Leichte Abwärtsbewegung der Rohölpreise am Morgen

Mit dem Monatswechsel am Wochenende werden die Produzenten der OPEC+ ihren Output steigern, obwohl die weltweiten Lager gut gefüllt sind.

 

Zu Wochenbeginn war die Impulslage an den Terminbörsen überwiegend bearish. Weltweit hohe Neuinfektionszahlen und diplomatische Spannungen zwischen den USA und China belasteten die Marktstimmung. In einigen Ländern mehren sich Hinweise auf eine zweite Corona-Infektionswelle. So hat etwa China zuletzt 61 Neuinfektionen innerhalb eines Tages verzeichnet, was der höchsten Zahl seit April entspricht. An den Märkten sorgen insbesondere die bevorstehenden wirtschaftlichen Auswirkungen einer zweiten Infektionswelle für Verunsicherung. Im möglichen Wiederaufflammen des US-chinesischen Handelsstreits sehen Marktteilnehmer eine zusätzliche Gefahr für die Weltwirtschaft. Und doch verharren die Rohölpreise seit mehr als zwei Wochen im Seitwärtstrend. Auch den gestrigen Handelstag schloss WTI oberhalb von 41 US-Dollar ab, während Brent zu Handelsschluss über 43 US-Dollar kostete. Dass sich die Rohöl-Futures trotz bearisher Impulslage auf hohen Niveaus halten, liegt insbesondere am derzeit schwachen US-Dollar. Der weckt das Kaufinteresse an in US-Dollar gehandeltem Rohöl, was die Preise maßgeblich stützt.

Lockerung der OPEC+-Kürzungen steht bevor

In wenigen Tagen werden die Produzenten der OPEC+ ihre Kürzungsmaßnahmen lockern. Ab August liegt die tägliche Kürzungsmenge nicht mehr bei 9,6 Millionen Barrel, sondern bei nur noch 7,7 Millionen Barrel. Das entspricht einer Produktionssteigerung um insgesamt etwa zwei Millionen Barrel pro Tag. Zwar gaben Saudi-Arabien und Russland bereits Entwarnung, die Mehrmengen würden nicht auf dem internationalen Markt landen. Vielmehr benötige man das zusätzliche Öl, um den inländischen Bedarf zu decken. Dennoch bleiben Marktteilnehmer skeptisch. Angesichts der anhaltenden Pandemiesituation und zweiter Infektionswellen in einigen Ländern rechnen Anleger und Analysten nicht mit einer baldigen Erholung der Ölnachfrage. Abzulesen ist dies auch an der Entwicklung des internationalen Flugverkehrs. So geht man bei der Fluggesellschaft Ryanair davon aus, dass die Fluggastzahlen im laufenden Geschäftsjahr bis März 2021 auf 60 Millionen zurückgehen werden. Beobachter waren im Vorfeld davon ausgegangen, dass die Zahl der Passagiere bei 74 Millionen liegen wird. Der Ausblick von Ryanair fällt somit enttäuschend aus, doch eine zweite Infektionswelle könnte den Flugverkehr noch stärker einschränken. Ryanair-Chef Michael O’Leary betonte, eine zweite Welle sei derzeit die „größte Angst“.

Schwimmende Ölvorräte deutlich über Vorjahresniveau

Bei pandemiebedingt nachlassender Ölnachfrage wurde in den vergangenen Monaten vermehrt Öl eingelagert. Wegen begrenzter Lagerkapazitäten an Land griff man auch auf die mobile Lagerung in Öltankern zurück. Bis heute wird deutlich mehr Öl auf dem Wasser gelagert als im vergangenen Jahr, wie die Financial Post mit Verweis auf Schiffsdaten berichtet. Demnach liegt die Ölmenge in schwimmenden Lagern 244 Prozent über dem Vorjahresniveau. Vor dem Hintergrund dieser Einschätzung scheint die Angebotssituation weiterhin komfortabel, was die Skepsis gegenüber der Produktionssteigerung der OPEC+ verstärkt. Die Rohölpreise orientieren sich am Morgen entsprechend von ihren Vortagesniveaus abwärts. WTI wird bei 41,29 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 43,33 US-Dollar. Die Heizölpreise verharren auch heute in ihrem Seitwärtstrend. Bereits seit Anfang Juni besteht wenig Bewegungsspielraum. Hierzulande orientieren sich die Preise mit geringfügigen Schwankungen zwischen 46 und 50 Euro. Im Vergleich zum Vortag geben sie um durchschnittlich zwanzig Cent nach. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 46,32 Euro.

 

 

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