Verhaltene Seitwärtstendenz der Ölpreise am Morgen

Das angespannte Verhältnis zwischen den USA und China könnte sich zuspitzen. Chinas Außenminister warnt sogar vor einem neuen Kalten Krieg.

 

Seit Anfang Mai haben die Rohölpreise deutlich zugelegt. Gestützt von Produktionskürzungen und Lockerungen der Corona-Maßnahmen kletterten die Referenzsorten auf Zweimonatshochs. Der Preis für das US-Rohöl WTI stieg in den vergangenen drei Wochen um 13 US-Dollar, während die Nordseesorte Brent etwa acht US-Dollar teurer wurde. Vor dem Wochenende bremste ein Blick nach China die Aufwärtsbewegung aus. Gespannt beobachteten Marktteilnehmer die Tagung des Nationalen Volkskongresses in Peking. Dort erklärte Ministerpräsident Li Keqiang überraschend, man verzichte dieses Jahr auf die sonst übliche Wachstumsprognose. Li zufolge liegt die Entscheidung in der Unsicherheit begründet, die aufgrund der Corona-Krise weltweit herrscht. Erstmals seit 30 Jahren gibt die chinesische Regierung keine wirtschaftliche Richtung vor. Vermutet wird, dass man die Erwartung eines möglichen Wirtschaftseinbruchs nicht öffentlich machen wollte. Neben dem Ausbleiben der Wirtschaftsprognose sorgte auch die Ankündigung neuer Gesetze für Aufsehen. Sie könnten das Verhältnis zwischen den USA und China zusätzlich belasten.

USA und China warnen sich gegenseitig

Im Rahmen des Nationalen Volkskongresses erwähnte Ministerpräsident Li Keqiang Sicherheitsgesetze für die Sonderverwaltungszonen Macau und Hongkong. Mit ihnen soll die nationale Sicherheit vor Ort gewahrt, „Separatismus und Subversion“ bestraft werden. In dem Gesetzentwurf ist zudem vorgesehen, dass chinesische Sicherheitsbehörden in die Sonderverwaltungszonen verlegt werden können. Beobachter sehen hierin eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Regionen. In Hongkong kam es am Wochenende bereits zu Protesten und auch aus anderen Ländern ist Kritik zu hören. Die USA drohen mit Sanktionen, sollte China das Gesetz umsetzen. Kurz zuvor hatte sich China bereits mit warnenden Worten an die USA gewendet. Außenminister Wang Yi betonte, im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kursierten Lügen und Verschwörungen. China sei ein Opfer, das ebenso wie der Rest der Welt von der Pandemie überrascht worden sei und dennoch verantwortlich reagiert habe. Wissenschaftliche Untersuchungen müssen Wang zufolge nun unter Leitung der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt werden. In diesem Sinne sei auch eine Kooperation mit den USA wichtig. Derzeit bestehe allerdings vielmehr die Gefahr vor einem neuen Kalten Krieg.

Stetige Erholung der Ölnachfrage erwartet

Nach dem jüngsten Monatsreport der International Energy Agency (IEA) gehen Marktteilnehmer von einer schrittweisen Erholung der Ölnachfrage aus. Wurden noch im April 25,2 Millionen Barrel pro Tag weniger nachgefragt als im Vorjahr, blieb die Nachfrage im Mai nur noch 21,5 Millionen Barrel pro Tag hinter ihrem Vorjahresniveau zurück. Für Juni geht die IEA von einem Nachfragerückgang um nur noch 13 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum Vorjahr aus. Der Anstieg der Ölnachfrage zeigt sich bereits in der steigenden Raffinerieauslastung sowie dem Abbau schwimmender Lager. In der vergangenen Woche sind laut dem Informationsdienstleister Genscape die Vorräte auf Öltankern um sieben Prozent geschrumpft. Die Rohölpreise befinden sich am Morgen im Spannungsfeld zwischen positiven Nachfrageaussichten und angespanntem Verhältnis zwischen den USA und China. Entsprechend orientieren sie sich nahe ihrer Zweimonatshochs seitwärts. WTI wird bei 33,48 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 35,17 US-Dollar. Die Heizölpreise haben über das Wochenende wieder etwas nachgegeben. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 48,42 Euro.

 

 

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