Rohölpreise tendieren nach Feiertagsrallye abwärts

Nur kurzzeitig hat die Anpassungsbereitschaft der OPEC den Markt zu Wochenbeginn beruhigt. Heute liegt der Fokus wieder auf bearishen Impulsen.

 

Schwache Nachfrageaussichten und das weltweite Produktionspotenzial belasten die Rohölpreise seit Monaten. Vor den Weihnachtsfeiertagen gaben die Preise noch einmal nach und fielen auf neue Tiefstände. WTI beendete den Montag auf dem niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren, während Brent so günstig war wie seit Mitte August 2017 nicht mehr. Gestern erholten sich die Referenzsorten von dem Preisrutsch und glichen wie die Leitindizes an den Aktienmärkten ihre montäglichen Verluste aus. Heute bewegen sich die Rohölpreise auf ihren Vorwochenniveaus, doch die Stimmung unter Marktteilnehmern ist weiterhin grundsätzlich bearish.

 

Großes Wachstumspotenzial der US-Ölproduktion

Die USA haben in diesem Jahr Russland als größten Ölproduzenten der Welt abgelöst und verfügen noch immer über enormes Produktionspotenzial. Dem jüngsten Bericht von Baker Hughes zufolge wurden zuletzt besonders in Schieferölgebieten die Explorationen angekurbelt. Nachdem die Zahl aktiver Ölbohranlagen zwei Wochen in Folge rückläufig gewesen ist, sei sie in der vergangenen Woche deutlich gestiegen. US-weit seien zehn zusätzliche Anlagen in Betrieb genommen worden, sodass aktuell 883 Anlagen aktiv seien. Nach Einschätzung von Baker Hughes befindet sich die Zahl aktiver Ölbohranlagen damit nahe ihres Dreieinhalbjahreshochs. Das Wachstumspotenzial der US-Ölproduktion ist demnach ungebrochen groß, was am Markt die Sorge vor einer Überversorgung verstärkt.

 

Preisprognosen nach unten korrigiert

Angesichts des bei sinkender Nachfrage drohenden Überangebots rechnen Anleger und Analysten im nächsten Jahr mit niedrigeren Ölpreisen. So hat die Energy Information Administration (EIA) ihre Preisprognose im letzten Monatsreport um mehr als zehn US-Dollar nach unten korrigiert. Laut EIA wird WTI im kommenden Jahr durchschnittlich 54,19 US-Dollar kosten und der Durchschnittspreis für Brent bei 61,00 US-Dollar liegen. Analysten schließen sich dieser Einschätzung an, wie eine Umfrage unter dreizehn Investmentbanken zeigt. Hier hatte man noch vor einem Monat einen WTI-Preis von 70 US-Dollar prognostiziert, geht aber inzwischen von einem Durchschnittspreis von 63 US-Dollar aus. Für Brent korrigierten die Analysten ihre Prognose von 77 US-Dollar auf 69 US-Dollar nach unten. Das US-Produktionspotenzial und bearishe Preisprognosen begünstigen am Morgen den Abwärtstrend der Rohölpreise. WTI wird bei 45,66 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 53,75 US-Dollar kostet. Beide Referenzsorten haben damit in den ersten Handelsstunden um ungefähr einen US-Dollar nachgegeben. Dass die OPEC vor den Weihnachtsfeiertagen bekannt gab, eine Ausweitung ihrer Produktionskürzungen in Erwägung zu ziehen, stützt die Ölpreise derzeit nicht. Die Heizölpreise sind über die Feiertage hinweg nahezu unverändert geblieben. Hierzulande sind sie weiterhin so niedrig wie seit Mitte April nicht mehr. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 65,31 Euro.

 

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