Aufwärtstendenz der Rohölpreise von Vierwochentiefs

Differenzen innerhalb der OPEC+ und saisonal schwache Nachfrageaussichten dämpfen die Marktstimmung vor dem Wochenende und drücken die Ölpreise.

 

Im Bereich ihrer Fünfeinhalbmonatshochs sind die Rohölpreise vor wenigen Tagen in den September gestartet. Das US-Rohöl WTI hat sich nahe der 43 US-Dollar bewegt, Brent ist oberhalb von 45 US-Dollar gehandelt worden. Einen stützenden Effekt hatte der sturmbedingte Einbruch der Ölproduktion im Golf von Mexiko. Mehr als 80 Prozent der dortigen Produktion waren zwischenzeitlich lahmgelegt worden. Doch nach Abziehen der Hurrikans „Marco“ und „Laura“ zeigte sich eine rasche Erholung der Produktionszahlen. Inzwischen sind nur noch 20 Prozent der Ölproduktion im Golf von Mexiko stillgelegt. Die Aussicht auf ein zügiges Hochfahren der Produktion und entsprechende Mehrmengen am Markt schüren unter Anlegern Sorge vor einem starken Angebotsüberschuss. Denn für die nächsten Wochen erwarten Marktteilnehmer einen Rückgang der Ölnachfrage.

Saisonale Wartung der Raffinerien steht bevor

Im Herbst führen Raffineriebetreiber für gewöhnlich Wartungsarbeiten an ihren Anlagen durch. Da in der Zeit weniger Rohöl verarbeitet wird, geht mit den saisonalen Wartungen ein vorübergehender Einbruch des Rohölbedarfs einher. Marktteilnehmer zeigen sich besorgt, dass die zeitweise Stilllegung der Ölverarbeitung in diesem Jahr zu einem deutlichen Angebotsüberschuss führen könnte. Schließlich ist die weltweite Ölnachfrage noch immer niedrig, wie Daten aus Indien und Südkorea jüngst zeigten. Zudem warnen Anleger und Analysten, die Raffinerieauslastung könne nach Abschluss der Wartungsarbeiten weit hinter ihrem üblichen Niveau zurückbleiben. Bei den derzeit schwächsten Gewinnmargen seit zehn Jahren sei es möglich, dass einige Raffinerien ihre Produktion so lange einstellen, bis sich attraktivere Konditionen durchgesetzt hätten. Eine solche Strategie würde die Ölnachfrage mittelfristig niedrig halten.

Irak erwägt Rückzug aus Kürzungsabkommen

Gemeinsam mit Nigeria zählt der Irak zu den OPEC-Mitgliedern, die bei der Einhaltung vereinbarter Produktionskürzungen hinterherhinkten. Trotz Kürzungsabkommen im Rahmen der OPEC+ förderten beide Länder auch seit Mai 2020 mehr als festgelegt. Der Irak sagte daher vor einigen Wochen zu, diese Mehrmengen durch zusätzliche Produktionskürzungen um 400.000 Barrel pro Tag auszugleichen. Umgesetzt hat das OPEC-Mitglied im August allerdings nur Zusatzkürzungen um 166.000 Barrel pro Tag. Nun heißt es aus irakischen Regierungskreisen, man werde die Mehrproduktion der Vormonate auch im September nicht vollständig kompensieren können und benötige mehr Zeit. Zudem soll der Irak planen, sich 2021 aus dem Kürzungsabkommen der OPEC+ auszuklinken.

Während aus OPEC-Kreisen somit Produktionssteigerungen zu erwarten sind, wird sich die Ölnachfrage während der saisonalen Wartungszeit nicht erholen. Diese Kombination bearisher Impulse hat die Rohölpreise zur Wochenmitte einbrechen lassen. Selbst die vom American Petroleum Institute und dem US-Energieministerium gemeldeten starken Abbauten bei den US-Ölvorräten konnten die Rohölpreise nicht maßgeblich stützen. Beide Referenzsorten bewegen sich derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit drei bis vier Wochen. WTI wird am Morgen bei 41,65 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 44,28 US-Dollar. Die Heizölpreise haben sich wochenlang im Bereich ihrer Mehrjahrestiefs gehalten. Nach dem jüngsten Einbruch der Rohölpreise sacken auch sie heute deutlich ab. Im Vergleich zum Vortag geben die Heizölpreise hierzulande um durchschnittlich fast drei Euro nach. Damit erreichen sie ein neues Mehrjahrestief. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 42,57 Euro.

 

 

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