilnehmern entsprechend für Zuversicht, der Ölmarkt könnte sich in den nächsten Monaten kontinuierlich erholen. Seit einigen Tagen schüren neue Corona-Infektionsfälle allerdings die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle in China. Nachdem wochenlang kaum Neuinfektionen gemeldet wurden, kamen allein seit vergangenem Donnerstag 137 weitere Fälle hinzu. Besonders betroffen ist Peking, weshalb die chinesische Hauptstadt wieder in den Krisenmodus zurückkehrt. Erneute Schulschließungen und die Abschottung zahlreicher Wohnviertel verdeutlicht, dass die Corona-Krise auch in nächster Zeit ständiger Begleiter sein wird.

Am Morgen starten die Rohölpreise unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse in den Handel. WTI wird bei 38,22 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 40,93 US-Dollar. Die Heizölpreise machen heute indes einen Satz nach oben und klettern aus ihren Tiefs. Im Vergleich zum Vortag legen sie hierzulande um durchschnittlich 1,50 Euro zu. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 49,41 Euro.

 

 

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