Seitwärtstendenz der Rohölpreise nahe Einmonatshochs

Kurz nach Anlaufen gemeinsamer Produktionskürzungen legen einige OPEC-Mitglieder nach. Für Juni wurde angekündigt, den Output zusätzlich zu drosseln.

 

Seit einer Woche befinden sich die Rohölpreise bereits auf Einmonatshochs. Analysten vermuteten, die Überversorgung könnte ihren Höhepunkt schon im April erreicht haben. Langsamer wachsende Ölvorräte, Lockerungen der Corona-Maßnahmen und vereinzelte Nachfrageschübe bestätigten die Annahme. Die Hoffnung auf eine Erholung von der Krise hält die Rohölpreise auf ihren Hochs. Weiteres Aufwärtspotenzial besteht allerdings nicht, da die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle im Hintergrund belastet. Dabei ist die Impulslage aktuell klar bullish. Während die chinesische Ölnachfrage zunimmt, legen einzelne Ölproduzenten mit zusätzlichen Kürzungsmaßnahmen nach. Von beidem zeigen sich Marktteilnehmer am Morgen unbeeindruckt.

China: Ölnachfrage im April gestiegen

Mit Voranschreiten der Corona-Krise war in China ein rapider Anstieg der Ölvorräte zu beobachten. Bei zurückgehender Nachfrage kletterten die Bestände im ersten Quartal um 161 Millionen Barrel. Wie der Informationsdienstleister SIA Energy nun berichtet, zeigten sich im April erste Anzeichen einer Normalisierung. Im vergangenen Monat seien die Ölvorräte in China um 9,5 Millionen Barrel abgebaut worden. Zurückzuführen sei dies auf eine erhöhte Raffinerieauslastung. Laut SIA Energy haben einige nicht-staatliche Raffineriebetreiber ihre Auslastung auf ein Rekordhoch gesteigert. Auch das staatliche Ölunternehmen PetroChina hat eine Steigerung der Produktion angekündigt. Der wachsende Bedarf an Rohöl spiegelt sich zudem in der Entwicklung der Ölimporte wider. Nach Einschätzung von SIA Energy hat China im April täglich 9,9 Millionen Barrel importiert, ein Anstieg um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Zwar bleibt die Importaktivität damit etwas hinter dem Vorjahresdurchschnitt von 10,2 Millionen Barrel pro Tag zurück. Doch an den Terminbörsen wirkt die Erholung der Nachfrage preisstützend.

Saudi-Arabien: Zusätzliche Kürzungen ab Juni

Erst zu Monatsbeginn haben die Ölproduzenten der OPEC+ mit der Umsetzung ihrer historischen Kürzungen begonnen. Um insgesamt 9,7 Millionen Barrel wollen sie ihre Produktion im Mai und Juni zurückfahren. Analysten zeigten sich allerdings zunehmend skeptisch gegenüber den Kürzungsmaßnahmen. Die Nachfrage ist um zwanzig, zwischenzeitlich sogar dreißig Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Dem haben Kürzungen in geplantem Umfang nichts entgegenzusetzen. Davon sehen sich einige OPEC-Mitglieder offenbar unter Druck gesetzt und zu weiteren Maßnahmen gezwungen. Saudi-Arabien kündigte jetzt an, seinen Output im Juni zusätzlich zu drosseln. Man werde eine weitere Million Barrel pro Tag vom Markt nehmen und im Juni nur noch etwa 7,5 Millionen Barrel pro Tag produzieren. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate zogen umgehend nach, kündigten Zusatzkürzungen um 80.000 Barrel pro Tag und 100.000 Barrel pro Tag an.

Wenngleich die Kürzungsbemühungen grundsätzlich bullish zu interpretieren sind, reagieren Marktteilnehmer verhalten. Man will zunächst beobachten, wie sich die Kürzungen auf die Versorgungslage auswirken und wie sich die Corona-Krise entwickelt. Somit bleibt das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Hoffnungsschimmern und einer möglichen zweiten Infektionswelle bestehen. Die Rohölpreise bewegen sich am Morgen entsprechend seitwärts nahe ihrer Einmonatshochs. WTI wird bei 24,66 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 29,99 US-Dollar. Die Heizölpreise haben sich in den vergangenen Tagen ebenfalls seitwärts bewegt. Hierzulande verharrten sie im Bereich ihrer Vierjahrestiefs, knapp oberhalb von 49 Euro. Heute legen die Preise wieder etwas zu und klettern über die 50-Euro-Marke. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 50,16 Euro. Obwohl die Heizölpreise im Vergleich zum Vortag um durchschnittlich einen Euro zugelegt haben, befinden sie sich weiterhin im Bereich ihrer Mehrjahrestiefs.

 

 

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