Abwärtsbewegung der Rohölpreise von Zweimonatstiefs

Bis ins nächste Jahr hinein ist mit einer mäßigen Ölnachfrage zu rechnen. Darauf deuten Einschätzungen aus Saudi-Arabien und Russland zum Wochenstart hin.

 

In den USA wird am heutigen Montag der Labor Day gefeiert. Das lange Wochenende Anfang September markiert für gewöhnlich das Ende der sommerlichen Fahrsaison. Denn mit den Sommermonaten klingen Ferien- und Ausflugszeit langsam aus. Zu Beginn der neuen Handelswoche blicken Marktteilnehmer daher auf die Nachfrageentwicklung der vergangenen Monate zurück. Im Mittelpunkt der Auswertung steht die Kraftstoffnachfrage. Unter Berücksichtigung der Daten aus den USA kommen Analysten zu dem Schluss, dass es in diesem Sommer keine typische Fahrsaison gegeben hat. Im Zuge der Corona-Pandemie war die Nachfrage im Frühjahr eingebrochen, hat sich allerdings im Laufe der Vormonate nicht wieder erholt. Die bis heute schwachen Nachfrageaussichten spiegeln sich auch in der Preispolitik Saudi-Arabiens wider. Das staatliche Ölunternehmen Saudi Aramco hat seine Preise für Lieferungen im Oktober so stark gesenkt wie seit Monaten nicht mehr.

Saudi-Arabien senkt Ölpreis für Oktober-Lieferungen

Am Wochenende hat das saudi-arabische Ölunternehmen Saudi Aramco seine Verkaufspreise für Oktober-Lieferungen bekannt gegeben. Das staatliche Unternehmen kündigte die stärkste Preissenkung seit Monaten an. Bestellungen mit Lieferung im Oktober werden für Abnehmer in Asien, in den USA und in Europa günstiger. Asiatische Kunden erwartet eine Preissenkung um 1,40 Dollar pro Barrel der Rohölsorte Arabian Light. Derzeit liegt das saudi-arabische Rohöl preislich etwa 50 Cent unter dem Referenzpreis für den asiatischen Markt, dem sogenannten „Dubai/Oman-Average“. Analysten gehen davon aus, dass Saudi-Arabien mit der Preissenkung insbesondere den Ölverkauf nach China fördern möchte. Gleichzeitig sehen Marktteilnehmer in den niedrigen Verkaufspreisen ein Anzeichen für eine weltweit unverändert schwache Ölnachfrage. Saudi-Arabien scheint auch in den nächsten Monaten nicht mit einer Nachfrageerholung zu rechnen.

Russland dämpft Hoffnung auf stabilen Ölmarkt

Während die Analysten von Goldman Sachs zuversichtlich in die nächsten Monate blicken, fällt Russlands Ausblick weitaus verhaltener aus. Bei der Großbank Goldman Sachs rechnet man bis zum dritten Quartal 2021 mit einer Stabilisierung des Ölmarktes. Innerhalb eines Jahres ist demnach ein Anstieg des Brent-Preises auf 65 US-Dollar zu erwarten. Derzeit wird die Nordseesorte mehr als 20 US-Dollar unterhalb dieses Niveaus gehandelt. Entsprechend skeptisch zeigte sich Russlands Energieminister Alexander Nowak in Reaktion auf die Prognose von Goldman Sachs. Nowak geht davon aus, dass sich die Rohölpreise 2021 in einer Preisspanne von 50 bis 55 US-Dollar bewegen werden. Zudem sei weiterhin mit einem volatilen Markt zu rechnen, der sich mit Hochs und Tiefs konfrontiert sehe. Nowak zufolge wird sich die Ölnachfrage langsamer erholen als in den vergangenen Monaten. Die Ölnachfrage bleibe wegen weniger Geschäftsreisen und weniger Pendelverkehr gering. In diesem Jahr wird die Ölnachfrage laut Nowak etwa neun bis zehn Millionen Barrel pro Tag hinter ihrem Vorjahresniveau zurückbleiben.

Sowohl aus Saudi-Arabien als auch aus Russland erhalten Marktteilnehmer somit Hinweise auf eine langfristig schwache Ölnachfrage. Diese Aussicht ließ die Rohölpreise bereits vor dem Wochenende auf Fünfwochentiefs fallen. In die neue Handelswoche starten die Referenzsorten auf Zweimonatstiefs. Am Morgen wird WTI bei 39,16 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 42,05 US-Dollar. Die Heizölpreise sind vor dem Wochenende um fast drei Euro gefallen. Damit haben sie hierzulande neue Mehrjahrestiefs erreicht. Über das Wochenende sind die Preise wieder etwas gestiegen. Um etwa einen Euro haben sie in den vergangenen Tagen zugelegt. Heute verharren sie unverändert auf dem Niveau der Vortage. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl 43,44 Euro.

 

 

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