Aufwärtstendenz der Rohölpreise nahe Hochs

Überraschend bullish fiel gestern der US-Bestandsbericht des API aus. Er lässt die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle etwas in den Hintergrund rücken.

 

Wenig Bewegung ist derzeit an den Terminbörsen zu beobachten. Seit die Rohölpreise vor einer Woche auf Dreieinhalbmonatshochs geklettert sind, kehren sie zu Handelsschluss Tag für Tag dorthin zurück. Klare Auf- oder Abwärtsbewegungen konnten sich zuletzt nicht durchsetzen. Grund ist das anhaltende Spannungsfeld zwischen der Hoffnung auf eine Erholung und der Sorge vor einer zweiten Infektionswelle. Zu Wochenbeginn hatten positive Wirtschaftsdaten aus China eine stützende Wirkung auf die Rohölpreise. Laut jüngstem Einkaufsmanagerindex des chinesischen Statistikamts stehen die Zeichen sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor auf Wachstum. Weniger zuversichtlich stimmte die Einschätzung des OPEC-Generalsekretärs, die Stabilisierung des Ölmarktes werde voraussichtlich ein langjähriger Prozess. Mohammed Barkindo zufolge werden die nachfrage- und kürzungsbedingt stark gewachsenen Ölbestände erst in einigen Jahren wieder auf ihr Vorkrisenniveau zurückgehen. Aus den USA kommen vor diesem Hintergrund überraschend bullishe Bestandsdaten. Das American Petroleum Institute (API) meldete für die Vorwoche einen deutlichen Rückgang der US-Rohölvorräte.

API verzeichnet starke Abbauten bei US-Rohölvorräten

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Vorräte an Rohöl und Benzin überraschend deutlich gesunken, während die Bestände an Destillaten erneut gewachsen sind. Das geht aus den gestern Abend veröffentlichten Einschätzungen des API hervor. Analysten waren im Vorfeld von einem Rückgang der US-Rohölvorräte um bis zu eine Million Barrel ausgegangen. Das API meldete nun allerdings Abbauten um 8,2 Millionen Barrel. Marktteilnehmer vermuten dahinter jedoch keinen plötzlichen Anstieg der Nachfrage. Vielmehr könne die Bestandsverkleinerung auf stark rückläufige Ölimporte zurückzuführen sein. Für einen kleinen Nachfrageschub spricht indes der Rückgang der Benzinvorräte. Analysten hatten einen Abbau um maximal 1,6 Millionen Barrel prognostiziert, während das API von einem Rückgang um 2,5 Millionen Barrel ausgeht. Bearish ist einzig die Entwicklung der Bestände an Destillaten. Im Vorfeld waren leichte Abbauten um etwa 200.000 Barrel erwartet worden. Laut API sind die US-weiten Vorräte an Destillaten jedoch um 2,6 Millionen Barrel gestiegen. Marktteilnehmer warten nun auf den Vergleichsreport des US-Energieministeriums, der am Nachmittag veröffentlicht wird.

US-Immunologe Fauci äußert erneut Sorge

Bereits in der Vorwoche hatte sich US-Immunologe Anthony Fauci angesichts steigender Corona-Infektionszahlen besorgt gezeigt. Gleichzeitig war er vorsichtig optimistisch, dass es ab Jahresende einen Impfstoff geben könnte. Vor einem US-Senatsausschuss fand Fauci gestern warnende Worte. Sollten einige Bundesstaaten weiterhin rekordhohe Corona-Neuinfektionen melden, könne die US-weite Zahl der Neuinfektionen durchaus auf über 100.000 steigen. Er sei sehr besorgt, man bewege sich derzeit in die falsche Richtung. Nach Einschätzung von Fauci werden die USA weiterhin große Probleme haben, solange man sich nicht an Vorgaben wie Abstände und das Tragen von Masken hält.

Am Morgen steht der überraschend bullishe Bestandsreport des API im Marktfokus. Entsprechend orientieren sich die Rohölpreise im Bereich ihrer Dreieinhalbmonatshochs aufwärts. WTI wird bei 39,97 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 41,94 US-Dollar. Vor einem Monat sind die Heizölpreise im Bereich ihrer Jahreshochs in den Juni gestartet. Im Monatsverlauf sackten sie um durchschnittlich fast zwanzig Euro ab. Lagen sie zu Junibeginn noch nahe der 70-Euro-Marke, beendeten sie den Monat gestern unter der 49-Euro-Schwelle. Im Vergleich zum Vortag legen die Heizölpreise heute um etwa einen Euro zu. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 49,29 Euro.

 

 

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