Seitwärtstendenz der Ölpreise auf 21-Jahrestiefs

Tanker aus Saudi-Arabien sind auf dem Weg in die USA. Wegen knapper Lagerkapazitäten erwägen die USA einen Importstopp, Saudi-Arabien eine Umleitung.

 

Auf sein Minustief vom Wochenstart hat das US-Rohöl WTI inzwischen einige US-Dollar Abstand gewonnen. Am Montag war der Rohölpreis auf bis zu minus 40 US-Dollar gerutscht. Aufgrund mangelnder Lagerplätze blieben zum Frontmonatswechsel an den Terminbörsen Abnehmer aus. Die Folge war eine historische Abwärtsspirale. Mit dem Wechsel des Frontmonats zum Dienstag beruhigte sich die Stimmung unter Marktteilnehmern wieder. Nun werden Kontrakte für eine Lieferung bis Ende Juni gehandelt. Ob sich die Lagersituation bis dahin entspannt, bleibt allerdings abzuwarten. Denn die dieswöchigen Bestandsberichte zeigen, dass die US-weiten Ölvorräte weiterhin stark wachsen. Das American Petroleum Institute (API) hatte am Dienstagabend noch geringere Aufbauten gemeldet als erwartet. Gestern zog das US-amerikanische Department of Energy (DOE) mit seinem Wochenbericht nach. Demnach sind die US-Bestände an Rohöl und Destillaten deutlicher gestiegen als von Analysten und API angenommen.

US-Bestände weit über Fünfjahresdurchschnitt

Wie bereits in den Wochen zuvor sind die US-weiten Ölvorräte auch in der vergangenen Woche ausgebaut worden. Ein Grund hierfür ist die leicht rückläufige Raffinerieauslastung. Sie liegt laut DOE derzeit nur noch bei 67,6 Prozent und begünstigt einen Anstieg der Rohölvorräte, da weniger Rohöl verarbeitet wird. Rechnete das API mit einem Ausbau um bis zu 13,2 Millionen Barrel, übertrifft das DOE diese Erwartung. Die US-weiten Rohölbestände seien um 15 Millionen Barrel gewachsen. Allein die Vorräte im zentralen Lager- und Umschlagort Cushing seien um 4,8 Millionen Barrel gestiegen. Damit befinden sich die US-Rohölvorräte laut DOE neun Prozent oberhalb des Fünfjahresdurchschnitts. Auch die Benzinvorräte überträfen diesen Referenzwert deutlich. Sie seien zwar nur um eine Million Barrel ausgebaut worden, befänden sich aber zwölf Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Etwas unter dieser Referenzgröße liegen laut DOE nur die Bestände an Destillaten, obwohl sie zuletzt um 7,9 Millionen Barrel gewachsen seien. Mit deutlichen Aufbauten der Bestände an Rohöl und Destillaten wirkt nach dem API-Bericht nun auch der DOE-Report bearish.

Saudi-Arabien könnte Tanker umleiten

Etwa 40 Millionen Barrel saudi-arabischen Öls sind derzeit auf dem Weg in die USA. Doch die angespannte Lagersituation könnte die USA dazu bewegen, den Ölimport zu stoppen. Bereits in der vergangenen Woche haben die USA laut DOE etwa fünf Millionen Barrel pro Tag weniger importiert als in der Woche zuvor. Auch im Jahresvergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum haben die USA in den vergangenen vier Wochen 15 Prozent weniger Öl importiert. Den herannahenden Lieferungen aus Saudi-Arabien könnte die US-Regierung mit einem Importstopp oder Zöllen begegnen, wie Insider berichten. Aus Insiderkreisen der saudi-arabischen Ölfördergesellschaft Saudi Aramco heißt es indes, man erwäge die Umleitung der Tanker. Analysten schätzen, in Europa oder Asien könnten sich Abnehmer finden.

Die Rohölpreise bewegen sich am Morgen stabil im Bereich ihrer 21-Jahrestiefs. WTI wird bei 14,87 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 21,49 US-Dollar. Die Heizölpreise setzen heute ihren stark schwankenden Kurs fort. Tendierten sie bis Wochenbeginn zunächst nahe ihres Mehrjahrestiefs seitwärts, nahmen sie gestern ihr Jahreshoch ins Visier. Heute nehmen die Preise wieder Abstand von der 70-Euro-Marke. Im Vergleich zum Vortag geben sie hierzulande um durchschnittlich 19 Euro nach. Damit erreichen die Heizölpreise heute neue Mehrjahrestiefs. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 48,78 Euro.

 

 

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