API-Report hält Rohölpreise auf Viermonatshochs

Überraschend deutlich verringerte US-Rohölvorräte und die bevorstehende Strategieempfehlung des JMMC stehen heute im Marktfokus an den Terminbörsen.

 

Der Juli ist an den Terminbörsen bislang geprägt von einer konstanten Seitwärtsbewegung der Rohölpreise. WTI orientiert sich seit Monatsbeginn an der Marke von 40 US-Dollar. Die Nordseesorte Brent wird stets im Bereich der 43 US-Dollar gehandelt. Anleger und Analysten hoffen trotz hoher Zahl der weltweiten Corona-Neuinfektionen auf eine rasche wirtschaftliche Erholung. Auch das derzeit geringe Ölangebot stützt die Rohölpreise maßgeblich. In Libyen wirken sich der anhaltende Bürgerkrieg sowie der Machtkampf zwischen der Regierung in Tripolis und der Libyan National Army auf die Entwicklung der Ölindustrie aus. Immer wieder wird von Blockaden diverser Ölfelder und einem erneuten Force Majeure für Exporte berichtet. Die Einschränkungen spiegeln sich deutlich in den Produktionszahlen des OPEC-Mitgliedsstaats wider. Produzierte Libyen noch im Dezember 2019 täglich 1,1 Millionen Barrel, waren es im Juni 2020 nur noch etwa 90.000 Barrel pro Tag. Einen zusätzlichen, freiwilligen Rückgang des weltweiten Ölangebots bewirken seit Mai die Produzenten der OPEC+. Entsprechend gespannt blicken Marktteilnehmer der heutigen Empfehlung des Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC) entgegen, das für Marktanalysen und die Auswertung der Kürzungsmaßnahmen zuständig ist.

Empfehlung des JMMC für heute erwartet

Nach dreimonatigen Kürzungen könnten die Produzenten der OPEC+ ihren Output ab August wieder ankurbeln. Eine entsprechende Empfehlung des JMMC wird für den heutigen Mittwoch erwartet. Als wahrscheinlich gilt, dass das JMMC ab August eine Produktionssteigerung um etwa zwei Millionen Barrel pro Tag empfehlen wird. Haben die OPEC+ ihren Output bislang um 9,6 Millionen Barrel zurückgefahren, könnte ab August eine Drosselung um maximal 7,7 Millionen Barrel pro Tag umgesetzt werden. Vorangegangen ist dem heutigen JMMC-Meeting eine Beratung des Joint Technical Committee (JTC). Analysiert wurden die aktuelle Marktsituation und die Einhaltungsquoten der Produzenten. Wie das JTC festhielt, war in den vergangenen Monaten eine Überproduktion in Angola, Nigeria, Kasachstan und im Irak zu verzeichnen. Nach Berechnung des JTC lag die Mehrproduktion im Mai und Juni bei 842.000 Barrel pro Tag. Sollte diese Mehrproduktion in den nächsten Monaten vollständig ausgeglichen werden, würde dies den Effekt einer offiziellen Anhebung der OPEC+-Produktion abschwächen. Vor Bekanntwerden der JMMC-Empfehlung herrscht daher unter Marktteilnehmern eine gewisse Gelassenheit.

API meldet starken Rückgang der US-Rohölvorräte

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Bestände an Rohöl und Benzin deutlicher verkleinert worden als angenommen, während bei den Destillaten Aufbauten zu verzeichnen waren. Das geht aus den gestern Abend bekannt gewordenen Einschätzungen des American Petroleum Institute (API) hervor. Hatte man zuvor einen Rückgang der Rohölvorräte um maximal 2,3 Millionen Barrel erwartet, sind sie laut API um 8,3 Millionen Barrel eingebrochen. Die Bestände im zentralen Lagerort Cushing seien allerdings um 600.000 Barrel und damit leicht gestiegen. Wie die Entwicklung der US-weiten Rohölvorräte fällt auch der Blick auf die Benzinbestände bullish aus. Dem API zufolge sind die US-Benzinvorräte in der Vorwoche um 3,6 Millionen Barrel verkleinert worden. Ausgegangen waren Anleger und Analysten von Abbauten um maximal 900.000 Barrel. Einzig die Bestandsdaten zu den Mitteldestillaten enttäuschen, meldet das API doch einen Ausbau um drei Millionen Barrel.

Die Aussicht auf ein trotz Produktionssteigerung der OPEC+ voraussichtlich geringes Ölangebot stützt die Rohölpreise am Morgen. Auch die unerwartet starken Abbauten bei den US-Rohölvorräten wirken bullish. Die Referenzsorten bewegen sich daher im Bereich ihrer Viermonatshochs leicht aufwärts. WTI wird bei 40,45 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 43,04 US-Dollar kostet. Für die Heizölpreise geht es indes abwärts weiter. Heute fallen sie auf Sechswochentiefs. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl 47,06 Euro.

 

 

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