Woche beginnt mit Rohölpreisen auf 21-Jahrestief

Zu Wochenbeginn richten Marktteilnehmer ihre Blicke in die USA. Dort erwartet man Lieferungen aus Saudi-Arabien, während sich die Lager bereits füllen.

 

Eine Woche ist es her, dass sich die Ölproduzenten der OPEC+ auf eine koordinierte Produktionsstrategie geeinigt haben. Waren die Gespräche Anfang März noch gescheitert, entschied man sich nun für zweimonatige Kürzungen um 9,7 Millionen Barrel pro Tag. Die anhaltende Corona-Krise, pessimistische Nachfrageausblicke und schwindende Lagerkapazitäten hatten den Druck zuvor erhöht. Marktteilnehmer rechneten fest mit einer Reaktion der Ölproduzenten, welche die Überversorgung eindämmen sollte. Doch der Sinkflug der Rohölpreise ließ sich nur kurzfristig ausbremsen. Der Preis für die Nordseesorte Brent liegt auf seinem Monatstief, während sich der WTI-Preis im freien Fall befindet. Das US-Rohöl ist seit Aprilbeginn etwa 15 US-Dollar pro Barrel günstiger geworden. Vor dem Wochenende bewegte sich WTI nur knapp oberhalb von 18 US-Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Direkt zu Beginn der neuen Woche rutscht WTI um weitere drei US-Dollar ab. Der Preis für das US-Rohöl liegt am Montagmorgen unterhalb von 15 US-Dollar. So niedrig war das Preisniveau zuletzt vor 21 Jahren. Momentan kommt eine Vielzahl bearisher Impulse zusammen. Unter Marktteilnehmern sorgen insbesondere die vollen Öllager für Anspannung.

US-Öllager vor Rekordauslastung

Sowohl das American Petroleum Institute als auch das US-amerikanische Department of Energy (DOE) haben in den vergangenen Wochen deutliche Anstiege der US-weiten Rohölvorräte verzeichnet. Woche für Woche seien die Bestände um zweistellige Millionenbeträge gewachsen. Zuletzt hat das DOE einen Anstieg der Rohölvorräte um 19,2 Millionen Barrel gemeldet. Die kontinuierlichen Anstiege schlagen sich auch in Cushing nieder, dem zentralen Lager- und Umschlagort für Öl in den USA. Dort waren die Lager vor vier Wochen zu 49 Prozent ausgelastet. Inzwischen sind 69 Prozent der Lagerkapazitäten in Cushing gefüllt. Der Ort im US-Bundesstaat Oklahoma bietet Platz für 77 Millionen Barrel. Steigen die Bestände im aktuellen Tempo weiter, könnten laut Beobachtern bereits in drei Wochen 70 Millionen Barrel in Cushing eingelagert sein. Die Aussicht auf schwindende Lagerkapazitäten rückt vor allem wegen der erhöhten Importaktivität der USA in den Marktfokus.

USA erwarten weitere Lieferungen aus Saudi-Arabien

Nachdem die Allianz der OPEC+ Anfang März zunächst auseinandergebrochen ist, stieg Saudi-Arabien in den Preiskampf ein und senkte die Ölpreise für Bestellungen in viele Regionen. Auch die USA nutzten das niedrige Preisniveau für Bestellungen. Für die Monate April und Mai erwarten Analysten daher einen Anstieg der US-Ölimporte auf ein neues Rekordhoch. Nach Angaben des Informationsdienstleisters Kpler sind derzeit zwanzig Öltanker von Saudi-Arabien aus unterwegs in die USA. Beladen seien sie mit jeweils zwei Millionen Barrel. Marktteilnehmer beobachten nun, welchen Effekt die bevorstehenden Importe in den nächsten Wochen auf die US-Öllager haben werden. Am Morgen bleibt die Stimmung an den Terminbörsen bearish. Die Referenzsorten orientieren sich abwärts. WTI wird bei 14,87 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 27,29 US-Dollar. Die Heizölpreise haben sich in den vergangenen zwei Wochen auf und ab bewegt. Mal lagen sie auf Jahreshochs, mal lagen sie im Bereich ihrer Mehrjahrestiefs. Vor dem Wochenende pendelten sich die Preise zwischen diesen Niveaus knapp oberhalb von 64 Euro ein. Am Wochenende sind sie wieder abgesackt. Um durchschnittlich zehn Euro haben die Preise hierzulande nachgegeben. Zu Beginn der neuen Woche bleiben sie unverändert. Wie bereits in den vergangenen Tagen kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 54,35 Euro.

 

 

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