Rohölpreise steuern zu Märzbeginn neue Jahreshochs an

Während die OPEC ihre Kürzungsquote deutlich übertrifft, steigern die USA ihre Ölproduktion und kündigen Verkäufe aus der strategischen Reserve an.

 

Gleich zu Wochenbeginn wartete ein bearisher Impuls auf die Rohölpreise. US-Präsident Donald Trump hatte sich an die OPEC gewandt und erneut die Preisniveaus kritisiert. Das Kartell gab jedoch umgehend Entwarnung und betonte, man werde seine Produktionskürzungen beibehalten. Offen blieb, ob die USA womöglich selbst Maßnahmen zur Steigerung des internationalen Angebots ergreifen würden. Jetzt steht fest, die USA werden einen Teil ihrer strategischen Reserve freigeben.

 

USA modernisieren strategische Ölreserve

Im Rahmen eines Modernisierungsgesetzes für strategische Reserven werden die USA in den nächsten Monaten sechs Millionen Barrel aus ihren Ölvorräten freigeben. Das Gesetz sieht vor, zwischen 2017 und 2020 Reserven im Wert von bis zu zwei Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Für das Jahr 2019 sind Verkäufe im Wert von bis zu 300 Millionen US-Dollar geplant. Zwar steht die Teilfreigabe der strategischen Reserve offiziell in keinerlei Zusammenhang mit der weltweiten Angebotsknappheit. Doch die angekündigten sechs Millionen Barrel sollen im April und Mai auf den Markt kommen, somit direkt nach Auslaufen der US-Ausnahmegenehmigungen bei den Iransanktionen. Die USA haben den Zeitpunkt für die Umsetzung ihres Modernisierungsgesetzes vermutlich nicht zufällig gewählt. Unter Zuhilfenahme ihrer strategischen Reserve werden sie den OPEC-Produktionskürzungen gezielt entgegenwirken wollen.

 

Einhaltungsquote der OPEC bei 275 Prozent

Seit Jahresbeginn ist das neue Kürzungsabkommen zwischen OPEC und einigen externen Ölproduzenten wie Russland in Kraft. Um 1,2 Millionen Barrel wollte man den gemeinsamen Tagesoutput im Vergleich zum Oktober 2018 senken. Die OPEC selbst plante, 800.000 Barrel pro Tag vom Markt zu nehmen. Dem Informationsdienstleister JBC Energy zufolge übertrifft das Kartell seine Kürzungsquote aber schon jetzt. Verglichen mit Januar hätten die OPEC-Mitgliedsstaaten ihre Produktion im Februar täglich um weitere 550.000 Barrel zurückgefahren. Für einen Großteil der Kürzungen sind laut JBC Energy Venezuela und der Iran verantwortlich, die ihre Produktion zusammen unfreiwillig um 330.000 Barrel pro Tag reduzierten. Saudi-Arabien habe mit einer Kürzung um 150.000 Barrel pro Tag ebenfalls einen bedeutenden Beitrag geleistet. Im Vergleich zu Oktober 2018 verzeichnen die Analysten von JBC Energy einen Produktionsrückgang um 2,2 Millionen Barrel pro Tag. Das entspreche einer Einhaltungsquote von 275 Prozent. Berücksichtige man ausschließlich die Kartellmitglieder, die ihren Output aktiv senken, liege die Einhaltungsquote bei 125 Prozent.

Noch gestern belasteten die durch den US-Handelsbeauftragten gedämpften Erwartungen auf einen schnellen Deal im US-chinesischen Handelsstreit die Rohölpreise. Auch die mit 12,1 Millionen Barrel pro Tag auf einem neuen Rekord befindliche US-Ölförderung drückte die Preise. Heute Morgen steuern WTI und Brent auf neue Jahreshochs zu. Bullish wirkt insbesondere die hohe Einhaltungsquote der OPEC. WTI wird bei 57,68 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 66,94 US-Dollar kostet. Damit sind die Referenzöle auf den höchsten Stand seit drei Monaten gestiegen. Seit zwei Wochen bewegen sich die Heizölpreise nun im Bereich ihrer Zweimonatshochs auf und ab. Bei ihren Schwankungen um bis zu zwei Euro dienen die 70 Euro als Orientierungsmarke. Lagen sie gestern noch darüber, rutschen sie heute wieder unter diese Schwelle. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 69,66 Euro.

 

 

Die mobene Unternehmensgruppe