Abwärtsbewegung der Rohölpreise von Viermonatshochs

Eine überraschende Nachfrageprognose hat die Rohölpreise vor dem Wochenende auf Viermonatshochs befördert, doch heute geht es direkt wieder bergab.

 

In der vergangenen Woche konnten sich die Rohöl-Futures zunächst auf Viermonatshochs halten. WTI bewegte sich knapp unterhalb der 41 US-Dollar, während Brent oberhalb von 43 US-Dollar gehandelt wurde. Nach mehrtägigem Seitwärtstrend war die Wochenmitte geprägt von einer Abwärtsbewegung der Rohölpreise. Um etwa einen US-Dollar sackten WTI und Brent im Laufe des Donnerstags ab. Auslöser war der Bestandsbericht des US-Energieministeriums. Nach Einschätzung des Ministeriums sind die US-Rohölvorräte zuletzt um 5,7 Millionen Barrel gewachsen. Derzeit befänden sie sich 18 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Marktteilnehmer interpretierten die Entwicklung der Rohölvorräte als Zeichen für eine weiterhin schwache Ölnachfrage. Auch der Blick auf die rekordhohe Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA löste unter Marktteilnehmern Beunruhigung aus. Vor dem Wochenende war dann ein Stimmungswechsel zu beobachten. War die Impulslage zuvor leicht bearish, zeigten sich Anleger und Analysten nach einem Report der International Energy Agency (IEA) zuversichtlich. Für das Jahr 2020 erwartet die IEA eine tägliche Ölnachfrage von 92,1 Millionen Barrel. Die Vormonatsprognose wurde damit um 400.000 Barrel pro Tag nach oben korrigiert. Dass sich die Ölnachfrage erholt, könnte die OPEC+ zur Lockerung ihrer Kürzungsmaßnahmen bewegen.

OPEC+ entscheiden über gemeinsame Produktionsstrategie

Bis Ende Juli haben die Produzenten der OPEC+ ihre Produktionskürzungen vor einigen Wochen verlängert. In den nächsten Tagen wird das mit der Auswertung der Kürzungseffekte betraute Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC) Bilanz ziehen. Auf Grundlage der Empfehlung des JMMC wird dann eine Entscheidung der OPEC+ über die Zukunft der Kürzungsmaßnahmen erwartet. Angesichts der überraschend bullishen Nachfrageprognose der IEA spekuliert man an den Terminbörsen über Lockerungen der Produktionskürzungen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass das JMMC eine Produktionssteigerung empfehlen wird. Im Raum steht, den gemeinsamen Output ab August nicht mehr um 9,6 Millionen Barrel pro Tag zurückzufahren, sondern nur noch um 7,7 Millionen Barrel pro Tag. Ursprünglich war vorgesehen, die Kürzungsmaßnahmen nur bis Ende Juni beizubehalten und die Produktion anschließend schrittweise wieder hochzufahren.

Entsprechend gespannt blicken Marktteilnehmer auf die bevorstehende Entscheidung der OPEC+. Im Vorfeld gilt die Einigung auf eine Steigerung der Produktion aus wahrscheinlich. Medienberichten zufolge stellt sich Russland bereits darauf ein, die Produktion anzukurbeln. Informanten berichten, man habe keine Anordnung des Energieministeriums bekommen und bereite daher die reguläre Steigerung des Outputs vor. Bei weltweit weiterhin steigenden Corona-Infektionszahlen wird die voraussichtliche Produktionssteigerung der OPEC+ bearish interpretiert. Zu ungewiss ist die tatsächliche Entwicklung der Ölnachfrage. Vor diesem Hintergrund orientieren sich die Rohölpreise am Morgen von ihren Viermonatshochs abwärts. WTI wird bei 40,12 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 42,81 US-Dollar. Die Heizölpreise bewegen sich seitwärts, nachdem sie am Wochenende unter die Marke von 48 Euro gerutscht sind. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 47,51 Euro.

 

 

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