Venezuelas Machtkampf führt Ölpreise in Aufwärtstrend

Der Machtkampf zwischen venezolanischem Präsidenten und Opposition spitzt sich zu. Bürgerkrieg, Dialog oder Sanktionen könnten folgen.

 

Auch in dieser Handelswoche blieben die Bestandsberichte des American Petroleum Institute (API) und des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) hinter den Markterwartungen zurück. Beide meldeten einen umfangreichen Ausbau der US-Ölvorräte. Dennoch wird die internationale Marktversorgung als knapp eingeschätzt. Die iranische Ölproduktion geht sanktionsbedingt zurück, die OPEC kürzt zielstrebiger als erwartet und Produktionsausfälle in Libyen verknappen die Ölverfügbarkeit zusätzlich. Der politische Machtkampf in Venezuela könnte die Lage verschärfen, was die Rohölpreise immens stützt.

 

DOE bestätigt umfangreichen Bestandsausbau

Der gestern veröffentlichte Bestandsbericht des DOE bestätigt in weiten Teilen die Einschätzung des API vom Mittwoch. So hat auch das DOE in der vergangenen Woche einen umfangreichen Ausbau des US-Rohölvorrats verzeichnet. Um acht Millionen Barrel sei er gestiegen. Das API hatte einen Zuwachs um 6,6 Millionen Barrel gemeldet. Laut DOE haben die gesunkene Raffinerieauslastung und die unverändert rekordhohe US-Ölförderung ebenso zu dem Ausbau beigetragen wie der Rückgang der Exporte bei gleichzeitiger Zunahme der Importe. Auch die landesweiten Benzinbestände seien stärker gestiegen als von Analysten und API angenommen. Sie hätten in der Berichtswoche um 4,1 Millionen Barrel zugelegt. Einzig die US-Vorräte an Destillaten haben sich laut DOE überraschend bullish entwickelt. Aufgrund wetterbedingt gestiegener Nachfrage seien sie um 600.000 Barrel gesunken. Der Bedarfsanstieg ändert jedoch nichts daran, dass der DOE-Report am Markt bearish interpretiert wird.

 

Venezuela zwischen Bürgerkrieg und Dialog

In Venezuela bleibt die politische Lage angespannt, nachdem am Mittwoch eine oppositionelle Übergangsregierung Machtansprüche erhob. Der Vorsitzende der Nationalversammlung, Juan Guaidó, hatte sich zum Interimspräsidenten und die Präsidentschaft Nicolás Maduros für illegitim erklärt. Es folgten Massenproteste, die Todesopfer forderten. Das Präsident Maduro unterstützende Militär warnte anschließend vor einem Bürgerkrieg, der keine Lösung bringen werde. Nun haben Mexiko und Uruguay die konkurrierenden politischen Kreise zum Dialog aufgefordert. Maduro zeigte sich offen für Gespräche, die Stabilität und Frieden für alle Venezolaner garantieren könnten. Guaidó sagte in einem Interview, Straffreiheit sei für jeden denkbar, der bei der Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung helfe. Während die EU zu Neuwahlen aufrief, unterstützen die USA einen Regimewechsel. Um diesen zu fördern, erwägen die USA eine Verschärfung der Sanktionen gegen die venezolanische Ölindustrie. Der Machtkampf könnte somit direkten Einfluss auf die Ölversorgung nehmen.

Die USA importieren derzeit 350.000 bis 500.000 Barrel pro Tag aus Venezuela. Eine Verschärfung der Sanktionen könnte einen Importstopp nach sich ziehen, sodass die USA auf eigenes Öl zurückgreifen müssten. Dieses Szenario verschaffte der US-Referenzsorte WTI gestern starken Aufwind. Am Morgen befinden sich die Rohölpreise angesichts der unsicheren Lage in Venezuela im Aufwärtstrend. WTI wird bei 53,71 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 61,63 US-Dollar. Damit sind die Rohölpreise auf Einwochenhochs gestiegen. Am Heizölmarkt sind bereits seit zwei Wochen nur geringfügige Preisschwankungen zu verzeichnen. Heute befinden sich die Heizölpreise weiterhin nahe ihrer Fünfwochenhochs im Seitwärtstrend. Im Vergleich zum Vortag sind sie um 50 Cent gesunken und rutschen so zum ersten Mal seit einer Woche unter die Marke von 67 Euro. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 66,90 Euro.

 

 

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