US-Ölvorräte verstärken Abwärtstrend der Ölpreise

Die Unruhen in Venezuela und die US-Ölsanktionen sind inzwischen eingepreist. Nun wenden sich Marktteilnehmer wieder Ölbeständen und Nachfrage zu.

 

Vor zwei Wochen hat sich Juan Guaidó zum Interimspräsidenten Venezuelas ernannt. Inzwischen haben ihn einige Staaten anerkannt, sprechen sich für Neuwahlen und einen Regimewechsel aus. Sowohl der politische Machtkampf als auch die im Zuge dessen verhängten US-Sanktionen sind am Ölmarkt bereits eingepreist. Zwar nehmen Ölexporte aus Venezuela ab, doch die Öllager sind noch immer gut gefüllt.

 

API: US-Ölbestände steigen weiter

In der vergangenen Woche sind die US-Ölvorräte gestiegen, wie aus den gestern bekannt gewordenen Bestandsdaten des American Petroleum Institute (API) hervorgeht. Der Rohölvorrat sei am stärksten ausgebaut worden. Hier hat das API einen Anstieg um 2,5 Millionen Barrel verzeichnet. Analysten hatten im Vorfeld zwar Aufbauten prognostiziert, allerdings um maximal 1,4 Millionen Barrel. Deutlicher als erwartet hat auch der US-Benzinbestand zugelegt. Waren Analysten im Vorfeld von einem Anstieg um bis zu 1,2 Millionen Barrel ausgegangen, wuchs der Kraftstoffvorrat laut API um 1,7 Millionen Barrel. Bei den Destillaten war man aufgrund der winterlichen Kältewelle indes von einem Bestandsrückgang um 1,9 Millionen Barrel ausgegangen. Doch das API meldet hier ebenfalls Aufbauten, wenn auch nur um 100.000 Barrel. Insgesamt bleibt der dieswöchige API-Report hinter den Markterwartungen zurück und fällt damit eindeutig bearish aus. Marktteilnehmer warten nun auf den Vergleichsbericht des US-Energieministeriums. Er enthält neben Bestandsdaten auch Details zu Importen, Exporten, Ölförderung und Nachfrage.

 

Venezuela: Marktöffnung mit Regimewechsel

Der von einigen EU-Mitgliedsstaaten und den USA anerkannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó plant für den Fall eines Regimewechsels die Öffnung des Ölmarkts. Das ließ er nach Berichten des Nachrichtensenders Bloomberg über seinen US-Gesandten Carlos Vecchio erklären. Demnach will Guaidó die Ölindustrie für private Unternehmen und ausländische Investoren öffnen. Bislang besteht ein Zwang zur Zusammenarbeit mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA. Diesen wolle Guaidó aufheben und die Ölförderung ankurbeln. Venezuela hatte 2017 noch 1,9 Millionen Barrel pro Tag gefördert. Innerhalb eines Jahres ging die Tagesförderung auf 1,1 Millionen Barrel zurück. Im Zuge des politischen Machtkampfs und der US-Sanktionen soll die venezolanische Ölförderung inzwischen deutlich unter die Marke von einer Million Barrel pro Tag gesunken sein.

Am Ölmarkt bestimmt das Spannungsfeld zwischen bedrohtem Angebot und vollen Öllagern die Preisbildung. Obwohl die OPEC ihren Output stärker drosselt als erwartet und immer weniger Öl aus Venezuela kommt, herrscht bislang keine Angebotsknappheit. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Nachfrage wegen des verlangsamten Wirtschaftswachstums nachlassen wird. So bewegt die überwiegend bearishe Impulslage die Rohölpreise am Morgen abwärts. WTI wird bei 53,48 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 61,76 US-Dollar. Der seit Wochenbeginn bestehende Abwärtstrend dauert an. Die Heizölpreise sind kurz davor, ihre vierte Woche im Seitwärtstrend abzuschließen. Seit Anfang Januar bewegen sie sich in einer Preisspanne von maximal zwei Euro kontinuierlich auf und ab. Gestern haben sie bei 68 Euro ihr Dreiwochenhoch erreicht. Heute rutschen sie wieder unter diese Schwelle. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl 67,98 Euro.

 

 

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