Nachfragesituation auf europäischem Markt bereitet weiter Sorgen

Die Ölpreise haben weiter mit der Corona-Pandemie und einigen geopolitischen Spannungen zu kämpfen. Mit einer baldigen Nachfrageerholung ist daher noch nicht zu rechnen.

In einigen europäischen Ländern sind verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie über Ostern beschlossene Sache. Italien hatte bereits Mitte März einen Oster-Lockdown angekündigt, um eine ähnlich dramatische Lage wie vor einem Jahr zu verhindern. Und auch die Bundesrepublik machte auf dem montäglichen Corona-Gipfel Nägel mit Köpfen. Der Lockdown wird in Deutschland bis zum 18. April verlängert. Ferner soll die beschlossene Notbremse bei einem drei Tagen in Folge mit einem Inzidenzwert von über 100 konsequenter umgesetzt werden.

Der Beschluss der Bundesregierung und auch Meldungen aus den USA, dass die Bundesstaaten New Jersey und New York planen, die Corona-Lockerungen temporär auszusetzen, bestätigten den von den Marktteilnehmern über die letzten Wochen bereits befürchteten negativen Trend bei der Nachfragesituation und sind bedeutende Gründe, weshalb die Kurse der Ölfutures weiterhin gefallen sind. Brent handelt daher leicht (-0,2) unter dem Vortagsniveau bei 63,9 USD/B. WTI präsentiert sich etwas stabiler und liegt +0,4 über dem Schlusskurs von Montag bei 61,6 USD/B. Der Heizölpreis beläuft sich im Bundesdurchschnitt auf 64,80 Euro je 100 Liter, was 0,3 % günstiger ist als am Vortag, wo ein Liter noch 65,0 ct/l kostete.  Im Wochenvergleich ist der Heizölpreis um 4 % gefallen.

OPEC+ wird Strategie überdenken

Die aktuelle schleppende Nachfrage wird auch ein Faktor sein, wenn die Mitglieder der OPEC+-Allianz ihre Produktionsstrategie überdenken. Dies soll am 1. April erfolgen. Die Mitgliedsstaaten Nigeria und Angola hatten zuletzt Schwierigkeiten, ihr Rohöl an den Markt zu bringen. Das staatliche nigerianische Ölunternehmen NNPC senkte ihre Verkaufspreise (OSPs) für die April-Lieferungen der Rohölsorten Bonny Light und Qua Iboe. Angola hat laut Berichten bisher für einige geplante Rohölexporte noch keine Käufer gefunden. Experten glauben, dass die OPEC+ ihre Produktionskürzungen nicht nach unten anpassen wird.

Die Tanks in den USA füllen sich zeitgleich nach und nach wieder, nachdem eine Kältewelle im Februar viele Anlagen lahmgelegt hatte. Die ersten Prognosen für diese Woche liegen zwischen einem erneuten Anstieg der Rohölvorräte um 1,2 Millionen Barrel und einem Rückgang um 0,9 Millionen Barrel. Der Raffineriesektor konnte seine Produktion in der vergangenen Woche um 3,2 % steigern.

Saudi-Arabien bittet USA um Hilfe- Iran spielt eine Rolle

Die Stimmung und die Nachfrage am Markt wird auch durch die Situation auf der arabischen Halbinsel gedrückt. Dort halten Drohnenangriffe der jemenitischen Houthi-Rebellen auf saudische Raffinerien das Königreich weiter in Atem. Zuletzt waren Anlagen in Riad Ziel der Angriffe. Die Hauptstadt bat deshalb die USA Berichten zufolge bereits im Januar um zusätzliche Unterstützung. Amerika versorgt Saudi-Arabien schon länger mit Ausrüstung zur Verteidigung des eigenen Territoriums. Zusätzliche Lieferungen seien jedoch noch in der Schwebe.

Dies könnte auch daran liegen, dass die USA die Gefechtskonstellation noch nicht einschätzen kann. Vor allem von saudischer Seite wird immer wieder der Iran als möglicher Verbündeter der Rebellen genannt. So soll Teheran der Drahtzieher bei den schweren Attacken im Herbst 2019 und auch bei den neuerlichen Bombardierungen sein. Für die USA ist diese Konstellation hoch brisant, da die Staaten weiterhin mit dem Iran über eine Rückkehr zum 2018 gekippten Atomabkommen beraten. Sollte Saudi-Arabien umfangreiche Unterstützung im Kampf gegen die Rebellen zukommen, könnte dies den Dialog mit dem Iran erschweren.

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