US-Ölbestände bewegen Rohölpreise abwärts

Auch die Einigung auf umfangreiche Produktionskürzungen kann die Abwärtsbewegung an den Terminbörsen nicht bremsen. Im Fokus liegen die vollen Öllager.

 

In Erwartung umfangreicher Produktionskürzungen ging es für die Rohölpreise Anfang des Monats aufwärts. Im Laufe der ersten Apriltage kletterten sie auf Dreieinhalbwochenhochs. Inzwischen ist der Preis für das US-Rohöl WTI wieder auf sein 18-Jahrestief abgesackt. Und das trotz beispielloser Kürzungsmaßnahmen der OPEC+. Ab Mai wollen die Ölproduzenten ihren Output um insgesamt 9,7 Millionen Barrel pro Tag kürzen. Hinzu kommen Kürzungsbeiträge der USA und anderer G20-Staaten. Die Maßnahme gilt zunächst bis Ende Juni und soll anschließend schrittweise zurückgefahren werden. Mit den historischen Kürzungen reagieren die Ölproduzenten auf die schwache Nachfrageentwicklung, die durch die Corona-Krise verstärkt wurde. Eine Preisrallye blieb nach der OPEC+-Einigung am Sonntag allerdings aus. Marktteilnehmer zeigen sich skeptisch hinsichtlich des Effekts der Produktionskürzungen. Man bezweifelt, dass sie in so kurzer Zeit umgesetzt werden können. Hinzu kommt, dass Experten für dieses Jahr mit einem starken Rückgang der Ölnachfrage rechnen. Die Energy Information Administration prognostizierte in ihrem Monatsbericht, die Nachfrage werde um 5,2 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen. Bei der International Energy Agency geht man indes von einem Rückgang um 9,3 Millionen Barrel pro Tag aus. Die bearishen Nachfrageprognosen verunsichern Marktteilnehmer ebenso wie die dieswöchigen Bestandsberichte.

US-Bestände wachsen trotz niedriger Raffinerieauslastung

Die US-Raffinerien fahren ihre Auslastung derzeit deutlich zurück. Nach Einschätzung des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) lag sie in der Vorwoche nur noch bei 69,1 Prozent. Dennoch wachsen die US-weiten Ölvorräte weiter. Bereits die zwölfte Woche in Folge sind die US-Rohölvorräte nun gestiegen, davon die dritte Woche in Folge sogar im zweistelligen Millionenbereich. Damit bestätigt das DOE die vorangegangenen Einschätzungen des American Petroleum Institute (API) in der Tendenz, übertraf sie allerdings noch. Das API hatte einen Anstieg der US-Rohölvorräte um 13,1 Millionen Barrel gemeldet. Laut DOE sind sie um 19,2 Millionen Barrel gewachsen. Auch in den Produktkategorien hat das DOE deutlichere Aufbauten verzeichnet als das API. Die Bestände an Destillaten seien um 6,3 Millionen Barrel gestiegen, während die Benzinvorräte um 4,9 Millionen Barrel ausgebaut worden seien.

Beide Bestandsberichte fallen klar bearish aus. Während die Nachfrageaussichten schwach sind, füllen sich die Öllager. Diese Entwicklung belastet die Rohölpreise am Morgen und lässt sie nachgeben. WTI wird bei 19,95 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 27,61 US-Dollar. Die Heizölpreise geben im Vergleich zum Vortag erneut nach. Seit Wochenbeginn sind sie bereits um durchschnittlich mehr als 18 Euro gesunken. Heute rutschen die Preise weiter in den Bereich ihrer Mehrjahrestiefs. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 51,24 Euro.

 

 

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